
Antibiotikaresistenz
Antibiotikaresistenz bedeutet, dass Bakterien von einem Medikament nicht mehr abgetötet werden, das früher gegen sie wirkte. Sie entsteht durch zufällige Veränderungen im Erbgut der Bakterien und breitet sich aus, wenn Antibiotika zu häufig oder falsch eingesetzt werden.
Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten oder ihre Vermehrung stoppen. Bakterien sind winzige Lebewesen aus einer einzigen Zelle, von denen manche Krankheiten auslösen. Von Antibiotikaresistenz spricht man, wenn ein solches Medikament gegen bestimmte Bakterien nicht mehr wirkt. Der Patient nimmt die Tabletten, doch die Erreger vermehren sich weiter. Wichtig ist dabei: Nicht der Mensch wird resistent, sondern die Bakterien in seinem Körper. Sind gleich mehrere verschiedene Medikamente wirkungslos, nennt man die Erreger multiresistent.
Warum Routineoperationen wieder gefährlich werden können
Antibiotika sind eine stille Grundlage der modernen Medizin. Ohne sie wären künstliche Hüftgelenke, Krebstherapien oder Frühgeborenenstationen kaum denkbar. In all diesen Fällen ist das Immunsystem geschwächt oder eine Wunde offen. Man verlässt sich darauf, eine auftretende Infektion notfalls mit Medikamenten stoppen zu können. Fällt dieser Schutz weg, wird aus einem kleinen Eingriff ein echtes Risiko.
Die Zahlen sind bereits heute deutlich. Schätzungen zufolge sterben weltweit jedes Jahr über eine Million Menschen an Infektionen mit resistenten Erregern. In Europa liegt die Zahl bei mehreren zehntausend Todesfällen pro Jahr. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Antibiotikaresistenz zu den größten Bedrohungen für die globale Gesundheit.
Gleichzeitig kommen kaum neue Wirkstoffe auf den Markt. Für Pharmafirmen sind Antibiotika wirtschaftlich unattraktiv, denn sie werden nur wenige Tage eingenommen. Ein Blutdruckmittel nimmt derselbe Patient dagegen jahrzehntelang. Neue Antibiotika werden zudem bewusst zurückgehalten, damit sie nicht schnell unwirksam werden. Wer sie entwickelt, verdient also gerade dann wenig, wenn er es richtig macht.
Wie Bakterien lernen, das Medikament zu überstehen
Bakterien vermehren sich rasend schnell, manche teilen sich alle zwanzig Minuten. Bei jeder Teilung entstehen zufällige Fehler im Erbgut, also in der Bauanleitung der Zelle. Die meisten dieser Fehler sind nutzlos oder schädlich. Einige wenige verändern jedoch genau die Stelle, an der ein Antibiotikum angreift. Dieses Bakterium überlebt die Behandlung, während seine Verwandten sterben.
Damit beginnt eine Auslese. Der Überlebende hat plötzlich unbegrenzt Platz und Nahrung und vermehrt sich ungestört. Nach kurzer Zeit besteht die gesamte Population aus resistenten Nachkommen. Das Antibiotikum erzeugt die Resistenz also nicht, es sortiert nur konsequent alle empfindlichen Bakterien aus. Genau deshalb ist häufiger und unnötiger Einsatz das Kernproblem.
Hinzu kommt eine Besonderheit: Bakterien können Resistenzgene direkt an Nachbarn weitergeben, auch an fremde Arten. Ein harmloser Darmkeim kann seine Widerstandsfähigkeit so an einen gefährlichen Erreger übergeben. Ein verbreiteter Irrtum ist übrigens, Antibiotika würden gegen Grippe oder Erkältung helfen. Diese werden von Viren ausgelöst, und Viren sind keine Bakterien. Solche Verschreibungen nützen nichts und züchten nebenbei Resistenzen heran.
Von der Hausarztpraxis bis zum Schweinestall
Im Alltag begegnet der Begriff meist bei der Arztpraxis. Wenn der Arzt bei Halsschmerzen kein Antibiotikum verschreibt, steckt oft genau dieser Gedanke dahinter. Auch der Hinweis, eine Packung bis zum Ende zu nehmen, gehört dazu. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist MRSA, ein Krankenhauskeim, gegen den viele Standardmedikamente versagen. Strenge Hygieneregeln und Desinfektionsspender in Kliniken sind eine direkte Reaktion darauf.
Ein großer Teil aller Antibiotika wird gar nicht bei Menschen eingesetzt, sondern in der Tierhaltung. Werden ganze Bestände vorbeugend behandelt, entstehen dort resistente Keime, die über Fleisch oder Gülle zu uns gelangen. Deshalb tauchen Resistenzen regelmäßig in Nachrichten über Landwirtschaft und Lebensmittelkontrolle auf.
In Technik- und Finanznachrichten erscheint das Thema aus einem anderen Blickwinkel. Biotech-Unternehmen suchen mit Computermodellen nach neuen Wirkstoffkandidaten, etwa indem Software Millionen möglicher Moleküle durchrechnet. Staaten diskutieren zugleich über Prämien, die die Entwicklung neuer Antibiotika wirtschaftlich lohnend machen sollen. Antibiotikaresistenz ist damit längst nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein ökonomisches Thema.