
Chikungunya-Virus
Das Chikungunya-Virus ist ein Krankheitserreger, der durch Stiche bestimmter Mücken auf Menschen übertragen wird und hohes Fieber sowie starke Gelenkschmerzen auslöst. Es verbreitet sich seit Jahren in immer mehr Regionen der Welt, inzwischen auch in Südeuropa.
Das Chikungunya-Virus ist ein winziger Krankheitserreger, der Menschen krank machen kann. Er wird nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben, sondern durch den Stich bestimmter Mücken. Wer sich ansteckt, bekommt meist nach drei bis sieben Tagen hohes Fieber und sehr starke Gelenkschmerzen. Der Name stammt aus einer Sprache in Tansania und bedeutet ungefähr « der gekrümmt Gehende ». Damit ist gemeint, dass die Schmerzen Erkrankte in eine gebeugte Haltung zwingen. Die Krankheit verläuft nur selten tödlich, kann aber viele Monate lang nachwirken.
Warum sich das Virus immer weiter ausbreitet
Chikungunya galt lange als Problem tropischer Länder in Afrika und Asien. Das hat sich geändert. Die Tigermücke, eine der beiden wichtigsten Überträgerinnen, lebt inzwischen auch in Italien, Frankreich, Spanien und in Teilen Süddeutschlands. Sie ist mit Reifen- und Pflanzentransporten nach Europa gelangt und hat sich dort festgesetzt. Wärmere Sommer helfen ihr zusätzlich, weil sich das Virus in der Mücke nur bei ausreichender Wärme vermehrt.
Deshalb tauchen in Europa seit einigen Jahren lokale Ausbrüche auf. Ein Reisender bringt das Virus im Blut mit, eine hiesige Mücke sticht ihn und überträgt es dann an Nachbarn. In Italien und Frankreich gab es so bereits mehrere hundert Fälle ohne Auslandsaufenthalt. Gesundheitsbehörden beobachten das genau, weil eine neue Krankheit in einer Bevölkerung ohne jede Immunität schnell viele Menschen treffen kann.
Wirtschaftlich ist Chikungunya ebenfalls relevant. Große Ausbrüche legen Arbeitskräfte für Wochen lahm und belasten Tourismusregionen. Auf Réunion erkrankte 2005 und 2006 etwa ein Drittel der Inselbevölkerung. Seit 2023 sind erste Impfstoffe zugelassen, was auch für Pharmaunternehmen und deren Anleger eine Rolle spielt.
Vom Mückenstich bis zum Gelenkschmerz
Der Kreislauf beginnt bei einem infizierten Menschen. Sticht ihn eine Mücke, nimmt sie das Virus mit dem Blut auf. Im Körper der Mücke vermehrt es sich über etwa eine Woche und wandert in die Speicheldrüsen. Sticht die Mücke danach einen weiteren Menschen, gelangt das Virus mit dem Speichel in dessen Blut. Man kann sich das als eine fliegende Spritze vorstellen, die zwei Menschen nacheinander verbindet.
Im menschlichen Körper befällt das Virus vor allem Zellen in Haut, Muskeln und Gelenken. Das Immunsystem reagiert heftig, und genau diese Abwehrreaktion verursacht das Fieber und die Schmerzen. Typisch sind geschwollene Hände, Füße und Knie, oft auf beiden Körperseiten gleichzeitig. Viele Patienten haben zusätzlich Hautausschlag und Kopfschmerzen.
Ein Medikament gegen das Virus selbst gibt es nicht. Behandelt werden nur die Beschwerden, etwa mit fiebersenkenden Mitteln und viel Flüssigkeit. Nach überstandener Infektion ist man vermutlich lebenslang geschützt. Bei einem Teil der Erkrankten bleiben die Gelenkschmerzen jedoch monate- oder jahrelang bestehen. Hier liegt der wichtigste Unterschied zum Dengue-Virus, das dieselben Mücken übertragen: Dengue ist gefährlicher, Chikungunya dafür langwieriger.
Chikungunya in Reisewarnungen und Nachrichten
Am häufigsten begegnet einem der Begriff in Reisehinweisen des Auswärtigen Amts. Für Länder in Südostasien, Südamerika, der Karibik und Ostafrika steht dort regelmäßig ein Warnhinweis zu Chikungunya. Die empfohlene Schutzmaßnahme ist immer dieselbe: lange Kleidung, Mückenschutzmittel auf der Haut und Moskitonetze. Die Tigermücke sticht anders als die Malariamücke vor allem tagsüber.
In den Nachrichten taucht das Virus meist bei zwei Anlässen auf. Entweder gibt es einen großen Ausbruch, wie zuletzt im Indischen Ozean und in Teilen Asiens. Oder es geht um Impfstoffe: Seit 2023 sind zwei Präparate in den USA und Europa zugelassen, empfohlen vor allem für Reisende und ältere Menschen in Risikogebieten.
Ein verbreiteter Irrtum ist, Chikungunya sei ansteckend wie eine Grippe. Das stimmt nicht. Ohne Mücke gibt es praktisch keine Übertragung, Husten oder Händeschütteln spielen keine Rolle. Wer aus einem Risikogebiet zurückkommt und Fieber bekommt, sollte trotzdem zum Arzt gehen. Die Symptome ähneln denen von Malaria und Dengue, und nur ein Bluttest bringt Klarheit.