
Internet Exchange Point
Ein Internet Exchange Point ist ein zentraler Umschlagplatz, an dem viele Netzbetreiber ihre Leitungen zusammenschalten und Daten direkt untereinander austauschen. Das macht Verbindungen schneller und billiger, als wenn jeder Datenstrom über weite Umwege durch fremde Netze laufen müsste.
Das Internet besteht nicht aus einem einzigen Netz, sondern aus zehntausenden getrennten Netzen. Dazu gehören Telefonanbieter, Kabelanbieter, Universitäten, große Firmen und Videoportale. Damit eine E-Mail von einem Netz ins andere kommt, müssen diese Netze irgendwo physisch verbunden sein. Genau das passiert an einem Internet Exchange Point: Das ist ein Gebäude voller Technik, in dem viele Netzbetreiber ihre Leitungen auf gemeinsame Verteilergeräte stecken. Jeder Betreiber zahlt nur den Anschluss und kann danach mit allen anderen Anwesenden Daten austauschen. Man kann sich das wie einen Güterbahnhof vorstellen, an dem viele Bahngesellschaften ihre Waggons direkt aneinander übergeben, statt sie quer durchs Land umzuleiten.
Kurze Wege, niedrige Kosten
Ohne solche Knotenpunkte müsste jedes Netz seine Daten an einen großen Transitanbieter übergeben. Transit bedeutet, dass ein anderes Netz die Daten gegen Bezahlung weiterträgt, oft über hunderte Kilometer. Das kostet Geld pro übertragener Datenmenge. An einem Internet Exchange Point tauschen zwei Netze ihre Daten dagegen meist kostenlos aus, weil beide Seiten davon profitieren. Dieses gegenseitige Abkommen nennt man Peering.
Der zweite Vorteil ist die Zeit. Daten reisen als Lichtsignale durch Glasfaser, und jeder Umweg verlängert die Verzögerung. Wenn ein deutscher Nutzer ein Video von einem deutschen Anbieter abruft, sollte das Signal nicht über London oder Amsterdam laufen. Ein Knoten in der Nähe drückt die Verzögerung oft von über 100 Millisekunden auf unter 10. Bei Online-Spielen und Videotelefonie ist dieser Unterschied deutlich spürbar.
Für ganze Länder ist das ein wirtschaftliches Thema. Regionen ohne eigenen Austauschknoten zahlen viel Geld dafür, dass ihr Datenverkehr im Ausland verarbeitet wird. Deshalb fördern Entwicklungsbanken und Regulierungsbehörden den Aufbau lokaler Knoten. Auch politisch spielt das eine Rolle, weil Datenverkehr, der im Land bleibt, weniger fremden Gesetzen unterliegt.
Was in den Rechenzentren wirklich steckt
Technisch ist ein Internet Exchange Point erst einmal ein sehr großer Netzwerkverteiler, ein sogenannter Switch. Jeder teilnehmende Netzbetreiber legt ein Glasfaserkabel dorthin und bekommt einen Port, also einen Anschluss. Übliche Größen sind heute 10, 100 oder 400 Gigabit pro Sekunde. Alle Teilnehmer hängen damit an einem gemeinsamen Netz, ähnlich wie Computer an einem Schulnetzwerk.
Der Betreiber des Knotens transportiert die Daten selbst nicht weiter und liest sie auch nicht. Er stellt nur die Steckdose bereit und hält sie am Laufen. Wer mit wem Daten austauscht, verhandeln die Netze untereinander. Die Absprache läuft über ein Protokoll namens BGP, mit dem Netze einander mitteilen, welche Adressbereiche sie erreichen können. Kommen zwei Netze nicht überein, ignorieren sie sich einfach, obwohl sie am gleichen Switch hängen.
Aus Sicherheitsgründen liegt ein solcher Knoten meist verteilt über mehrere Rechenzentren einer Stadt. Fällt ein Standort durch Stromausfall oder Brand aus, übernehmen die anderen. Ein häufiger Irrtum ist, das Internet habe eine Zentrale, die man abschalten könnte. Große Knoten sind wichtig, aber Daten finden bei einem Ausfall über andere Wege ans Ziel, nur langsamer und teurer.
DE-CIX, Frankfurt und die Zahlen in den News
Der bekannteste Knoten in Deutschland ist DE-CIX in Frankfurt am Main, einer der größten weltweit. In Spitzenzeiten fließen dort mehrere Terabit pro Sekunde, also mehrere Billionen Bits in jeder Sekunde. Solche Rekordwerte tauchen regelmäßig in Nachrichten auf, etwa bei großen Fußballspielen oder neuen Spiele-Veröffentlichungen. Weitere große Knoten sind AMS-IX in Amsterdam und LINX in London.
Im Alltag merkt man von diesen Orten nichts, profitiert aber ständig davon. Dass ein Video ohne Ruckeln startet oder eine Videokonferenz flüssig läuft, hängt oft daran, wie gut der eigene Anbieter an solchen Knoten angeschlossen ist. Streitigkeiten über Peering-Verträge sind ein wiederkehrendes Thema, wenn Anbieter sich über die Kosten des Videoverkehrs uneinig sind. Für Anleger sind Rechenzentrumsbetreiber und Netzbetreiber deshalb eng mit dieser Infrastruktur verbunden. Auch der Boom bei künstlicher Intelligenz verstärkt das, weil Rechenzentren riesige Datenmengen zwischen Standorten bewegen müssen.