Schema eines CGM-Systems: Sensor mit Faden unter der Haut misst Zucker in der Gewebeflüssigkeit, sendet die Werte per Funk an Smartphone und Insulinpumpe, die daraus eine Dosis berechnet.

CGM

CGM steht für die kontinuierliche Messung des Zuckergehalts im Körper durch einen kleinen Sensor unter der Haut. Statt einzelner Blutstropfen liefert das Gerät alle paar Minuten einen neuen Wert an Smartphone oder Uhr.

CGM ist die Abkürzung für Continuous Glucose Monitoring, also die laufende Überwachung des Zuckerspiegels im Körper. Ein münzgroßer Sensor klebt dabei auf dem Oberarm oder Bauch. Ein hauchdünner Faden reicht wenige Millimeter unter die Haut und misst dort, wie viel Traubenzucker in der Gewebeflüssigkeit steckt. Alle ein bis fünf Minuten schickt der Sensor einen neuen Wert per Funk an ein Smartphone, eine Smartwatch oder ein kleines Lesegerät. Früher mussten sich Menschen mit Diabetes dafür mehrmals täglich in den Finger stechen und einen Blutstropfen auf einen Teststreifen geben. Ein CGM ersetzt diese Einzelmessungen durch eine durchgehende Kurve.

Vom Einzelwert zur Kurve

Der entscheidende Unterschied ist nicht die Genauigkeit, sondern die Richtung. Eine Fingerstichmessung sagt nur: gerade eben war der Wert so hoch. Ob er steigt oder fällt, bleibt offen. Ein CGM zeigt zusätzlich einen Trendpfeil. Wer sieht, dass der Zucker steil abfällt, kann rechtzeitig etwas essen, bevor eine gefährliche Unterzuckerung eintritt.

Diabetes betrifft weltweit mehrere hundert Millionen Menschen. Zu hohe Werte über Jahre schädigen Augen, Nieren und Nerven, zu niedrige Werte können innerhalb von Minuten zu Bewusstlosigkeit führen. Studien zeigen, dass Nutzer eines CGM deutlich mehr Zeit im gesunden Zielbereich verbringen. Diese Kennzahl heißt Time in Range und hat den früher üblichen Langzeitwert als wichtigste Messgröße teilweise abgelöst.

Für Anleger und Technikinteressierte ist CGM außerdem einer der größten Märkte der Medizintechnik. Hersteller wie Dexcom, Abbott und Medtronic verdienen nicht am Gerät, sondern an den Sensoren, die alle ein bis zwei Wochen ersetzt werden müssen. Dieses Abo-artige Geschäftsmodell erklärt, warum der Bereich an der Börse so aufmerksam beobachtet wird.

Was der Faden unter der Haut misst

Der Sensor misst den Zucker nicht direkt im Blut, sondern in der Flüssigkeit zwischen den Zellen. Auf dem Faden sitzt ein Enzym, das mit Traubenzucker reagiert. Bei dieser Reaktion fließt ein winziger elektrischer Strom. Je mehr Zucker vorhanden ist, desto stärker der Strom. Ein Chip im Sensor rechnet diesen Strom in einen Zuckerwert um.

Daraus ergibt sich eine typische Eigenheit: Die Gewebeflüssigkeit hinkt dem Blut um etwa fünf bis fünfzehn Minuten hinterher. Nach einem süßen Getränk zeigt der Sensor den Anstieg also verzögert an. Moderne Geräte gleichen diese Verzögerung mit Software teilweise aus. Genau hier kommt zunehmend Künstliche Intelligenz ins Spiel.

Algorithmen lernen aus den Datenverläufen vieler Nutzer, wie sich eine Kurve wahrscheinlich weiterentwickelt. Sie warnen, bevor ein kritischer Wert überhaupt erreicht ist. In sogenannten Closed-Loop-Systemen geht das noch weiter: Der Sensor meldet seine Werte an eine Insulinpumpe, ein Programm berechnet die passende Dosis und die Pumpe gibt sie automatisch ab. Man spricht dann von einer künstlichen Bauchspeicheldrüse.

Vom Krankenhaus in den Drogeriemarkt

Am häufigsten sieht man CGM-Sensoren als weißen oder grauen Aufkleber am Oberarm. Bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes sind sie in Deutschland inzwischen Standard und werden von den Krankenkassen bezahlt. Eltern können die Werte ihrer Kinder aus der Ferne auf dem eigenen Handy mitverfolgen.

Seit 2024 sind in den USA erste CGM-Systeme ohne Rezept zugelassen, gedacht für Menschen ohne Diabetes. Beworben werden sie als Werkzeug für Ernährung und Sport. Fachgesellschaften sind hier zurückhaltend: Bei Gesunden schwankt der Zucker ohnehin, und einzelne Ausschläge sagen wenig über die Gesundheit aus. Der Nutzen für diese Gruppe ist wissenschaftlich umstritten.

In Wirtschaftsnachrichten taucht CGM meist im Zusammenhang mit Quartalszahlen, Patentstreitigkeiten oder Zulassungen auf. Ein verwandter Begriff ist Wearable, also am Körper getragene Technik wie Fitnessuhren. Der Unterschied: Ein CGM ist ein zugelassenes Medizinprodukt mit strengen Genauigkeitsanforderungen, eine Fitnessuhr nicht.

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