COBOL

COBOL

COBOL ist eine Programmiersprache aus dem Jahr 1959, die für Buchhaltung, Gehaltsabrechnung und Bankgeschäfte entworfen wurde. Sie gilt als veraltet, läuft aber bis heute in Banken, Versicherungen und Behörden und verwaltet dort täglich enorme Geldbeträge.

COBOL ist eine Programmiersprache, also eine festgelegte Schreibweise, in der Menschen einem Computer Anweisungen geben. Der Name steht für « Common Business Oriented Language », auf Deutsch etwa « gemeinsame geschäftsorientierte Sprache ». Sie wurde 1959 in den USA entwickelt, unter anderem von der Informatikerin Grace Hopper. Das Ziel war ungewöhnlich: Die Anweisungen sollten aussehen wie einfache englische Sätze. Ein Befehl lautet zum Beispiel ADD SALARY TO TOTAL, also « addiere das Gehalt zur Summe ». COBOL war nie für Spiele oder Grafik gedacht, sondern für Rechnungen, Konten und Listen.

Warum 65 Jahre alter Code noch Geld bewegt

COBOL wirkt wie ein Museumsstück, ist aber sehr lebendig. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit noch mehrere hundert Milliarden Zeilen COBOL-Code im Einsatz sind. Große Teile des Zahlungsverkehrs laufen darüber: Kontostände, Überweisungen, Kreditkartenabrechnungen. Auch Versicherungen, Steuerbehörden und Fluggesellschaften nutzen die Sprache.

Der Grund ist einfach: Die Programme funktionieren. Ein Buchungssystem, das seit 40 Jahren zuverlässig rechnet, tauscht man nicht leichtfertig aus. Jede Umstellung birgt das Risiko, dass Geld falsch verbucht wird. Mehrere Banken haben solche Modernisierungen versucht und dabei dreistellige Millionenbeträge verloren.

Das Problem ist der Nachwuchs. Die Menschen, die diese Systeme geschrieben haben, sind längst im Ruhestand. An Universitäten wird COBOL kaum noch gelehrt. In der Corona-Pandemie suchte der US-Bundesstaat New Jersey öffentlich nach COBOL-Programmierern, weil das Arbeitslosensystem die Antragsflut nicht bewältigte.

Sätze statt Symbole: der Aufbau eines COBOL-Programms

Ein COBOL-Programm besteht aus vier festen Abschnitten, den sogenannten Divisions. Sie regeln der Reihe nach: den Namen des Programms, die verwendete Hardware, die benutzten Daten und schließlich die eigentlichen Rechenschritte. Diese strenge Ordnung wirkt umständlich, macht fremden Code aber auch nach Jahrzehnten noch lesbar.

Auffällig ist die Wortfülle. Moderne Sprachen schreiben eine Zuweisung als x = y + z. COBOL schreibt COMPUTE X = Y + Z oder ausführlich ADD Y TO Z GIVING X. Die Idee dahinter war, dass auch Kaufleute ohne Informatikstudium den Code verstehen. Ein COBOL-Programm ist deshalb oft drei- bis fünfmal so lang wie ein gleichwertiges Programm in einer neueren Sprache.

Eine technische Besonderheit erklärt die lange Lebensdauer im Finanzbereich. COBOL rechnet standardmäßig mit Dezimalzahlen, so wie man es auf Papier tun würde. Viele andere Sprachen rechnen intern mit Binärbrüchen und erzeugen dabei winzige Rundungsfehler. Bei Millionen Buchungen pro Tag summieren sich solche Fehler zu echten Beträgen. Genau diese Zuverlässigkeit beim Geldrechnen ist ein Grund, warum die Sprache bis heute nicht verschwunden ist.

COBOL in aktuellen Schlagzeilen und in KI-Projekten

Im Alltag begegnet dir COBOL, ohne dass du es merkst. Wenn du am Automaten Geld abhebst oder eine Überweisung tätigst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass irgendwo in der Kette ein COBOL-Programm läuft. Diese Programme arbeiten auf Großrechnern, also besonders robusten Zentralcomputern, die ganze Serverschränke füllen.

In den Nachrichten taucht die Sprache meist in zwei Zusammenhängen auf. Erstens bei Pannen: Fällt ein Bankensystem tagelang aus, steckt oft eine misslungene Umstellung alter Software dahinter. Zweitens bei Politik und Verwaltung, wenn Behörden Fördergelder nicht schnell genug auszahlen können, weil ihre Systeme aus den Achtzigerjahren stammen.

Seit einigen Jahren kommt ein KI-Thema dazu. Firmen wie IBM bieten Werkzeuge an, die COBOL-Code mit Sprachmodellen automatisch in modernere Sprachen wie Java übersetzen sollen. Das ist attraktiv, aber heikel: Die KI muss nicht nur den Code verstehen, sondern auch die Geschäftsregeln, die oft nirgends dokumentiert sind. Ein verbreiteter Irrtum ist, COBOL sei einfach « schlechte alte Technik ». Das eigentliche Problem ist nicht die Sprache, sondern das verlorene Wissen darüber, warum ein Programm genau so rechnet, wie es rechnet.

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