Initial Public Offering

Initial Public Offering

Ein Initial Public Offering ist der erste Verkauf von Firmenanteilen an das breite Publikum über die Börse. Ab diesem Tag kann jeder Anleger Anteile des Unternehmens kaufen und verkaufen.

Ein Unternehmen gehört seinen Eigentümern, und dieses Eigentum ist meist in Anteile aufgeteilt. Bei jungen Firmen halten diese Anteile nur wenige Leute: die Gründer, ihre Familien, einige Geldgeber. Ein Initial Public Offering ist der Moment, in dem die Firma solche Anteile zum ersten Mal an die Allgemeinheit verkauft. Der Handel läuft danach über die Börse, also über einen öffentlichen Marktplatz für Firmenanteile. Aus einer Firma, die nur einem kleinen Kreis gehörte, wird so ein Unternehmen mit tausenden Miteigentümern. Der deutsche Begriff dafür ist Börsengang, im Englischen kürzt man ihn als IPO ab.

Was der Börsengang der Firma und den Anlegern bringt

Der wichtigste Grund ist Geld. Beim IPO gibt ein Unternehmen oft neue Anteile aus und verkauft sie. Das eingenommene Geld fließt in die Firma und muss nicht zurückgezahlt werden, anders als ein Bankkredit. Damit lassen sich Fabriken bauen, Personal einstellen oder Rechenzentren finanzieren. Gerade Technologiefirmen brauchen solche Summen, lange bevor sie Gewinn machen.

Der zweite Grund betrifft die früheren Eigentümer. Wer vor zehn Jahren Geld in ein Start-up gesteckt hat, sitzt auf Anteilen, die er kaum verkaufen kann. Nach dem Börsengang gibt es täglich Käufer, und der Wert wird laufend vom Markt festgestellt. Das nennt man Liquidität: die Möglichkeit, eine Anlage schnell in Geld zu verwandeln.

Für normale Anleger ist ein IPO die erste Gelegenheit, überhaupt mitzumachen. Vorher waren die Anteile solcher Firmen praktisch unerreichbar. Dafür zahlt das Unternehmen einen Preis: Es muss regelmäßig Zahlen veröffentlichen, sich Regeln der Börsenaufsicht unterwerfen und Kritik von Investoren aushalten. Viele Firmen bleiben deshalb bewusst in privater Hand.

Vom Prospekt bis zum ersten Kurs

Ein Börsengang wird von Investmentbanken organisiert. Sie prüfen die Firma, schätzen ihren Wert und suchen Käufer. Zusammen mit der Firma schreiben sie einen Prospekt: ein dickes Dokument mit Umsätzen, Schulden, Risiken und Zukunftsplänen. Dieses Dokument muss von der Aufsichtsbehörde freigegeben werden, in Deutschland von der BaFin, in den USA von der SEC.

Danach reisen die Firmenchefs zu großen Investoren und werben um Geld. Aus den eingesammelten Kaufwünschen ergibt sich der Ausgabepreis, zu dem die Anteile zugeteilt werden. Am ersten Handelstag entscheidet dann der Markt. Steigt der Kurs stark, gilt der IPO als Erfolg; ein Sprung um 40 Prozent bedeutet aber auch, dass die Firma zu billig verkauft hat.

Ein häufiger Irrtum: Beim IPO wechselt nicht die ganze Firma den Besitzer. Meist gehen nur 10 bis 25 Prozent der Anteile an die Börse, der Rest bleibt bei den alten Eigentümern. Diese müssen ihre Anteile oft mehrere Monate halten, damit sie den Kurs nicht sofort mit Verkäufen drücken. Eine Alternative ist das Direct Listing, bei dem bestehende Anteile ohne neue Ausgabe an der Börse zugelassen werden.

IPO-Meldungen in den Wirtschaftsnachrichten

Kaum eine Woche vergeht ohne IPO-Nachricht. Der Halbleiterentwickler Arm ging 2023 in New York an die Börse, der Chipkonzern Infineon-Konkurrenten und Software-Anbieter folgen regelmäßig. Bei KI-Firmen ist der Börsengang besonders spannend, weil ihre Verluste dort erstmals öffentlich sichtbar werden.

Für Leser von Wirtschaftsnews sind zwei Zahlen wichtig. Die eine ist das Emissionsvolumen: wie viel Geld eingesammelt wurde. Die andere ist die Bewertung: der Preis pro Anteil mal Anzahl aller Anteile. Wenn eine Firma bei 60 Milliarden Euro bewertet wird, ist das eine Erwartung an die Zukunft, keine Messung des Vorhandenen.

IPOs kommen in Wellen. In guten Börsenjahren drängen dutzende Firmen an den Markt, in Krisen verschieben sie ihre Pläne um Jahre. Wer selbst Anteile bei einem Börsengang kaufen will, sollte wissen: Privatanleger bekommen oft nur kleine Zuteilungen, und der Kurs kann in den ersten Wochen stark schwanken.

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