nachrangige Schulden

nachrangige Schulden

Nachrangige Schulden sind Kredite oder Anleihen, die im Insolvenzfall eines Unternehmens erst bedient werden, nachdem alle anderen Gläubiger ihr Geld zurückbekommen haben. Als Ausgleich für dieses höhere Risiko zahlen Unternehmen auf nachrangige Schulden in der Regel höhere Zinsen.

Wenn ein Unternehmen pleitegeht, reicht das verbliebene Geld meist nicht für alle aus. Deshalb legt das Gesetz eine Reihenfolge fest, wer zuerst bezahlt wird. Nachrangige Schulden stehen in dieser Reihenfolge weit hinten — andere Gläubiger, also Personen oder Institutionen, denen das Unternehmen Geld schuldet, werden zuerst bedient. Erst wenn diese vollständig bezahlt sind, kommen die Inhaber nachrangiger Schulden dran. Oft bleibt dann nichts mehr übrig. Das klingt unattraktiv, deshalb verlangen Geldgeber für dieses Risiko höhere Zinsen als bei einem gewöhnlichen Kredit.

Rang und Risiko im Insolvenzfall

Die Reihenfolge, in der Gläubiger im Insolvenzfall bezahlt werden, nennt man Rangfolge. Ganz vorne stehen besicherte Gläubiger — zum Beispiel eine Bank, die einen Kredit gegen eine Immobilie abgesichert hat. Dahinter folgen ungesicherte Gläubiger wie Lieferanten. Nachrangige Gläubiger kommen erst danach. Aktionäre, also die Eigentümer des Unternehmens, stehen noch weiter hinten.

Ein konkretes Beispiel: Ein Unternehmen hat nach der Insolvenz noch zehn Millionen Euro. Es schuldet einer Bank 8 Millionen (vorrangig) und einem Anleihegläubiger 5 Millionen (nachrangig). Die Bank bekommt ihre 8 Millionen vollständig. Für den Anleihegläubiger bleiben nur 2 Millionen übrig — er verliert also 3 Millionen. Ein häufiger Irrtum: Nachrangig bedeutet nicht automatisch unsicher. Solange ein Unternehmen gesund ist, zahlt es Zinsen und Tilgung ganz normal. Das Risiko schlägt erst bei einer Insolvenz voll durch.

Warum Unternehmen bewusst Nachrangkapital aufnehmen

Nachrangige Schulden haben aus Sicht des Unternehmens einen entscheidenden Vorteil: Ratingagenturen und Banken behandeln sie teilweise wie Eigenkapital. Eigenkapital ist das Geld, das die Eigentümer selbst ins Unternehmen eingebracht haben — es dient als Puffer für schlechte Zeiten. Je mehr Puffer ein Unternehmen hat, desto kreditwürdiger gilt es. Nachrangkapital bietet diesen Puffereffekt, ohne dass das Unternehmen neue Eigentümer aufnehmen muss.

Besonders wichtig ist das für Banken. Aufsichtsbehörden schreiben ihnen vor, wie viel Kapital sie als Sicherheitspolster vorhalten müssen. Bestimmte nachrangige Anleihen — sogenannte Tier-2-Anleihen — werden dabei auf dieses Pflichtkapital angerechnet. Banken nutzen sie daher gezielt, um ihre Vorschriften zu erfüllen, ohne Aktien ausgeben zu müssen.

Für kleinere und mittlere Unternehmen sind nachrangige Darlehen außerdem ein Weg, frisches Geld zu bekommen, wenn eine normale Bankfinanzierung nicht möglich ist. Der Preis dafür ist der höhere Zinssatz, der das erhöhte Risiko des Geldgebers widerspiegelt.

Nachrangige Schulden in News und Finanzprodukten

In der Wirtschaftspresse taucht der Begriff vor allem bei zwei Anlässen auf: bei Bankenkrisen und bei Unternehmensanleihen. In der Finanzkrise 2008 wurden nachrangige Anleihen großer Banken praktisch wertlos, als die Institute in Schieflage gerieten. Anleger, die auf die hohen Zinsen gesetzt hatten, verloren ihr gesamtes Kapital. Das machte das Prinzip einer breiten Öffentlichkeit bewusst.

Im Bereich der Start-up-Finanzierung begegnet man dem Begriff als « Nachrangdarlehen ». Dabei leiht ein Investor einem jungen Unternehmen Geld zu normalen Zinsen, verzichtet aber vertraglich darauf, bei Problemen vor anderen Gläubigern bezahlt zu werden. Das ermöglicht dem Start-up, leichter weitere Kredite aufzunehmen, weil externe Banken wissen, dass sie im Ernstfall zuerst dran sind.

Auch im Crowdinvesting — also wenn viele Privatpersonen gemeinsam in ein Unternehmen investieren — sind nachrangige Darlehen die häufigste Vertragsform. Plattformen weisen dabei gesetzlich vorgeschrieben auf das Verlustrisiko hin. Der höhere Zinssatz klingt verlockend; der Nachrang im Insolvenzfall ist die Kehrseite davon.

Aktuelle News

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.