Schema einer Kartenzahlung über 50 Euro: Vom Kunden über seine kartenausgebende Bank, das Kartennetzwerk und den Zahlungsdienstleister bis zum Händler; eingezeichnet sind die drei Abzüge Interchange, Netzwerkgebühr und Marge des Dienstleisters, sodass beim Händler rund 49,20 Euro ankommen.

Interchange

Interchange ist die Gebühr, die bei jeder Karten- oder Handyzahlung von der Bank des Händlers an die Bank des Kunden fließt. Sie ist der größte Einzelposten in den Kosten einer Kartenzahlung und in der EU gesetzlich gedeckelt.

Wenn du im Supermarkt mit Karte oder Handy bezahlst, bekommt der Händler nicht den vollen Betrag. Von jedem Einkauf geht ein kleiner Anteil an die Banken und Unternehmen, die die Zahlung abwickeln. Der größte Teil dieses Anteils heißt Interchange. Er wandert von der Bank des Händlers zu der Bank, die deine Karte ausgegeben hat. Bei 50 Euro Einkauf sind das in Europa oft rund 10 Cent. Der deutsche Fachausdruck dafür lautet Interbankenentgelt, gemeint ist genau dasselbe.

Warum ein paar Cent pro Einkauf Milliarden bewegen

Einzeln wirkt der Betrag lächerlich klein. Aber in Deutschland werden jedes Jahr mehrere Milliarden Kartenzahlungen ausgeführt. Aus Cent-Beträgen wird so ein Markt in Milliardenhöhe. Für Banken ist Interchange eine der verlässlichsten Einnahmequellen im Privatkundengeschäft.

Genau daraus entsteht ein Interessenkonflikt. Händler wollen die Gebühr möglichst niedrig, Banken möglichst hoch. Händler können sich aber kaum wehren: Wer Visa oder Mastercard nicht akzeptiert, verliert Kunden. Deshalb hat die EU 2015 eine Obergrenze gesetzlich festgelegt. Bei Privatkunden-Debitkarten liegt sie bei 0,2 Prozent des Umsatzes, bei Kreditkarten bei 0,3 Prozent.

In den USA gibt es keine vergleichbar strenge Deckelung für Kreditkarten. Dort liegen die Sätze oft bei 1,5 bis 2,5 Prozent. Das erklärt, warum amerikanische Karten so großzügig Bonusmeilen und Cashback verteilen. Diese Prämien werden aus den hohen Interchange-Einnahmen bezahlt — letztlich über die Preise im Laden von allen Kunden mitfinanziert, auch von denen, die bar zahlen.

Der Weg des Geldes bei einer Kartenzahlung

An einer Kartenzahlung sind vier Parteien beteiligt. Da ist der Kunde mit seiner Bank, die die Karte ausgegeben hat. Und da ist der Händler mit seinem Zahlungsdienstleister, der die Zahlung für ihn einsammelt. Dazwischen steht ein Kartennetzwerk wie Visa oder Mastercard, das die Nachrichten zwischen beiden Seiten transportiert.

Zahlst du 50 Euro, belastet deine Bank dein Konto mit genau 50 Euro. Beim Händler kommen aber nur etwa 49,20 Euro an. Die Differenz teilt sich in drei Teile: das Interchange für deine Bank, eine Gebühr für das Kartennetzwerk und die Marge des Zahlungsdienstleisters. Das Interchange ist davon meist der größte Brocken.

Ein häufiger Irrtum: Viele halten Visa und Mastercard für die Empfänger der Gebühr. Das stimmt nicht. Die Netzwerke legen die Interchange-Sätze zwar fest, kassieren sie aber nicht selbst. Sie verdienen an eigenen, deutlich kleineren Netzwerkgebühren. Das Interchange geht an die kartenausgebende Bank. Die Höhe hängt außerdem vom Fall ab: Onlinezahlungen ohne physische Karte sind teurer als Zahlungen an der Ladenkasse, weil das Betrugsrisiko größer ist.

Interchange in Nachrichten und in Zahlungs-Apps

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff regelmäßig auf, wenn über Fintechs berichtet wird. Viele junge Finanz-Apps verdienen einen erheblichen Teil ihres Geldes mit Interchange aus den Karten ihrer Nutzer. Wenn eine App Konten kostenlos anbietet, ist das oft die versteckte Einnahmequelle. Sinkt die gesetzliche Obergrenze, gerät ihr Geschäftsmodell sofort unter Druck.

Auch im Handel begegnet dir das Thema, ohne dass das Wort fällt. Wenn ein Kiosk erst ab zehn Euro Kartenzahlung akzeptiert, liegt das an diesen Kosten. Bei kleinen Beträgen fressen die festen Anteile der Gebühr die Marge auf. Die EU-Deckelung hat das Problem entschärft, aber nicht beseitigt.

Zu unterscheiden ist Interchange vom sogenannten Disagio. Das Disagio ist der gesamte Abzug, den ein Händler pro Zahlung zahlt. Das Interchange ist nur ein Bestandteil davon. Wer Meldungen über Zahlungsverkehr liest, sollte beide Begriffe auseinanderhalten.

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