Carolina Principles

Carolina Principles

Die Carolina Principles sind eine Sammlung von Leitsätzen der University of North Carolina für den Umgang mit generativer künstlicher Intelligenz in Lehre, Forschung und Verwaltung. Sie schreiben keine Technik vor, sondern legen fest, welche Fragen jede Einrichtung vor dem Einsatz solcher Werkzeuge beantworten muss.

Die Carolina Principles sind ein Regelwerk der University of North Carolina, einer großen staatlichen Hochschule in den USA. Es beschreibt, wie Lehrende, Studierende und Verwaltung mit Programmen umgehen sollen, die auf Knopfdruck Texte, Bilder oder Programmcode erzeugen. Solche Programme fasst man unter dem Begriff generative künstliche Intelligenz zusammen; ChatGPT ist das bekannteste Beispiel. Die Leitsätze verbieten diese Werkzeuge nicht, sie stellen aber Bedingungen. Kern ist die Idee, dass ein Mensch die Verantwortung trägt und nicht das Programm. Veröffentlicht wurden sie 2023, als Hochschulen weltweit vor derselben Frage standen: erlauben oder verbieten.

Warum Hochschulen überhaupt eigene Leitsätze brauchten

Als Textgeneratoren ab Ende 2022 frei verfügbar wurden, reagierten viele Schulen und Universitäten mit pauschalen Verboten. Das erwies sich schnell als wenig praktikabel. Es gibt kein zuverlässiges Verfahren, das erkennt, ob ein Text von einem Menschen oder einer Maschine stammt. Sogenannte KI-Detektoren melden regelmäßig Fehlalarme, besonders bei Texten von Nicht-Muttersprachlern. Ein Verbot, das man nicht durchsetzen kann, schafft vor allem Unsicherheit.

Die Carolina Principles wählten deshalb einen anderen Weg. Sie verlagern die Entscheidung von einer zentralen Stelle zu den einzelnen Fächern und Kursen. Eine Mathematik-Vorlesung hat andere Anforderungen als ein Seminar über kreatives Schreiben. Die Leitsätze verlangen nur, dass die Regel klar benannt und begründet wird. Für Studierende bedeutet das: Was erlaubt ist, muss im Kurs stehen und nicht erraten werden.

Wichtig ist auch die Abgrenzung zu einem Gesetz. Die Carolina Principles sind kein Recht, sondern eine Selbstverpflichtung einer Institution. Sie sind damit näher an einer Hausordnung als an der europäischen KI-Verordnung, dem AI Act. Trotzdem haben sie Wirkung entfaltet, weil andere Hochschulen sie als Vorlage übernommen haben.

Die Leitsätze im Einzelnen

Ein zentraler Punkt ist die menschliche Verantwortung. Wer ein Ergebnis einer KI abgibt, haftet dafür wie für eigene Arbeit. Das gilt auch dann, wenn das Programm etwas frei erfunden hat. Solche erfundenen Angaben nennt man Halluzinationen; Sprachmodelle geben sie im selben sicheren Tonfall aus wie korrekte Fakten. Die Ausrede, die Maschine sei schuld, ist nach diesen Grundsätzen ausgeschlossen.

Ein zweiter Punkt betrifft Offenlegung. Wo KI eingesetzt wurde, soll das erkennbar sein, etwa in einer kurzen Notiz zur Arbeit. Ein dritter Punkt behandelt Datenschutz. Persönliche Daten, unveröffentlichte Forschungsergebnisse oder Prüfungsunterlagen gehören nicht in ein öffentliches Chatfenster, weil der Anbieter sie speichern und weiterverwenden kann. Hinzu kommen Fairness und Zugang: Wenn ein Kurs ein kostenpflichtiges Werkzeug voraussetzt, benachteiligt das Studierende mit wenig Geld.

Man kann sich das Regelwerk wie die Zitierregeln für Quellen vorstellen. Auch dort geht es nicht darum, fremde Gedanken zu verbieten. Es geht darum, sie sichtbar zu machen und die eigene Leistung davon zu trennen. Die Carolina Principles übertragen dieses eingeübte Prinzip auf ein neues Werkzeug.

Wo die Prinzipien heute auftauchen

In der Praxis begegnen sie Studierenden vor allem in Kursbeschreibungen. Dort steht dann, ob KI für Recherche erlaubt, für Entwürfe geduldet oder für Abgaben untersagt ist. Auch Verwaltungen berufen sich darauf, etwa wenn entschieden wird, ob Bewerbungen von einem Programm vorsortiert werden dürfen.

In der Berichterstattung über Bildung und Technologie werden die Carolina Principles häufig als frühes Beispiel für institutionelle KI-Regeln zitiert. Deutsche Hochschulen und einzelne Bundesländer haben inzwischen ähnliche Papiere veröffentlicht, oft mit vergleichbaren Punkten. Wer die Grundidee kennt, versteht solche Meldungen schneller. Der wiederkehrende Kern lautet fast immer: Transparenz, menschliche Verantwortung und Schutz sensibler Daten.

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