
Copyleft
Copyleft ist eine Lizenzbedingung für Software und andere Werke: Man darf sie frei nutzen, verändern und weitergeben – aber nur unter denselben Bedingungen. So bleibt der Quelltext auch in allen späteren Versionen offen.
Wer ein Programm schreibt, besitzt daran automatisch ein Urheberrecht. Er darf also bestimmen, wer es kopieren, verändern und weitergeben darf. Normalerweise nutzen Firmen dieses Recht, um andere auszuschließen. Copyleft dreht die Idee um: Der Urheber erlaubt ausdrücklich alles – Kopieren, Verändern, Verkaufen – knüpft das aber an eine Bedingung. Wer das veränderte Programm weitergibt, muss es unter genau denselben Regeln weitergeben und den Bauplan des Programms, den sogenannten Quelltext, mitliefern. Der Name ist ein Wortspiel: Aus dem englischen « copyright » wird « copyleft », also das Gegenteil davon.
Warum Freiheit ohne Bedingung nicht hält
Ohne Copyleft könnte jeder eine offene Software nehmen, sie leicht verändern und die neue Version geschlossen verkaufen. Die Arbeit der ursprünglichen Entwickler landet dann in einem Produkt, an dem niemand mehr weiterarbeiten darf. Genau das wollte der Programmierer Richard Stallman in den 1980er Jahren verhindern. Er entwarf dafür die GNU General Public License, kurz GPL, bis heute die bekannteste Copyleft-Lizenz.
Der Effekt ist eine Art Kettenreaktion. Jede Verbesserung, die jemand veröffentlicht, fließt zwangsläufig zurück in den gemeinsamen Bestand. Über Jahrzehnte ist so eine riesige Menge frei nutzbarer Software entstanden. Der Linux-Kern, das Herzstück fast aller Server und aller Android-Handys, steht unter der GPL.
Für Unternehmen ist das zugleich ein Risiko. Wer Copyleft-Code in ein eigenes Produkt einbaut, muss unter Umständen den kompletten eigenen Quelltext offenlegen. Große Firmen beschäftigen deshalb Juristen, die prüfen, welche Lizenz an welchem Codeschnipsel hängt. In der Branche heißt diese strenge Wirkung manchmal spöttisch « virale Lizenz ».
Die Bedingung, die sich vererbt
Technisch ist Copyleft kein eigenes Gesetz, sondern ein Vertrag. Die Lizenz nutzt das ganz normale Urheberrecht als Hebel. Ohne Erlaubnis des Urhebers dürfte man den Code gar nicht verwenden. Die Erlaubnis gibt es nur im Paket mit der Weitergabepflicht. Wer sich nicht daran hält, verliert das Nutzungsrecht und verletzt damit das Urheberrecht.
Man unterscheidet starkes und schwaches Copyleft. Beim starken Copyleft, etwa der GPL, gilt die Pflicht für das gesamte Programm, in das der Code eingebaut wird. Beim schwachen Copyleft, etwa der LGPL, gilt sie nur für die veränderte Programmbibliothek selbst. Der Rest der Anwendung darf geschlossen bleiben. Eine dritte Gruppe, die permissiven Lizenzen wie MIT oder Apache, verzichtet ganz auf diese Pflicht: Man muss nur den Urheber nennen.
Ein häufiger Irrtum: Copyleft bedeutet nicht, dass Software kostenlos sein muss. Man darf ein GPL-Programm verkaufen. Der Käufer erhält dann aber den Quelltext und darf ihn selbst weitergeben – was hohe Preise in der Praxis schwierig macht.
Copyleft in KI-Modellen und offenen Datensätzen
Im Alltag begegnet Copyleft jedem, der Wikipedia liest. Deren Texte stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz mit Copyleft-Bedingung, abgekürzt « Share Alike ». Wer Wikipedia-Text übernimmt und erweitert, muss das Ergebnis wieder frei zugänglich machen. Auch der Browser Firefox, das Betriebssystem Linux und viele Grafikprogramme beruhen auf Copyleft-Lizenzen.
In der KI-Branche ist die Frage neu und ungeklärt. Wenn ein Sprachmodell aus Copyleft-Code gelernt hat und ähnlichen Code ausgibt – gilt die Bedingung dann auch für dieses Ergebnis? Über genau diese Frage laufen mehrere Gerichtsverfahren, unter anderem gegen den Programmierassistenten GitHub Copilot. Eine endgültige Antwort gibt es bisher nicht.
Parallel entstehen Lizenzen für die Modelle selbst. Manche offenen Modelle erlauben zwar den Download der Gewichte, verbieten aber bestimmte Anwendungen oder große kommerzielle Nutzung. Reine Copyleft-Fachleute halten das nicht für echtes Copyleft, weil es Nutzungen einschränkt statt nur die Weitergabe zu regeln. Wenn in Nachrichten von « Open Source » bei KI-Modellen die Rede ist, lohnt deshalb ein Blick in die konkrete Lizenz.