
AX Design
AX Design bedeutet, Websites, Programme und Dienste so zu gestalten, dass nicht nur Menschen sie gut bedienen können, sondern auch selbstständig arbeitende Computerprogramme. Der Begriff ist die Antwort darauf, dass immer häufiger Software statt Menschen auf Seiten klickt, Formulare ausfüllt und Bestellungen auslöst.
Bisher wurden Websites und Apps für Menschen gebaut. Man überlegt, wo ein Knopf sitzen muss, welche Farbe gut lesbar ist und wie viele Schritte eine Bestellung braucht. Dieses Nachdenken über die Bedienung nennt man seit Jahrzehnten Nutzererfahrung, oft mit dem englischen Kürzel UX. Inzwischen sitzen aber nicht mehr nur Menschen vor den Bildschirmen. Immer öfter erledigen Programme die Arbeit, die selbstständig Aufgaben abarbeiten: sie suchen einen Flug, vergleichen Preise oder füllen ein Formular aus. AX Design ist der Versuch, digitale Angebote auch für diese Programme brauchbar zu machen.
Warum Software plötzlich zur Zielgruppe wird
Der Anlass ist ein neuer Typ von Programm, den man Agent nennt. Ein Agent bekommt ein Ziel in normaler Sprache, etwa « buche mir den günstigsten Zug nach Hamburg », und arbeitet dann eigenständig los. Er ruft Seiten auf, liest sie, klickt und prüft das Ergebnis. Große Anbieter wie OpenAI, Google und Anthropic haben solche Agenten seit 2024 in ihre Produkte eingebaut. Damit entsteht eine zweite Sorte Besucher, die niemand eingeplant hatte.
Für Unternehmen hängt daran bares Geld. Wenn ein Agent beim Bezahlvorgang eines Shops scheitert, weil ein Fenster aufpoppt oder ein Bild ohne Beschriftung als Knopf dient, geht der Auftrag verloren. Der Kunde merkt davon nur, dass es « nicht funktioniert hat ». Er versucht es dann beim Wettbewerber, dessen Seite der Agent versteht. Sichtbarkeit bei Maschinen wird so zu einem ähnlichen Thema, wie es die Sichtbarkeit bei Suchmaschinen seit zwanzig Jahren ist.
Es gibt auch die Gegenposition. Manche Betreiber wollen Agenten gerade nicht auf ihren Seiten haben, weil ihr Geschäft an Werbung hängt, die eine Maschine nicht ansieht. Auch das ist eine Entscheidung im Sinne von AX Design, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Die Frage lautet also nicht, ob man Agenten bedient, sondern wie bewusst man es tut.
Klare Schnittstellen statt schöner Oberflächen
Der erste und wichtigste Baustein ist eine Schnittstelle, also ein technischer Zugang, über den ein Programm Daten direkt abfragen kann. Ein Agent muss dann nicht mühsam eine Bildschirmseite auseinandernehmen, sondern erhält Preise und Verfügbarkeiten in sauber sortierter Form. Das ist schneller, billiger und deutlich weniger fehleranfällig. Als gemeinsamer Standard dafür hat sich seit 2024 das Model Context Protocol verbreitet, kurz MCP. Es legt fest, wie ein Dienst einem KI-Programm seine Funktionen anbietet.
Der zweite Baustein betrifft die normale Website, denn nicht jeder Anbieter hat eine Schnittstelle. Hier hilft sauberer Aufbau: eindeutige Beschriftungen für Knöpfe, sinnvolle Überschriften, maschinenlesbare Zusatzangaben zu Produkten und Preisen. Vieles davon überschneidet sich mit Barrierefreiheit, also der Gestaltung für Menschen mit Behinderung. Ein Screenreader für blinde Nutzer und ein Agent scheitern an genau denselben Stellen.
Dazu kommen Regeln, die Vertrauen schaffen. Der Betreiber will wissen, welcher Agent im Auftrag welcher Person handelt und was dieser tun darf. Deshalb entstehen gerade Verfahren zur Anmeldung und Beauftragung von Agenten. Ein häufiger Irrtum ist, AX Design sei nur ein neues Wort für Automatisierung. Der Unterschied: Automatisierung folgt einem festen Skript, ein Agent entscheidet unterwegs selbst.
Woran man AX Design im Netz erkennt
Im Alltag begegnet einem das Thema meist unsichtbar. Wenn ein KI-Assistent zuverlässig einen Tisch reserviert oder ein Paket verfolgt, steckt oft eine bewusst dafür gebaute Schnittstelle dahinter. Bricht er dagegen mitten im Vorgang ab, liegt es selten am Sprachmodell selbst. Meist ist die Zielseite für Maschinen schlicht nicht durchschaubar.
In Wirtschaftsnachrichten taucht AX Design im Zusammenhang mit Onlinehandel, Reiseportalen und Banken auf. Dort wird diskutiert, ob Agenten künftig einen relevanten Teil der Bestellungen auslösen und wer dabei die Kundenbeziehung behält. Auch Streit gehört dazu: Einige Verlage und Shops sperren Agenten aus oder verlangen Geld für den Zugang. Wer den Begriff kennt, versteht diese Meldungen als eine einzige Frage — für wen wird das Netz eigentlich noch gebaut.