
Native App
Eine native App ist ein Programm, das gezielt für ein bestimmtes Betriebssystem wie Android oder iOS geschrieben wurde und direkt auf dem Gerät läuft. Sie gilt als schnell und kann alle Funktionen des Geräts nutzen, muss aber für jedes System getrennt entwickelt werden.
Auf einem Smartphone läuft im Hintergrund immer ein Betriebssystem: die Grundsoftware, die das Gerät steuert. Bei Apple heißt sie iOS, bei den meisten anderen Herstellern Android. Eine native App ist ein Programm, das genau für eines dieser Systeme geschrieben wurde. Man lädt sie aus einem App Store herunter, danach liegt sie fest auf dem Gerät und läuft dort direkt. Das Gegenstück ist eine Seite, die man im Browser öffnet und die auf einem entfernten Rechner liegt. Das Wort « nativ » bedeutet hier so viel wie « in der Muttersprache des Geräts geschrieben ».
Warum Firmen trotzdem doppelt entwickeln
Eine native App muss für jedes System einzeln gebaut werden. Für Android schreibt man sie meist in den Programmiersprachen Kotlin oder Java, für iOS in Swift. Das bedeutet zwei Teams, zwei Versionen, zwei Mal Wartung. Trotzdem machen es fast alle großen Anbieter so.
Der Grund ist Tempo und Zugriff. Eine native App reagiert ohne spürbare Verzögerung, weil sie nicht auf eine Internetverbindung warten muss. Außerdem darf sie alle Bauteile des Geräts ansprechen: Kamera, Mikrofon, Standort, Fingerabdrucksensor, Mitteilungen. Eine Webseite kommt an vieles davon gar nicht oder nur eingeschränkt heran.
Dazu kommt ein wirtschaftlicher Punkt. Nur über die App Stores von Apple und Google erreicht man Millionen Nutzer an einer Stelle. Diese Stores nehmen allerdings eine Provision auf Käufe innerhalb der App, oft rund 15 bis 30 Prozent. Genau darum gab es in den letzten Jahren mehrere Gerichtsverfahren und neue EU-Regeln.
Vom Quelltext zur Datei auf dem Handy
Entwickler schreiben zuerst den Quelltext, also die Anweisungen in einer Programmiersprache. Ein Übersetzungsprogramm, der Compiler, wandelt diesen Text in Maschinencode um. Maschinencode ist die Form, die der Prozessor des Handys direkt versteht. Weil dieser Schritt schon vor der Auslieferung passiert, muss das Gerät beim Start nichts mehr übersetzen. Das ist der Hauptgrund für die hohe Geschwindigkeit.
Das Ergebnis ist eine Installationsdatei, bei Android eine APK, bei Apple eine IPA. Sie enthält den Code, Bilder, Töne und eine Liste der Berechtigungen. Diese Datei prüft der jeweilige Store, bevor sie im Angebot erscheint. Bei Apple dauert diese Prüfung meist ein bis zwei Tage.
Ein häufiger Irrtum: native App heißt nicht offline. Instagram oder WhatsApp sind native Apps und brauchen trotzdem Internet für Inhalte. Nativ beschreibt nur, wie das Programm gebaut ist, nicht woher die Daten kommen.
Der Unterschied zu Web-App und Cross-Platform
Im Alltag benutzt man ständig beides nebeneinander. Die Banking-App und die Kamera-App sind nativ. Ein Online-Fahrplan, den man im Browser öffnet, ist eine Web-App: Sie läuft in Chrome oder Safari und muss nicht installiert werden. Web-Apps sind billiger, weil eine Version für alle Geräte reicht, wirken aber oft träger.
Dazwischen liegen Cross-Platform-Werkzeuge wie Flutter oder React Native. Damit schreibt man den Code einmal und erzeugt daraus Versionen für Android und iOS. Das spart viel Arbeit, kommt an die volle Geschwindigkeit echter nativer Apps aber nicht immer heran. Viele Firmen wählen deshalb einen Mittelweg.
In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff meist im Streit um Plattformmacht auf. Wenn über Store-Gebühren, alternative App-Stores oder den Digital Markets Act der EU berichtet wird, geht es immer um native Apps. Denn nur sie sind auf diese Vertriebswege angewiesen.