
Credit Default Swap
Ein Credit Default Swap ist ein Finanzvertrag, bei dem eine Partei gegen regelmäßige Zahlungen das Risiko übernimmt, dass ein Schuldner seine Schulden nicht zurückzahlt. Er funktioniert wie eine Versicherung gegen Kreditausfall, wird aber auch von Spekulanten genutzt, die den Zusammenbruch eines Unternehmens oder Staates wetten.
Ein Credit Default Swap ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien über ein Kreditrisiko — also das Risiko, dass jemand seine Schulden nicht zurückzahlt. Eine Seite zahlt regelmäßige Beträge, ähnlich wie Versicherungsprämien. Die andere Seite verpflichtet sich im Gegenzug, eine große Summe zu zahlen, falls ein bestimmter Schuldner — zum Beispiel ein Unternehmen oder ein Staat — tatsächlich zahlungsunfähig wird. Tritt dieser Fall nicht ein, behält die Risikoübernehmende Seite einfach die Prämien. Der Name klingt technisch, steckt aber eine einfache Logik dahinter: Das Ausfallrisiko wird gegen regelmäßige Zahlungen « geswappt », also getauscht.
Die Rolle von CDS in der Finanzkrise 2008
Credit Default Swaps wurden durch die Finanzkrise 2008 weltbekannt. Bis dahin galten sie als nützliches Werkzeug für Banken. Eine Bank, die einem Unternehmen einen Kredit gibt, trägt das Risiko, dass das Unternehmen pleitegeht. Mit einem CDS konnte sie dieses Risiko an jemand anderen weitergeben — und hatte damit theoretisch mehr Spielraum, weitere Kredite zu vergeben.
Das Problem: Viele CDS wurden nicht von Parteien abgeschlossen, die tatsächlich das zugrundeliegende Risiko trugen. Spekulanten nutzten sie, um auf den Zusammenbruch von Unternehmen zu wetten — ohne selbst betroffen zu sein, wenn nichts passierte. Der Gesamtwert aller offenen CDS-Verträge überstieg zeitweise 60 Billionen US-Dollar. Als viele Schuldner gleichzeitig ausfielen, konnten die Risikoverkäufer ihre Versprechen nicht mehr erfüllen. Der Versicherungskonzern AIG musste 2008 vom US-Staat gerettet werden, weil er zu viele CDS-Verpflichtungen angehäuft hatte.
Aufbau und Ablauf eines CDS-Vertrags
Ein CDS-Vertrag hat immer drei Elemente: ein Referenzsubjekt, eine Laufzeit und eine Prämie. Das Referenzsubjekt ist der Schuldner, dessen Zahlungsausfall abgesichert wird — etwa eine bestimmte Staatsanleihe Italiens oder eine Unternehmensanleihe von Volkswagen. Die Laufzeit ist meist zwischen einem und zehn Jahren. Die Prämie, oft « Spread » genannt, wird in Basispunkten gemessen: 100 Basispunkte entsprechen einer jährlichen Zahlung von einem Prozent des abgesicherten Betrags.
Tritt ein sogenanntes Kreditereignis ein — also zum Beispiel Zahlungsausfall, Umschuldung oder Insolvenz —, dann zahlt der Risikoverkäufer dem Käufer den vereinbarten Betrag. Im Gegenzug übergibt der Käufer die inzwischen nahezu wertlosen Anleihen des ausgefallenen Schuldners. Tritt kein Kreditereignis ein, läuft der Vertrag aus, und der Käufer hat nur seine Prämien verloren. Der Risikoverkäufer hat diese Prämien verdient, ohne zahlen zu müssen.
Ein wichtiger Unterschied zu einer echten Versicherung: Bei einer Versicherung muss man selbst betroffen sein. Wer sein Haus versichert, muss das Haus besitzen. Bei einem CDS gibt es keine solche Pflicht. Jeder kann einen CDS auf jeden Schuldner kaufen — auch ohne eine einzige Anleihe dieses Schuldners zu besitzen. Diese Variante heißt « Naked CDS » und ist in der EU seit 2012 für Staatsanleihen verboten.
CDS als Risikobarometer in der Finanzpresse
In Wirtschaftsnachrichten tauchen Credit Default Swaps meist als Stimmungsanzeiger auf. Steigen die CDS-Spreads eines Landes stark an, bedeutet das: Der Markt hält einen Zahlungsausfall für wahrscheinlicher. Während der europäischen Schuldenkrise ab 2010 beobachteten Journalisten täglich die CDS-Spreads von Griechenland, Portugal und Spanien — sie galten als Echtzeit-Indikator dafür, wie nervös die Märkte waren.
Auch bei Unternehmen funktioniert das so. Wenn ein großes Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, springen seine CDS-Spreads oft, bevor der Aktienkurs reagiert. Professionelle Investoren beobachten den CDS-Markt deshalb sehr genau. Für Privatanleger ist der direkte Handel mit CDS kaum zugänglich — die Verträge werden nicht an Börsen, sondern direkt zwischen großen Finanzinstituten gehandelt, was sie wenig transparent macht.