Investment-Grade-Rating

Investment-Grade-Rating

Ein Investment-Grade-Rating ist eine gute Note für die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners. Sie besagt: Wer diesem Staat oder Unternehmen Geld leiht, bekommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück.

Wenn ein Staat oder ein großes Unternehmen Geld braucht, leiht es sich das oft bei vielen Geldgebern gleichzeitig. Diese Geldgeber wollen vorher wissen, wie sicher ihr Geld ist. Dafür gibt es spezielle Firmen, die Schuldner bewerten und ihnen eine Note geben. Diese Note besteht meist aus Buchstaben, zum Beispiel AAA, BBB oder B. Fällt sie gut aus, heißt sie Investment-Grade-Rating, also etwa « Anlagequalität ». Die Aussage dahinter ist einfach: Dieser Schuldner wird seine Schulden mit hoher Wahrscheinlichkeit pünktlich zurückzahlen. Fällt die Note schlechter aus, spricht man von spekulativer Qualität oder umgangssprachlich von Ramsch-Anleihen.

Die Grenze bei BBB− und was sie auslöst

Die Grenze zwischen guter und schlechter Note liegt an einer festen Stelle. Bei den großen Bewertungsfirmen Standard & Poor’s und Fitch ist die letzte gute Stufe BBB−, bei Moody’s heißt sie Baa3. Eine Stufe darunter beginnt der spekulative Bereich. Diese Linie klingt willkürlich, hat aber enorme Folgen.

Viele große Geldanleger dürfen nämlich nur oberhalb dieser Linie investieren. Versicherungen, Pensionskassen und viele Fonds haben Regeln, die ihnen schlechtere Schuldpapiere verbieten. Rutscht ein Unternehmen unter die Grenze, müssen diese Anleger verkaufen, auch wenn sie es gar nicht wollen. Der Kurs der betroffenen Papiere fällt dann oft stark. Für so einen Absturz gibt es sogar einen eigenen Begriff: gefallener Engel, englisch fallen angel.

Umgekehrt zahlt eine gute Note sich in Bargeld aus. Wer als sicher gilt, bekommt Kredit zu niedrigeren Zinsen. Bei einer Schuld von einer Milliarde Euro können schon zwei Prozentpunkte Unterschied 20 Millionen Euro pro Jahr bedeuten. Deshalb kämpfen Finanzchefs hart darum, ihre Note zu halten.

Wie eine Bonitätsnote zustande kommt

Eine Bewertungsfirma, auch Ratingagentur genannt, sieht sich die Zahlen des Schuldners genau an. Wichtig ist vor allem das Verhältnis von Schulden zum laufenden Gewinn. Ein Unternehmen, das jährlich so viel verdient wie es insgesamt schuldet, gilt als robust. Hat es das Zehnfache seines Gewinns an Schulden, wird es kritisch. Dazu kommen Fragen nach Barreserven, Zahlungsterminen und der Frage, wie stabil das Geschäft in einer Krise bleibt.

Die Note ist keine reine Rechenaufgabe. Ein Komitee aus Analysten stimmt am Ende darüber ab. Es fließt auch ein, wie das Management wirtschaftet und wie es der ganzen Branche geht. Bei Staaten schauen die Agenturen zusätzlich auf politische Stabilität und Steuereinnahmen.

Wichtig ist eine Abgrenzung: Ein Rating bewertet nur das Rückzahlungsrisiko, nicht die Aussicht auf Gewinn. Eine Aktie hat gar kein Rating, weil es dort keine Rückzahlung gibt. Und selbst die Bestnote AAA ist keine Garantie. In der Finanzkrise 2008 stürzten viele mit AAA bewertete Papiere ab, weil die Agenturen die Risiken falsch eingeschätzt hatten. Genau dafür wurden sie danach massiv kritisiert.

Wo die Note in Nachrichten und im eigenen Depot auftaucht

In Wirtschaftsnachrichten liest man Sätze wie « Moody’s senkt den Ausblick für Frankreich » oder « Ratingagentur bestätigt BBB für den Konzern ». Solche Meldungen bewegen Kurse innerhalb von Minuten. Auch der Zwischenschritt zählt: Wird ein Schuldner auf die Beobachtungsliste gesetzt, ist das eine Warnung vor einer möglichen Herabstufung.

Auch privat begegnet man dem Begriff. Wer einen Anleihefonds kauft, findet im Namen oft den Zusatz « Investment Grade » oder « High Yield ». Der erste hält sich an die guten Noten und schwankt weniger. Der zweite kauft die schlechteren und verspricht dafür höhere Zinsen. Diese höheren Zinsen sind kein Geschenk, sondern die Bezahlung für ein größeres Risiko.

Für Technologieunternehmen ist das Thema in den letzten Jahren wichtiger geworden. Wer riesige Rechenzentren für künstliche Intelligenz baut, braucht dafür Milliarden an Fremdkapital. Konzerne wie Microsoft oder Alphabet haben Spitzenratings und leihen sich Geld extrem günstig. Kleinere Anbieter ohne gute Note zahlen deutlich mehr Zinsen. Die Bonitätsnote entscheidet damit mit darüber, wer beim Wettrennen um KI-Rechenleistung überhaupt mithalten kann.

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