Zweistufiges Schema der ADFGVX-Chiffre: links ein 6x6-Quadrat mit Buchstaben und Ziffern, dessen Zeilen und Spalten mit A, D, F, G, V, X beschriftet sind und aus jedem Zeichen ein Buchstabenpaar macht; rechts eine Tabelle unter einem Schlüsselwort, deren Spalten alphabetisch sortiert und dann von oben nach unten abgelesen werden.

ADFGVX

ADFGVX ist ein Geheimschriftverfahren aus dem Ersten Weltkrieg, das jeden Buchstaben in zwei Zeichen aus der Gruppe A, D, F, G, V, X umwandelt und die Zeichen anschließend vertauscht. Es gilt als frühes Beispiel dafür, wie zwei einfache Tricks zusammen eine überraschend schwer knackbare Verschlüsselung ergeben.

ADFGVX ist ein Verfahren, um Nachrichten geheim zu machen. Es wurde 1918 von der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg eingesetzt. Der Name kommt von den sechs Buchstaben A, D, F, G, V und X. Nur diese sechs Buchstaben stehen am Ende in der verschlüsselten Nachricht. Man hat sie ausgewählt, weil sie im Morsealphabet sehr unterschiedlich klingen. Ein Funker konnte sie deshalb auch bei schlechtem Empfang kaum verwechseln.

Ein Klassiker der Funk-Geheimschrift

Im Ersten Weltkrieg wurden Befehle per Funk verschickt. Funksprüche kann jeder mithören, der ein Empfangsgerät besitzt. Geheimhaltung war also nur durch Verschlüsselung möglich. ADFGVX war für damalige Verhältnisse sehr stark, weil es zwei verschiedene Verschlüsselungsideen kombinierte.

Trotzdem wurde es geknackt. Der französische Offizier Georges Painvin fand nach wochenlanger Arbeit einen Weg, die abgefangenen Funksprüche zu entschlüsseln. Er nutzte dafür keinen gestohlenen Schlüssel, sondern nur Statistik und Muster in den Texten. Diese Geschichte ist bis heute ein Standardbeispiel in Büchern über Kryptographie, also über die Wissenschaft vom Verschlüsseln.

Für die Technikgeschichte ist ADFGVX auch deshalb interessant, weil es die Grenze von Handarbeit zeigt. Menschen konnten solche Verfahren mit Papier und Bleistift ausführen, aber nur langsam und fehleranfällig. Wenige Jahre später kamen Maschinen wie die Enigma auf, die das Verschlüsseln automatisierten.

Erst zerlegen, dann durchmischen

Der erste Schritt nutzt ein Quadrat mit sechs Zeilen und sechs Spalten. In die 36 Felder schreibt man alle 26 Buchstaben und die zehn Ziffern, in einer geheimen Reihenfolge. Zeilen und Spalten sind mit A, D, F, G, V und X beschriftet. Jedes Zeichen bekommt so ein Paar als Ersatz, zum Beispiel wird aus einem E vielleicht « FG ». Die Nachricht besteht danach nur noch aus diesen sechs Buchstaben und ist doppelt so lang.

Der zweite Schritt vertauscht die Reihenfolge. Man schreibt die Zeichenfolge zeilenweise unter ein geheimes Schlüsselwort. Dann sortiert man die Spalten alphabetisch nach den Buchstaben des Schlüsselworts. Anschließend liest man die Spalten von oben nach unten ab. Dadurch landen die beiden Zeichen eines Buchstaben weit voneinander entfernt im Text.

Diese Kombination ist der eigentliche Trick. Ersetzt man Buchstaben nur durch andere Zeichen, verrät die Häufigkeit viel: das E ist in deutschen Texten mit Abstand am häufigsten. Vertauscht man nur die Reihenfolge, bleiben die Buchstaben selbst sichtbar. Beides zusammen zerstört die Häufigkeitsmuster deutlich stärker als jeder Schritt allein. Genau dieses Prinzip steckt auch in modernen Verschlüsselungen, dort allerdings in vielen Runden und von Computern ausgeführt.

Vom Kriegsfunk in den Informatikunterricht

Im Alltag begegnet ADFGVX niemandem mehr als echter Schutz. Für heutige Computer ist es in Sekunden zu brechen. Wer sein Online-Banking nutzt, verschlüsselt mit Verfahren wie AES, die auf Mathematik und riesigen Schlüsselräumen beruhen.

Dafür tauchte ADFGVX häufig im Unterricht und in Programmierkursen auf. Das Verfahren ist einfach genug, um es von Hand zu üben, und trotzdem lehrreich. Es zeigt anschaulich, was Substitution und Transposition bedeuten: Zeichen ersetzen und Zeichen umsortieren. Auch in Rätselspielen, Escape Rooms und Geocaching-Aufgaben wird es gern verwendet.

In News-Texten über künstliche Intelligenz kommt der Begriff manchmal als Testaufgabe vor. Man lässt Sprachmodelle solche alten Chiffren knacken, um ihr logisches Vorgehen zu prüfen. Dabei zeigt sich ein typischer Irrtum: Ein Modell, das Texte gut versteht, ist nicht automatisch gut im geduldigen Durchprobieren von Spalten und Tabellen.

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