Pull Request

Ein Pull Request ist der Vorschlag, eine Änderung an einem Software-Projekt in die offizielle Version zu übernehmen. Andere Beteiligte lesen den Vorschlag, kommentieren ihn und entscheiden, ob er übernommen wird.

Software besteht aus Textdateien, an denen viele Menschen gleichzeitig arbeiten. Damit sich niemand gegenseitig überschreibt, gibt es eine offizielle Fassung des Projekts. Wer etwas ändern will, arbeitet zuerst an einer eigenen Kopie. Ist die Änderung fertig, stellt er einen Pull Request: eine formelle Bitte, die eigene Änderung in die offizielle Fassung aufzunehmen. Der Pull Request zeigt genau, welche Zeilen hinzugefügt, gelöscht oder ersetzt wurden. Andere Beteiligte lesen das, stellen Fragen und stimmen am Ende zu oder lehnen ab.

Warum das wichtig ist

Der Pull Request ist die zentrale Qualitätskontrolle in der Softwareentwicklung. Kein Code kommt in ein größeres Projekt, ohne dass ihn mindestens ein zweiter Mensch gelesen hat. Das findet Fehler früh, als sie noch billig zu beheben sind.

Er schafft außerdem eine Art Protokoll. Jede Änderung ist mit Begründung, Diskussion und Zustimmung dokumentiert. Wenn ein Jahr später etwas kaputt ist, lässt sich nachlesen, wer welche Entscheidung aus welchem Grund getroffen hat. In Unternehmen mit Auflagen für Nachvollziehbarkeit ist das nicht nur praktisch, sondern Pflicht.

Für offene Projekte, an denen Freiwillige aus der ganzen Welt mitarbeiten, ist das Verfahren die Grundvoraussetzung. Fremde dürfen Vorschläge einreichen, ohne dass sie Schreibrechte am Original brauchen.

Wie es funktioniert

Der Ablauf hat fünf Schritte. Zuerst legt die Entwicklerin einen sogenannten Branch an, also einen abgetrennten Arbeitsstrang neben der offiziellen Fassung. Dort ändert sie, was sie ändern will, und speichert die Zwischenstände. Dann eröffnet sie den Pull Request und beschreibt in Worten, was das Ganze bewirken soll.

Nun beginnt die Prüfung, im Fachjargon Code Review. Kollegen lesen die Änderung Zeile für Zeile und hinterlassen Kommentare direkt an den betroffenen Stellen. Meist arbeitet die Autorin daraufhin nach und ergänzt weitere Änderungen im selben Pull Request. Parallel laufen automatische Tests, die prüfen, ob das Programm noch fehlerfrei startet und rechnet.

Sind alle zufrieden und die Tests grün, wird der Pull Request zusammengeführt. Man nennt das mergen. Der abgetrennte Arbeitsstrang verschmilzt mit der offiziellen Fassung und wird danach gelöscht. Der Vergleich mit einer Redaktion trägt hier gut: Ein Autor liefert einen Text, ein Redakteur markiert Stellen, der Autor überarbeitet, erst dann geht es in den Druck.

Wo man dem Begriff begegnet

Der Ausdruck stammt von GitHub, der größten Plattform für gemeinsame Softwareentwicklung. Dort liegen Millionen offener Projekte, und jeder kann die Pull Requests im Browser lesen. Bei GitLab, einem Konkurrenten, heißt dasselbe Merge Request. Gemeint ist die identische Sache.

In Nachrichten über Technologie tauchen Pull Requests oft als Belege auf. Wenn Journalisten schreiben, ein Unternehmen arbeite an einer neuen Funktion, stützen sie sich manchmal auf öffentlich sichtbare Änderungsvorschläge in seinem Code.

Aktuell verschiebt sich das Bild durch KI. Programmierassistenten schreiben inzwischen selbst Pull Requests und reichen sie zur Prüfung ein. Bei manchen Firmen stammt ein erheblicher Teil der Vorschläge nicht mehr von Menschen. Das verändert die Arbeit der Entwickler: Sie schreiben weniger selbst und prüfen dafür mehr. Genau deshalb wird über die Frage diskutiert, wie gründlich Menschen maschinell erzeugten Code überhaupt noch lesen.

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