Externalitäten

Externalitäten

Externalitäten sind Kosten oder Vorteile, die bei Unbeteiligten anfallen, ohne dass jemand dafür zahlt oder bezahlt wird. In der Tech-Debatte tauchen sie überall dort auf, wo Rechenzentren, Datensammlung oder automatisierte Systeme Folgen für Menschen haben, die weder Kunde noch Anbieter sind.

Wenn zwei Parteien ein Geschäft machen, betrifft das Ergebnis oft auch Dritte. Eine Fabrik verkauft Zement an einen Bauherrn, und der Rauch aus dem Schornstein landet bei den Nachbarn. Diese Nachbarn haben nichts gekauft und nichts verkauft. Trotzdem tragen sie einen Teil der Kosten. Genau solche Nebenwirkungen auf Unbeteiligte nennen Wirtschaftswissenschaftler Externalitäten. Sie können auch positiv sein: Wer seinen Vorgarten schön bepflanzt, verbessert die Aussicht für die ganze Straße, ohne dafür Geld zu bekommen.

Warum der Preis dann die Wahrheit verfehlt

In einer Marktwirtschaft steuert der Preis, wie viel von etwas produziert wird. Ist etwas teuer, wird sparsam damit umgegangen. Ist es billig, wird großzügig zugegriffen. Dieses System funktioniert nur, wenn der Preis alle Kosten enthält. Bei Externalitäten ist genau das nicht der Fall.

Die Folge nennt man Marktversagen. Der Zement aus dem Beispiel ist zu billig, weil die Gesundheitsschäden der Nachbarn nirgends im Preis stehen. Deshalb wird mehr davon gekauft, als für die Gesellschaft insgesamt sinnvoll wäre. Bei positiven Externalitäten passiert das Umgekehrte: Grundlagenforschung nützt vielen, aber der Forscher verdient nur einen Bruchteil davon. Also wird zu wenig geforscht.

Für die Bewertung von Technologieunternehmen ist das ein zentraler Punkt. Eine Firma kann hoch profitabel sein und trotzdem der Gesellschaft unterm Strich schaden. Die Gewinne stehen in der Bilanz, die Kosten liegen bei anderen. Wer nur auf die Bilanz schaut, sieht diese Verschiebung nicht.

Wie man die Kosten zurück in die Rechnung holt

Das Standardrezept stammt vom Ökonomen Arthur Pigou und heißt Internalisierung. Der Staat legt eine Abgabe auf die schädliche Tätigkeit, ungefähr in Höhe des Schadens. Dann taucht der Schaden im Preis auf, und die Firma rechnet ihn von selbst mit ein. Die CO2-Abgabe in Deutschland ist genau so gebaut.

Eine zweite Methode arbeitet mit handelbaren Rechten. Der Staat legt eine Obergrenze fest, etwa für Emissionen, und verteilt entsprechend viele Zertifikate. Wer weniger ausstößt, kann seine übrigen Rechte verkaufen. So entsteht ein Preis dort, wo vorher keiner war. Der europäische Emissionshandel funktioniert nach diesem Prinzip.

Drittens gibt es schlichte Verbote und Grenzwerte. Sie sind gröber als eine Abgabe, aber leichter durchzusetzen. Bei allen drei Wegen liegt die eigentliche Schwierigkeit im Messen. Wie viel ist ein verlorenes Jahr Lebenserwartung wert? Wie beziffert man den Schaden einer Falschmeldung, die sich millionenfach verbreitet? Über solche Zahlen wird jahrzehntelang gestritten.

Externalitäten in der Debatte um KI und Rechenzentren

Rechenzentren für künstliche Intelligenz verbrauchen sehr viel Strom und Kühlwasser. Der Betreiber zahlt seine Stromrechnung, aber nicht die Folgen des Kraftwerksbetriebs für das Klima. Auch der Wasserverbrauch in trockenen Regionen trifft Anwohner, die nichts von den Servern haben. Solche Zahlen stehen inzwischen regelmäßig in den Nachhaltigkeitsberichten großer Anbieter, weil Investoren danach fragen.

Ein zweites Feld sind soziale Netzwerke. Eine Empfehlungsfunktion, die auf Verweildauer optimiert, kann Streit und Aufregung belohnen, weil das Nutzer länger bindet. Der Werbeumsatz landet beim Betreiber. Die Kosten aus aufgeheizten Debatten trägt die Gesellschaft. Ähnlich argumentieren Urheber bei Trainingsdaten: Ihre Texte und Bilder verbessern ein Modell, ohne dass sie beteiligt werden.

Ein häufiger Irrtum ist, Externalitäten mit Kosten allgemein zu verwechseln. Serverpreise oder Gehälter sind normale Kosten, denn sie stehen im Vertrag und werden bezahlt. Eine Externalität liegt erst vor, wenn niemand für die Wirkung aufkommt. Regulierung wie der AI Act der EU lässt sich als Versuch lesen, genau diese unbezahlten Wirkungen einem Verantwortlichen zuzuordnen.

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