
Assisted-by-Tag
Ein Assisted-by-Tag ist eine Kennzeichnung, die auf digitalen Plattformen anzeigt, dass ein Inhalt mithilfe von KI-Werkzeugen erstellt oder bearbeitet wurde. Tech-Konzerne wie Meta und LinkedIn führen solche Labels ein, um Nutzern mehr Transparenz über die Herkunft von Inhalten zu geben.
Ein Assisted-by-Tag ist eine kleine Markierung, die direkt an einem Post, einem Bild oder einem Artikel erscheint. Sie signalisiert: Dieser Inhalt wurde ganz oder teilweise mit einem KI-Programm erstellt oder bearbeitet. Das Wort « Tag » kommt aus dem Englischen und bedeutet hier schlicht « Etikett » — vergleichbar mit dem Hinweis « gesponsert » unter einer Werbeanzeige. Der Unterschied ist, dass das Assisted-by-Tag keine Bezahlung anzeigt, sondern den Einsatz von Software. Manche Plattformen setzen das Label automatisch, andere fordern die Nutzerin oder den Nutzer auf, es selbst zu setzen.
Vertrauen als knappes Gut im Zeitalter generierter Inhalte
Moderne KI-Programme können Texte, Fotos und Videos in Sekunden produzieren, die von menschlich erstellten Inhalten kaum zu unterscheiden sind. Das schafft ein Problem: Wer liest einen Nachrichtenartikel oder sieht ein Foto, weiß oft nicht mehr, ob dahinter ein Mensch steckt oder ein Algorithmus. Das Vertrauen in digitale Inhalte leidet, wenn diese Frage dauerhaft offen bleibt.
Genau hier setzt der Assisted-by-Tag an. Er soll diese Unsicherheit sichtbar machen, ohne KI-Nutzung grundsätzlich zu verurteilen. Die Idee ist ähnlich wie die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittelzusatzstoffe: Man muss sie nicht vermeiden, aber man hat das Recht zu wissen, dass sie drin sind. Für Plattformen ist das auch eine rechtliche Absicherung — in der EU wächst der Druck, KI-generierte Inhalte erkennbar zu machen, etwa durch den AI Act, das neue KI-Regelwerk der Europäischen Union.
Wer setzt den Tag — und wie zuverlässig ist das?
Es gibt zwei grundlegende Ansätze. Beim ersten erkennt die Plattform selbst, ob ein Inhalt KI-generiert ist — zum Beispiel durch Wasserzeichen, also unsichtbare Markierungen, die KI-Werkzeuge direkt in Bilder einbetten. Beim zweiten Ansatz müssen Nutzerinnen und Nutzer beim Hochladen selbst angeben, ob sie KI verwendet haben. Plattformen wie Meta setzen auf beide Methoden kombiniert.
Der schwächste Punkt ist die Selbstauskunft. Wer absichtlich täuschen will, klickt das Kästchen einfach nicht an. Automatische Erkennung ist zuverlässiger, aber noch nicht perfekt: Sie schlägt manchmal bei normalen Fotos an oder übersieht subtil bearbeitete Inhalte. Die Technologie hinter der Erkennung — etwa Metadaten-Analyse oder KI-Detektoren — entwickelt sich gerade schnell weiter, ist aber noch kein verlässliches Allheilmittel.
Hinzu kommt die Frage der Abstufung. Ist ein Foto « KI-assistiert », wenn jemand nur den Hintergrund mit einem KI-Werkzeug weichgezeichnet hat? Oder erst dann, wenn das gesamte Bild generiert wurde? Die meisten Plattformen ziehen die Grenze noch nicht scharf — das führt dazu, dass das Label manchmal zu großzügig und manchmal zu selten vergeben wird.
Wo der Tag bereits in der Praxis auftaucht
Meta hat den Assisted-by-Tag 2024 auf Instagram und Facebook eingeführt. Wer dort ein mit KI bearbeitetes Bild hochlädt, soll es kennzeichnen — andernfalls drohen Sanktionen wie eingeschränkte Reichweite. LinkedIn zieht nach und testet ähnliche Labels für Beiträge, die mit KI-Schreibhilfen verfasst wurden. Auch YouTube experimentiert mit Kennzeichnungen für KI-generierte Videos, vor allem bei realistischen Deepfakes — also täuschend echten, gefälschten Videoaufnahmen von Personen.
Im Journalismus taucht der Begriff ebenfalls auf. Einige Nachrichtenredaktionen kennzeichnen Artikel, bei denen KI beim Recherchieren oder Formulieren geholfen hat. Die Diskussion dort ist lebhaft: Kritiker sehen im Tag eine Entwertung des Textes, Befürworter sehen ihn als Zeichen von Ehrlichkeit. In beiden Fällen wird der Assisted-by-Tag zu einem Signal, das Leser zunehmend aktiv deuten — er ist nicht mehr nur ein technisches Detail, sondern Teil der Glaubwürdigkeit eines Inhalts.