Schema eines Always-on-Agenten: Links Auslöser wie Zeitplan und eingehendes Ereignis, in der Mitte der Agent mit Sprachmodell und angebundenem Gedächtnis in Form einer Datenbank, rechts Werkzeuge wie Suchmaschine, E-Mail und Fachsystem; ein Rückpfeil vom Ergebnis zurück ins Gedächtnis zeigt den Kreislauf über mehrere Durchläufe.

Always-on-Agent

Ein Always-on-Agent ist ein Computerprogramm mit künstlicher Intelligenz, das dauerhaft im Hintergrund läuft und selbst entscheidet, wann es aktiv wird. Anders als ein Chatbot wartet es nicht auf eine Frage, sondern beobachtet Ereignisse und handelt von sich aus.

Die meisten Programme mit künstlicher Intelligenz funktionieren nach dem Muster Frage und Antwort. Man tippt etwas ein, das Programm rechnet, es antwortet, dann ist der Vorgang beendet. Ein Always-on-Agent kehrt dieses Muster um. Er läuft rund um die Uhr auf einem Server und beobachtet dabei laufend, was passiert: neue E-Mails, veränderte Preise, ein Fehler in einem System. Wenn eine Bedingung eintritt, die er für wichtig hält, wird er von selbst tätig. Der englische Ausdruck « always on » bedeutet genau das: immer eingeschaltet, nie auf einen Anstoß von außen angewiesen.

Vom Werkzeug zum Mitarbeiter auf Abruf

Der Unterschied klingt technisch, ist aber wirtschaftlich groß. Ein Chatbot ist ein Werkzeug: er nützt nur, solange jemand davorsitzt und ihn bedient. Ein dauerhaft laufender Agent übernimmt dagegen eine Aufgabe komplett, auch nachts und am Wochenende. Firmen rechnen deshalb nicht mehr in Antworten, sondern in erledigten Vorgängen.

Genau darin liegt der Grund, warum Investoren das Thema seit 2024 so aufmerksam verfolgen. Ein Programm, das nur antwortet, spart einem Mitarbeiter etwas Zeit. Ein Programm, das eine wiederkehrende Aufgabe vollständig übernimmt, ersetzt Arbeitsstunden. Anbieter verlangen dafür oft feste Monatspreise pro Agent statt Centbeträge pro Anfrage.

Es gibt aber eine Kehrseite. Ein Agent, der ohne Rückfrage handelt, kann auch ohne Rückfrage Fehler machen. Wenn er dauerhaft läuft, wiederholt er diesen Fehler unter Umständen tausendfach, bevor es jemand merkt. Deshalb bekommen solche Systeme meist harte Grenzen: bestimmte Aktionen darf nur ein Mensch freigeben.

Auslöser, Gedächtnis und Werkzeuge

Technisch besteht ein Always-on-Agent aus drei Teilen. Der erste ist der Auslöser. Das kann ein Zeitplan sein, etwa jede Minute, oder ein Ereignis, etwa eine eingehende Nachricht. Der Auslöser weckt den Agenten, sonst schläft er und kostet fast nichts.

Der zweite Teil ist das Gedächtnis. Ein normaler Chatbot vergisst nach dem Gespräch alles. Ein Agent, der über Wochen arbeitet, muss sich merken, was er schon getan hat. Dafür schreibt er seine Ergebnisse in eine Datenbank und liest sie beim nächsten Aufwachen wieder ein. Ohne dieses Gedächtnis würde er dieselbe Arbeit ständig neu beginnen.

Der dritte Teil sind die Werkzeuge. Ein Sprachmodell kann von sich aus nur Text erzeugen. Damit es etwas bewirkt, gibt man ihm Zugriff auf Programme: eine Suchmaschine, ein Kalender, ein Warenwirtschaftssystem. Das Modell entscheidet dann, welches Werkzeug es aufruft, und liest das Ergebnis wieder ein. Man kann sich das wie einen Praktikanten vorstellen, der zwar denken kann, aber erst durch Passwörter und Zugänge handlungsfähig wird.

Wo solche Agenten schon arbeiten

Im Alltag begegnet man ihnen meist unbemerkt. Ein Agent überwacht die Server eines Onlineshops und startet einen Neustart, bevor Kunden etwas merken. Ein anderer liest den Posteingang eines Kundendienstes, sortiert Anfragen und beantwortet einfache selbst. In der Softwareentwicklung prüfen Agenten neuen Programmcode und schlagen Korrekturen vor, ohne dass jemand sie darum bittet.

In der Finanzbranche laufen ähnliche Systeme, die Nachrichten und Kurse dauerhaft beobachten und bei auffälligen Mustern eine Warnung schicken. Wichtig ist die Abgrenzung: Das ist kein automatischer Börsenhandel. Der Agent bereitet vor und meldet, die Entscheidung trifft in der Regel ein Mensch.

In Nachrichtenmeldungen taucht der Begriff oft zusammen mit « agentische KI » auf. Ein häufiger Irrtum ist dabei, jeden Agenten für einen Always-on-Agenten zu halten. Viele Agenten arbeiten nur eine einzelne Aufgabe ab und beenden sich danach. Erst der Dauerbetrieb mit eigenem Auslöser macht den Unterschied aus.

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