
Egress-Traffic
Egress-Traffic sind alle Daten, die aus dem Rechenzentrum eines Anbieters hinausfließen — zum Nutzer oder zu einem anderen Anbieter. Für dieses Hinausfließen verlangen Cloud-Firmen Geld, was Egress zu einem wichtigen Kostenfaktor und Wettbewerbsthema macht.
Große Internetdienste laufen nicht auf dem Gerät des Nutzers, sondern in riesigen Hallen voller Computer, die man Rechenzentren nennt. Wenn du dort ein Video abspielst oder eine Datei herunterlädst, verlassen Daten diese Halle und wandern zu dir. Genau diesen ausgehenden Datenverkehr bezeichnet man als Egress-Traffic. Das englische Wort « egress » bedeutet Ausgang. Das Gegenstück heißt Ingress: Daten, die von außen in das Rechenzentrum hineinfließen, etwa wenn du ein Foto hochlädst. Der Unterschied klingt technisch, ist aber vor allem eine Geldfrage.
Warum Daten hinaus teurer sind als Daten hinein
Firmen, die Rechenleistung und Speicherplatz vermieten, nennt man Cloud-Anbieter. Die größten heißen Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud. Bei fast allen ist der eingehende Verkehr kostenlos, der ausgehende dagegen nicht. Man zahlt pro übertragener Datenmenge, üblicherweise ein paar Cent pro Gigabyte. Ein Gigabyte entspricht etwa einem halben Spielfilm in mittlerer Qualität.
Bei einzelnen Dateien ist das belanglos. Bei einem Videodienst mit Millionen Abrufen summiert es sich zu Millionenbeträgen im Jahr. Für Streaming-Anbieter ist Egress deshalb ein Hauptposten in der Bilanz, direkt neben den Lizenzkosten für Filme. Auch KI-Firmen trifft es: Wer riesige Trainingsdatensätze zwischen Anbietern hin- und herschiebt, zahlt jedes Mal beim Verlassen der Cloud.
Kritiker sehen darin eine Bremse für den Wettbewerb. Daten hineinzuschaufeln kostet nichts, sie wieder herauszuholen aber schon. Wer seine Daten zu einem günstigeren Konkurrenten umziehen will, bekommt eine hohe Abschlussrechnung. Fachleute nennen diesen Effekt Lock-in — man sitzt beim Anbieter fest. Die EU hat mit dem Data Act reagiert und Wechselgebühren stark eingeschränkt; mehrere Anbieter haben Egress beim Umzug daraufhin gestrichen.
Wie Egress gezählt und abgerechnet wird
Abgerechnet wird nach Volumen, nicht nach Zeit. Der Anbieter zählt die Bytes, die seine Netzgrenze nach außen passieren, und addiert sie über den Monat. Der Preis hängt außerdem davon ab, wohin die Daten gehen. Innerhalb desselben Standorts ist es oft gratis. Zwischen zwei Regionen desselben Anbieters ist es billiger. Ins offene Internet ist es am teuersten.
Die Preise sind zudem gestaffelt: Die ersten hundert Gigabyte sind häufig frei, danach sinkt der Preis pro Gigabyte mit steigender Menge. Genau deshalb sind Egress-Rechnungen schwer vorherzusagen. Ein Fehler im Programm, der Daten in einer Schleife immer wieder abruft, kann über Nacht vierstellige Beträge erzeugen.
Technisch senkt man Egress vor allem, indem man Daten nicht zweimal verschickt. Dafür nutzt man ein Content Delivery Network, kurz CDN: ein Netz aus Zwischenspeichern, die häufig angefragte Inhalte in der Nähe der Nutzer bereithalten. Wird ein Video aus so einem Zwischenspeicher geliefert, muss es das Hauptrechenzentrum nicht erneut verlassen. Auch stärkere Komprimierung hilft, weil weniger Bytes dieselbe Information tragen.
Egress in Cloud-Rechnungen und Anbieter-Werbung
In Nachrichten begegnet dir der Begriff meist im Streit um Cloud-Preise. Anbieter wie Cloudflare oder Backblaze werben offensiv damit, gar keine Egress-Gebühren zu verlangen, und greifen damit die drei Marktführer an. Umgekehrt tauchen Egress-Gebühren regelmäßig in Wettbewerbsverfahren von EU-Kommission und britischer Aufsichtsbehörde auf.
Praktisch relevant wird das auch für kleine Projekte. Wer eine eigene Website oder eine App bei einem Cloud-Anbieter betreibt, findet Egress als eigene Zeile auf der monatlichen Rechnung. Ein häufiger Irrtum ist, Egress mit der Bandbreite des Anschlusses zu verwechseln. Bandbreite beschreibt, wie schnell Daten fließen können. Egress beschreibt, wie viel insgesamt geflossen ist — abgerechnet wird die Menge, nicht das Tempo.