Schema der Agentenschleife: Ziel geht an das Sprachmodell, dieses wählt einen Schritt, ruft ein Werkzeug auf (Websuche, Datei, E-Mail), das Ergebnis wird beobachtet und zusammen mit dem Gedächtnis zurück an das Modell gegeben; ein Pfeil führt zur Abbruchbedingung und zum fertigen Ergebnis.

Agent

Ein Agent ist ein KI-System, das nicht nur antwortet, sondern eine Aufgabe selbst in Schritte zerlegt und dabei Werkzeuge wie Suchmaschinen, Programme oder Datenbanken benutzt. Er arbeitet also weiter, bis ein Ziel erreicht ist, statt nach einer Antwort zu stoppen.

Die meisten KI-Programme, die man kennt, funktionieren wie ein Gespräch: Man stellt eine Frage, das Programm liefert Text, danach ist es fertig. Ein Agent geht einen Schritt weiter. Er bekommt ein Ziel statt einer einzelnen Frage und arbeitet daran mehrere Runden lang. Dabei darf er selbst entscheiden, was als Nächstes zu tun ist. Er kann auch andere Programme benutzen, zum Beispiel eine Suchmaschine aufrufen, eine Datei öffnen oder eine Rechnung ausführen. Der Auftrag « Finde den günstigsten Zug nach Hamburg am Samstag und buche ihn » ist typisch für einen Agenten, nicht für einen einfachen Chatbot.

Vom Antwortgeber zum Auftragnehmer

Der Unterschied klingt technisch, ist wirtschaftlich aber groß. Ein Textprogramm liefert Vorschläge, die ein Mensch danach umsetzt. Ein Agent übernimmt die Umsetzung mit. Damit verschiebt sich der Nutzen von « spart mir Schreibarbeit » zu « erledigt einen Arbeitsschritt ». Genau deshalb reden Softwarefirmen seit 2024 fast nur noch über Agenten.

Für Unternehmen ändert das auch das Geschäftsmodell. Klassische Software wird pro Nutzer und Monat verkauft. Ein Agent, der Aufgaben abarbeitet, lässt sich pro erledigtem Vorgang abrechnen. Anbieter versprechen, dass ein Agent Vorgänge übernimmt, für die heute Menschen bezahlt werden, etwa im Kundendienst oder in der Buchhaltung.

Mit der Selbstständigkeit kommt die Verantwortung. Ein falscher Satz in einem Chat ist ärgerlich. Eine falsche Überweisung oder eine gelöschte Datei ist ein Schaden. Deshalb bekommen echte Agenten meist enge Grenzen: Sie dürfen nur bestimmte Werkzeuge nutzen, nur bis zu einem Betrag handeln, oder müssen bei heiklen Schritten einen Menschen fragen. Dieses Prinzip nennt man Human in the Loop, also Mensch als Zwischenstation.

Die Schleife aus Denken, Handeln und Beobachten

Im Kern eines Agenten steckt ein Sprachmodell, also ein Programm, das gelernt hat, sinnvollen Text fortzusetzen. Darum herum baut man eine Schleife. Das Modell notiert zuerst, was der nächste Schritt sein soll. Dann wird dieser Schritt tatsächlich ausgeführt, etwa eine Websuche. Das Ergebnis wird dem Modell als neuer Text vorgelegt, und die Runde beginnt erneut.

Damit das klappt, braucht der Agent drei Dinge. Erstens Werkzeuge: klar beschriebene Funktionen, die er aufrufen darf, zum Beispiel « suche im Web » oder « sende E-Mail ». Zweitens ein Gedächtnis, in dem Zwischenergebnisse und frühere Schritte gespeichert werden. Drittens eine Abbruchbedingung, sonst dreht die Schleife endlos weiter und verbrennt Rechenzeit.

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass ein Agent eine besonders intelligente Art von Modell sei. Das ist falsch. Es ist dasselbe Modell wie im Chat, nur anders verpackt. Und weil jeder Schritt eine neue Anfrage an das Modell ist, kostet ein Agentenlauf leicht das Zehn- bis Hundertfache einer einzelnen Chatantwort. Fehler summieren sich außerdem: Wer bei zehn Schritten pro Schritt zu fünf Prozent irrt, landet am Ende deutlich häufiger falsch.

Agenten im Browser, im Code-Editor und in der Hotline

Am weitesten sind Agenten beim Programmieren. Werkzeuge wie GitHub Copilot, Claude Code oder Cursor lesen ein ganzes Projekt, ändern mehrere Dateien, starten Tests und reparieren nach, wenn die Tests fehlschlagen. Das funktioniert dort besonders gut, weil der Computer selbst prüfen kann, ob das Ergebnis stimmt. Diese automatische Rückmeldung fehlt in vielen anderen Bereichen.

Daneben gibt es Agenten, die einen Browser bedienen: Sie klicken, tippen und füllen Formulare aus, um etwa Preise zu vergleichen oder Termine zu buchen. Im Kundendienst prüfen Agenten selbstständig Bestellnummern, veranlassen Rücksendungen und schreiben die Antwort dazu. In Büros übernehmen sie Routine wie das Sortieren von Rechnungen.

In Nachrichten und Werbung wird das Wort allerdings sehr weit gedehnt. Vieles, was als Agent verkauft wird, ist ein Chatbot mit angeschlossener Suche. Eine brauchbare Prüffrage lautet: Handelt das System mehrere Schritte lang selbst, oder liefert es nur Text? Nur im ersten Fall ist der Begriff berechtigt.

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