Schema eines Custom Agent: Links die Nutzerfrage, in der Mitte das Sprachmodell mit den drei Zulieferern Systemanweisung, Dokumentendatenbank und Werkzeug-Schnittstellen, rechts die Antwort sowie eine ausgeführte Aktion wie Termin eintragen.

Custom Agent

Ein Custom Agent ist ein selbst eingerichtetes KI-Programm, das eine feste Aufgabe für eine bestimmte Person oder Firma erledigt. Es bekommt dafür eigene Anweisungen, eigene Daten und den Zugriff auf ausgewählte Werkzeuge wie Kalender, Datenbanken oder E-Mail.

Viele KI-Programme können auf Fragen antworten, aber sie tun das für alle Nutzer auf dieselbe Weise. Ein Custom Agent ist ein solches Programm, das jemand für einen ganz bestimmten Zweck eingerichtet hat. Man gibt ihm feste Anweisungen, zum Beispiel: beantworte Kundenanfragen zu unseren Fahrrädern. Man gibt ihm außerdem eigene Unterlagen mit, etwa Preislisten oder Handbücher. Und man erlaubt ihm, bestimmte Programme zu benutzen, etwa den Terminkalender oder das Bestellsystem. Aus einem allgemeinen Werkzeug wird so ein spezialisierter Helfer mit klarem Auftrag.

Warum Firmen nicht bei der Standard-KI bleiben

Eine allgemeine KI kennt das Internet, aber nicht dein Unternehmen. Sie weiß nicht, was ein Ersatzteil bei euch kostet, welche Kollegin für Reklamationen zuständig ist oder wie eure Garantiebedingungen lauten. Genau dieses Wissen entscheidet aber darüber, ob eine Antwort brauchbar ist. Ein Custom Agent schließt diese Lücke, weil er die internen Informationen mitbekommt.

Der zweite Grund ist Verlässlichkeit. Ein allgemeines Modell antwortet mal so, mal anders, je nachdem wie die Frage formuliert ist. Für einen Kundendienst ist das ein Problem. Feste Anweisungen engen den Spielraum ein: Der Agent soll nie Rabatte versprechen, immer die Bestellnummer erfragen, bei rechtlichen Fragen an einen Menschen abgeben. Das macht das Verhalten planbarer.

Wirtschaftlich interessant ist der Zeitgewinn. Eine Aufgabe, die ein Mitarbeiter zehn Minuten kostet, dauert beim Agenten Sekunden. Bei tausend Vorgängen pro Woche summiert sich das. Deshalb tauchen Custom Agents in Quartalsberichten von Softwarefirmen inzwischen als eigenes Geschäftsfeld auf.

Anweisungen, Wissen und Werkzeuge

Im Kern eines Custom Agent steckt ein ganz normales großes Sprachmodell, also eine KI, die Texte versteht und erzeugt. Dieses Modell wird meistens gar nicht verändert. Verändert wird, was man ihm vorlegt, bevor der Nutzer überhaupt etwas fragt. Dieser feste Vortext heißt Systemanweisung und beschreibt Rolle, Tonfall und Verbote.

Dazu kommt eigenes Wissen. Firmendokumente werden in einer Datenbank abgelegt. Stellt jemand eine Frage, sucht das System zuerst die passenden Textstellen heraus und legt sie dem Modell mit vor. Man nennt dieses Verfahren Retrieval, also gezieltes Nachschlagen. Der Vorteil: Ändert sich eine Preisliste, tauscht man das Dokument aus, statt die KI neu zu trainieren.

Der dritte Baustein sind Werkzeuge. Das sind Schnittstellen zu anderen Programmen, die der Agent selbst aufrufen darf. Er kann so einen Termin eintragen, eine Bestellung nachschlagen oder eine Mail verschicken. Erst diese Handlungsfähigkeit unterscheidet einen Agenten von einem reinen Chatbot, der nur redet. Ein häufiger Irrtum ist, dass ein Custom Agent eigens trainiert wird. In den allermeisten Fällen wird er nur konfiguriert, und das dauert Stunden statt Monate.

Vom Support-Chat bis zum eigenen GPT

Am häufigsten trifft man Custom Agents im Kundendienst. Wenn ein Chatfenster auf einer Shop-Seite deine Bestellnummer kennt und den Lieferstatus nennt, steckt oft genau so ein System dahinter. Auch interne Helfer sind verbreitet: Ein Agent für die Personalabteilung beantwortet Fragen zu Urlaubsanträgen aus den echten Betriebsvereinbarungen.

Für Privatpersonen gibt es dieselbe Idee in einfacher Form. Bei ChatGPT heißen solche selbst gebauten Varianten GPTs, bei anderen Anbietern Assistants, Gems oder Projekte. Man beschreibt in normalem Deutsch, was der Helfer tun soll, lädt ein paar Dateien hoch, fertig. Ein Schüler kann sich so einen Agenten bauen, der nur aus dem eigenen Bio-Skript abfragt.

In den Wirtschaftsnachrichten begegnet dir der Begriff meist im Zusammenhang mit Unternehmenssoftware. Anbieter wie Microsoft, Salesforce oder ServiceNow verkaufen Baukästen für solche Agenten. Wichtig bleibt dabei ein Punkt: Ein Custom Agent ist nur so gut wie die Unterlagen, die er bekommt. Sind die internen Dokumente veraltet, gibt er veraltete Auskünfte mit voller Überzeugung.

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