IPO

IPO

Ein IPO ist der erste Verkauf von Firmenanteilen an das breite Publikum über die Börse. Aus einem privaten Unternehmen mit wenigen Eigentümern wird dadurch ein öffentliches Unternehmen, dessen Anteile jeder kaufen und verkaufen kann.

Ein Unternehmen gehört immer irgendjemandem. Der Besitz ist in Anteile zerlegt, sogenannte Aktien. Bei einer jungen Firma halten diese Anteile meist nur die Gründer und einige Geldgeber. Ein IPO ist der Moment, in dem solche Anteile zum ersten Mal öffentlich zum Kauf angeboten werden. Danach kann jeder Mensch mit einem Wertpapierkonto sie an der Börse kaufen, also an dem geregelten Marktplatz, auf dem Anteile gehandelt werden. Die Abkürzung steht für Initial Public Offering, auf Deutsch spricht man vom Börsengang.

Was ein Börsengang für die Firma verändert

Der offensichtlichste Grund für einen IPO ist Geld. Ein Unternehmen gibt neue Aktien aus und bekommt dafür Kapital, das es nicht zurückzahlen muss. Ein Bankkredit wäre anders: den muss man tilgen und verzinsen. Für Firmen, die jahrelang Verluste machen, aber schnell wachsen wollen, ist das ein entscheidender Unterschied. Gerade Technologieunternehmen brauchen oft Milliarden, bevor sie Gewinn erwirtschaften.

Der zweite Grund wird seltener genannt, ist aber genauso wichtig. Frühe Geldgeber und Mitarbeiter mit Aktienoptionen sitzen auf Anteilen, die sie nicht verkaufen können. Solange die Firma privat ist, gibt es kaum einen Käufer. Der IPO schafft einen Markt und macht diesen Papierbesitz zu echtem Geld. Man nennt das einen Exit.

Der Preis dafür ist Kontrolle und Offenheit. Eine börsennotierte Firma muss regelmäßig Zahlen veröffentlichen, meist jedes Quartal. Umsatz, Gewinn, Risiken und Gehälter der Chefetage werden öffentlich. Außerdem reden nun tausende Aktionäre mit, zumindest über die Hauptversammlung. Manche Gründer meiden den Börsengang genau deshalb und suchen ihr Geld lieber bei privaten Investoren.

Vom Prospekt bis zum ersten Kurs

Ein IPO wird nicht vom Unternehmen allein organisiert. Es beauftragt Investmentbanken, die den Prozess begleiten und die Aktien bei großen Anlegern platzieren. Diese Banken heißen Konsortialbanken. Zusammen mit Anwälten und Prüfern erstellen sie den Wertpapierprospekt, ein oft mehrere hundert Seiten langes Dokument. Darin steht das Geschäftsmodell, die Finanzlage und eine lange Liste möglicher Risiken. Eine Aufsichtsbehörde prüft, ob dieser Prospekt vollständig ist.

Danach folgt die Roadshow. Das Management reist zu großen Investoren wie Fonds und Versicherungen und wirbt für die Aktie. Aus deren Kaufinteresse entsteht das Orderbuch, und daraus wird der Ausgabepreis abgeleitet. Am ersten Handelstag entscheidet dann aber der Markt. Liegt der Eröffnungskurs deutlich über dem Ausgabepreis, spricht man von Underpricing: das Unternehmen hätte mehr Geld einnehmen können.

Es gibt Alternativen zu diesem klassischen Weg. Bei einer Direktplatzierung werden keine neuen Aktien ausgegeben, bestehende Eigentümer verkaufen einfach direkt an der Börse. Und bei einem SPAC kauft eine bereits börsennotierte leere Hülle die Firma auf, die dadurch indirekt an die Börse kommt. SPACs waren um 2021 sehr beliebt und gelten heute als riskant, weil viele der so gelisteten Firmen stark an Wert verloren.

IPOs in den Tech-Nachrichten

In Wirtschaftsmeldungen tauchen IPOs fast täglich auf. Bekannte Beispiele sind der Börsengang von Facebook 2012 oder der des Chipdesigners Arm 2023. In Deutschland gingen unter anderem Delivery Hero und die Porsche AG an die Börse. Meist wird dabei die Bewertung genannt, also der rechnerische Gesamtwert der Firma: Aktienzahl mal Kurs.

Für die KI-Branche ist das Thema besonders spannend. Firmen wie OpenAI oder Anthropic sind bislang privat und finanzieren sich über einzelne große Investoren. Ob und wann sie an die Börse gehen, gilt als wichtiger Gradmesser. Ein sogenanntes IPO-Fenster öffnet sich nur, wenn die Stimmung an den Märkten gut ist. In unsicheren Zeiten verschieben Unternehmen ihren Börsengang oft um Monate oder Jahre.

Ein verbreiteter Irrtum lohnt zum Schluss die Klarstellung. Wer beim IPO Aktien kauft, gibt sein Geld nur dann der Firma, wenn es sich um neu ausgegebene Aktien handelt. Verkaufen dagegen Altaktionäre ihre Anteile, fließt das Geld an sie. Und dass ein Kurs am ersten Tag steigt, sagt wenig über den Erfolg auf lange Sicht.

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