Event Contracts

Event Contracts

Event Contracts sind Finanzverträge, deren Auszahlung allein davon abhängt, ob ein bestimmtes Ereignis eintritt oder nicht. Wer richtig liegt, bekommt einen festen Betrag ausgezahlt, wer falsch liegt, verliert seinen Einsatz.

Ein Event Contract ist ein Vertrag, den man an einer Börse kaufen und verkaufen kann. Er stellt eine Ja-Nein-Frage über ein zukünftiges Ereignis. Zum Beispiel: Liegt die Inflationsrate im Dezember über drei Prozent? Wer den Vertrag kauft, wettet auf Ja. Tritt das Ereignis ein, bekommt er einen festen Betrag ausgezahlt, meist einen Dollar. Tritt es nicht ein, ist der Vertrag wertlos und der Einsatz weg.

Der Preis vor der Auflösung liegt immer irgendwo zwischen null und einem Dollar. Kostet der Vertrag gerade 65 Cent, halten die Käufer und Verkäufer das Ereignis für ziemlich wahrscheinlich. Der Preis lässt sich deshalb direkt als Wahrscheinlichkeit lesen: 65 Cent entsprechen einer geschätzten Chance von 65 Prozent.

Warum Preise als Prognose taugen

Umfragen fragen Menschen nach ihrer Meinung, ohne dass eine falsche Antwort etwas kostet. An einem Markt ist das anders. Wer sich irrt, verliert echtes Geld. Diese Konsequenz zwingt die Teilnehmer, ehrlich zu schätzen statt Wunschdenken zu äußern.

Dazu kommt ein zweiter Effekt. Wer eine Information hat, die andere noch nicht haben, kann daraus Gewinn machen. Also handelt er, und sein Handeln verschiebt den Preis. So sickert verstreutes Wissen vieler einzelner Menschen nach und nach in eine einzige Zahl. Ökonomen nennen das Preisbildung durch verteiltes Wissen.

Perfekt ist das System aber nicht. Bei US-Wahlen lagen Prognosemärkte schon deutlich daneben. Wenn wenig gehandelt wird, kann ein einzelner großer Einsatz den Preis kurzzeitig verzerren. Und Märkte übertreiben systematisch bei sehr unwahrscheinlichen Ereignissen: Verträge mit einer echten Chance von zwei Prozent kosten oft fünf oder sechs Cent.

Vom Kauf bis zur Auszahlung

Der Ablauf beginnt mit einer präzise formulierten Frage. Die Börse legt vorher fest, welche Datenquelle über das Ergebnis entscheidet, etwa eine amtliche Statistikbehörde. Diese Regel ist wichtiger, als sie klingt. Ohne eindeutige Quelle gäbe es nach jedem Ereignis Streit über die Auszahlung.

Dann treffen sich Käufer und Verkäufer in einem elektronischen Orderbuch, einer Liste aller offenen Kauf- und Verkaufsangebote. Passen zwei Angebote zusammen, kommt ein Handel zustande. Anders als beim Sportwetten-Anbieter gibt es keine Bank, die einem gegenübersteht. Man handelt gegen andere Teilnehmer, die Börse kassiert nur eine Gebühr.

Man muss nicht bis zum Ende warten. Wer für 40 Cent gekauft hat und den Vertrag später für 70 Cent verkauft, hat 30 Cent verdient, egal wie das Ereignis ausgeht. Am Schlusstag wird der Vertrag abgerechnet: Ja-Inhaber bekommen einen Dollar, Nein-Inhaber nichts. Die Summe aus Ja-Preis und Nein-Preis ergibt deshalb immer ungefähr einen Dollar.

Kalshi, Polymarket und der Streit mit den Aufsichtsbehörden

Die bekanntesten Anbieter heißen Kalshi und Polymarket. Kalshi ist in den USA offiziell zugelassen und wird von der Finanzaufsicht CFTC beaufsichtigt. Polymarket läuft über eine Blockchain, also ein öffentliches digitales Kontobuch, und war lange nur außerhalb der USA nutzbar. Beide erreichten rund um die US-Wahl 2024 Handelsvolumen in Milliardenhöhe.

In Nachrichtenartikeln tauchen die Preise inzwischen regelmäßig als Prognose auf. Formulierungen wie « der Markt sieht die Chance auf eine Zinssenkung bei 80 Prozent » beziehen sich fast immer auf solche Kontrakte. Auch Firmen nutzen sie zur Absicherung. Ein Veranstalter kann sich zum Beispiel gegen Regen am Festivalwochenende absichern.

Rechtlich bleibt vieles umstritten. Kritiker sehen darin verkapptes Glücksspiel, besonders bei Wetten auf Wahlen und Sportergebnisse. In Deutschland und der EU sind solche Märkte für Privatanleger derzeit kaum zugänglich. Wer die Preise liest, sollte außerdem eines nicht verwechseln: Sie zeigen, was Handelnde erwarten, nicht was tatsächlich passieren wird.

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