
Chips Act
Chips Act ist der Name von staatlichen Förderprogrammen, mit denen die USA und die EU den Bau von Fabriken für Computerchips im eigenen Land bezahlen. Ziel ist es, weniger von Herstellern in Asien abhängig zu sein.
In fast jedem elektronischen Gerät steckt mindestens ein Chip: ein kleines Plättchen aus Silizium, das rechnet oder Daten speichert. Solche Chips werden in extrem teuren Spezialfabriken hergestellt, und die stehen überwiegend in Asien, vor allem in Taiwan, Südkorea und China. Das gefiel den Regierungen in Washington und Brüssel nicht mehr. Sie beschlossen deshalb Gesetze, die den Bau solcher Fabriken im eigenen Land mit Steuergeld unterstützen. Diese Gesetze heißen Chips Act. Es gibt zwei davon: den amerikanischen von 2022 und den europäischen von 2023.
Warum Staaten plötzlich Fabriken bezahlen
Normalerweise entscheiden Unternehmen selbst, wo sie produzieren. Bei Chips halten Regierungen das inzwischen für zu riskant. Der Auslöser war die Corona-Zeit. Damals fehlten Chips weltweit, und Autofabriken in Deutschland standen still, weil kleine Steuerbauteile nicht lieferbar waren. Plötzlich war sichtbar, wie viel an einer einzigen Lieferkette hängt.
Dazu kommt die Politik. Die modernsten Chips der Welt entstehen fast alle bei einer einzigen Firma auf Taiwan, einer Insel, deren Zugehörigkeit China für sich beansprucht. Ein Konflikt dort könnte die Versorgung der halben Weltwirtschaft unterbrechen. Chips stecken außerdem in Waffensystemen und in den Rechenzentren, mit denen KI-Modelle trainiert werden. Eigene Produktion gilt deshalb als Frage der nationalen Sicherheit, nicht nur der Wirtschaft.
Die Summen sind entsprechend groß. Das US-Gesetz stellt rund 52 Milliarden Dollar bereit, davon etwa 39 Milliarden direkt für Fabriken. Die EU spricht von rund 43 Milliarden Euro, wobei ein großer Teil aus bereits geplanten Töpfen und aus Geld der Mitgliedsstaaten stammt. Der europäische Betrag ist also weniger frisches Geld, als die Zahl vermuten lässt.
Geld, Bedingungen und ein 20-Prozent-Ziel
Der Staat baut keine Fabrik selbst. Er senkt die Kosten für Unternehmen, die freiwillig bauen. Dafür gibt es drei Werkzeuge: direkte Zuschüsse, Steuernachlässe und günstige Kredite oder Bürgschaften. Eine moderne Chipfabrik kostet leicht 20 Milliarden Dollar. Ein Zuschuss von einigen Milliarden kann darüber entscheiden, ob sie in Arizona, Sachsen oder doch in Asien entsteht.
An das Geld sind Bedingungen geknüpft. In den USA dürfen geförderte Firmen ihre modernste Produktion für eine bestimmte Zeit nicht in China ausbauen. Sehr hohe Gewinne müssen teilweise mit dem Staat geteilt werden, und für Aktienrückkäufe darf die Förderung nicht verwendet werden. Die EU verfolgt zusätzlich ein erklärtes Ziel: bis 2030 soll ein Fünftel der weltweiten Chipproduktion aus Europa kommen. 2023 lag der Anteil bei etwa zehn Prozent.
Ein häufiger Irrtum ist, dass es dabei nur um Fabriken geht. Beide Gesetze fördern auch Forschung, Pilotanlagen und Ausbildung. Denn eine Fabrik nützt wenig, wenn niemand da ist, der die Anlagen bedienen kann. Genau daran hakt es in der Praxis oft am stärksten.
Von Magdeburg bis zur Quartalszahl
Am sichtbarsten wurde der EU Chips Act in Magdeburg. Dort wollte der taiwanische Hersteller TSMC mit Partnern eine Fabrik bauen, ein anderes Projekt von Intel wurde 2024 verschoben und später gestoppt. Solche Nachrichten stehen regelmäßig im Wirtschaftsteil, weil an einem einzelnen Werk tausende Arbeitsplätze und Milliarden an Fördergeld hängen.
In den USA gingen Zuschüsse unter anderem an Intel, TSMC, Samsung und Micron. Wenn ein Chipkonzern seine Quartalszahlen vorlegt, tauchen die Fördermittel dort als Posten auf. Anleger achten darauf, weil sie die Gewinne beeinflussen. 2025 wurde in einem Fall aus Förderung sogar eine Staatsbeteiligung: Die US-Regierung übernahm Anteile an Intel.
Vom Chips Act zu unterscheiden sind die Exportkontrollen. Das sind Verbote, bestimmte Hochleistungschips nach China zu verkaufen. Beides gehört zur gleichen Strategie, ist aber rechtlich getrennt: Der Chips Act fördert Aufbau im eigenen Land, Exportkontrollen bremsen die Konkurrenz. Im Alltag merkt man von beidem nichts direkt. Bei den Preisen für Grafikkarten, Handys und Autos entscheidet sich langfristig aber genau hier, wie stabil die Versorgung bleibt.