Ablaufskizze der automatischen Kennzeichenerfassung in vier Schritten: Infrarotkamera nimmt vorbeifahrendes Auto auf, Software grenzt das Kennzeichenrechteck im Bild ein, Texterkennung wandelt die Zeichen in die Zeichenfolge um, Datenbankeintrag speichert Kennzeichen mit Ort und Uhrzeit und gleicht ihn mit einer Fahndungsliste ab.

Automated License Plate Reader

Ein Automated License Plate Reader ist eine Kamera mit angeschlossener Software, die Autokennzeichen fotografiert und die Zeichenfolge automatisch als Text ausliest. Zusammen mit Ort und Uhrzeit entsteht daraus eine Datenbank darüber, welches Fahrzeug wann wo unterwegs war.

Ein Automated License Plate Reader ist eine Kamera, die Autokennzeichen fotografiert und die Buchstaben und Zahlen darauf selbstständig in Text umwandelt. Der deutsche Begriff dafür lautet automatische Kennzeichenerfassung, die englische Abkürzung ist ALPR. Solche Kameras hängen an Brücken, Ampeln, Mautstationen, Parkhauseinfahrten oder auf dem Dach von Polizeifahrzeugen. Sie erfassen jedes vorbeifahrende Auto, nicht nur verdächtige. Zu jedem gelesenen Kennzeichen speichert das System außerdem den Standort der Kamera und den genauen Zeitpunkt. Aus vielen solchen Einträgen entsteht eine durchsuchbare Liste, wer wann wo gefahren ist.

Vom Einzelfoto zum Bewegungsprofil

Eine einzelne Aufnahme ist harmlos. Sie zeigt nur, dass ein bestimmtes Auto an einem Dienstagabend über eine bestimmte Kreuzung gefahren ist. Interessant wird die Technik erst durch die Menge. Ein Netz aus hunderten Kameras erfasst dasselbe Fahrzeug immer wieder, und aus diesen Punkten lässt sich eine Route rekonstruieren.

Damit entsteht ein Bewegungsprofil, also eine Übersicht über die typischen Wege einer Person. Daraus lässt sich mehr ablesen, als vielen bewusst ist. Regelmäßige Besuche bei einer Arztpraxis, einer Moschee oder einer Gewerkschaft stehen dann indirekt in der Datenbank. Genau deshalb streiten Datenschützer und Behörden seit Jahren über diese Systeme.

Ein zweiter Streitpunkt ist die Speicherdauer. Manche Systeme löschen ein Kennzeichen sofort, wenn es zu keinem Fahndungsfall passt. Andere heben alle Daten monate- oder jahrelang auf. In Deutschland hat das Bundesverfassungsgericht die anlasslose Dauerspeicherung mehrfach eingeschränkt. In den USA betreiben dagegen private Firmen riesige Kennzeichendatenbanken und verkaufen Zugriff darauf.

Wie die Kamera aus einem Blechschild Text macht

Der Ablauf besteht aus mehreren Schritten. Zuerst muss das System im Kamerabild überhaupt das Kennzeichen finden. Dafür sucht eine Software nach dem typischen hellen Rechteck mit dunklen Zeichen. Erst dieser kleine Bildausschnitt wird weiterverarbeitet, nicht das ganze Foto.

Im zweiten Schritt werden die einzelnen Zeichen erkannt. Diese Aufgabe heißt Texterkennung oder OCR und funktioniert ähnlich wie beim Einscannen eines Briefes. Heute übernimmt das meist ein neuronales Netz, also ein Programm, das die Zuordnung aus Millionen Beispielbildern gelernt hat. Es liefert nicht nur ein Ergebnis, sondern auch eine Sicherheitsangabe, etwa 97 Prozent.

Damit das bei Tempo 130 und Dunkelheit klappt, arbeiten die Kameras mit Infrarotlicht und sehr kurzen Belichtungszeiten. Kennzeichen sind reflektierend, deshalb leuchten sie im Infrarotbild hell auf. Fehler bleiben trotzdem: Schmutz, Schnee oder ein verbogenes Schild führen zu Verwechslungen. Besonders anfällig sind ähnliche Zeichen wie 0 und O oder 8 und B. Genau solche Lesefehler haben schon zu Festnahmen unbeteiligter Autofahrer geführt.

Mautbrücken, Parkhäuser und Polizeimeldungen

Die harmloseste Begegnung ist das Parkhaus. Beim Einfahren liest eine Kamera das Kennzeichen, beim Ausfahren vergleicht das System es mit der Bezahlung. Ein Ticket braucht man dann nicht mehr. Auch Tankstellen mit automatischer Abrechnung und viele Firmenschranken nutzen dieselbe Technik.

Im großen Maßstab läuft die Technik bei Mautsystemen. Die Kontrollbrücken über deutschen Autobahnen erfassen Lkw-Kennzeichen, um die Maut abzurechnen. In London entscheidet ein Kamerennetz, wer die Innenstadtgebühr zahlen muss. Auch Umweltzonen in mehreren europäischen Städten werden so kontrolliert.

In Nachrichten taucht der Begriff meist im Zusammenhang mit Polizeiarbeit oder Überwachungskritik auf. Die Polizei nutzt Kennzeichenscanner, um gestohlene Autos oder gesuchte Fahrzeuge zu finden. Firmen wie Flock Safety oder Motorola verkaufen ganze Kameranetze an US-Gemeinden, was regelmäßig Klagen auslöst. Wichtig ist dabei die Abgrenzung zur Gesichtserkennung: Ein ALPR erkennt das Fahrzeug, nicht die Person am Steuer. Wem ein Auto gehört, verrät erst der Abgleich mit dem Fahrzeugregister.

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