
NeurIPS
NeurIPS ist die größte jährliche Fachkonferenz der Welt für maschinelles Lernen, also für Computerprogramme, die aus Beispielen lernen. Dort stellen Forscherinnen und Forscher neue Ergebnisse vor, bevor diese später in Produkten wie Chatbots landen.
NeurIPS ist ein großes Treffen von Forscherinnen und Forschern, die Computern beibringen, aus Beispielen zu lernen. Es findet einmal im Jahr statt, meist im Dezember, und dauert etwa eine Woche. Der Name steht für « Conference on Neural Information Processing Systems ». Wer dort etwas vorstellen will, reicht vorher einen schriftlichen Fachaufsatz ein. Andere Fachleute prüfen diesen Text anonym und entscheiden, ob er gut genug ist. Nur ein Viertel bis ein Drittel der eingereichten Arbeiten wird angenommen.
Der Taktgeber der KI-Forschung
In vielen Wissenschaften erscheinen wichtige Ergebnisse in Fachzeitschriften. In der KI-Forschung ist das anders: Hier zählen Konferenzen mehr. NeurIPS ist die bekannteste davon, zusammen mit ICML und ICLR. Eine angenommene Arbeit bei NeurIPS gilt als handfester Karrierebeleg.
Die Konferenz ist außerdem ein Frühwarnsystem. Viele Verfahren, die heute in Sprachmodellen stecken, wurden dort Jahre vorher vorgestellt. Ein berühmtes Beispiel ist die Arbeit zu sogenannten Generative Adversarial Networks von 2014, bei denen zwei Programme gegeneinander antreten, um Bilder zu erzeugen. Wer wissen will, womit Unternehmen in drei Jahren Geld verdienen, liest die Konferenzbeiträge von heute.
Wirtschaftlich ist NeurIPS zusätzlich ein riesiger Arbeitsmarkt. Google, Meta, OpenAI und Nvidia unterhalten dort Stände und werben um Doktorandinnen und Doktoranden. Die Teilnehmerzahl stieg von wenigen hundert in den 1990er Jahren auf zeitweise über 15.000. Die Tickets waren mehrfach innerhalb von Minuten ausverkauft.
Vom eingereichten Aufsatz zum Vortrag
Der Ablauf folgt jedes Jahr demselben Muster. Im Frühjahr reichen Forschungsgruppen ihre Aufsätze ein, meist acht bis zehn Seiten lang. Danach beginnt die Begutachtung: Drei bis fünf Fachleute lesen den Text und schreiben Kritik. Sie kennen die Namen der Autoren nicht, und die Autoren kennen die Namen der Gutachter nicht. Dieses beidseitig anonyme Verfahren soll verhindern, dass berühmte Namen bevorzugt werden.
Anschließend dürfen die Autoren auf die Kritik antworten und Missverständnisse ausräumen. Erst dann fällt die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung. Angenommene Arbeiten werden fast alle als Poster gezeigt: Man steht neben einer großen Plakatwand und erklärt sein Ergebnis jedem, der stehen bleibt. Nur wenige besonders herausragende Arbeiten bekommen einen Vortrag vor großem Publikum.
Ein bekanntes Problem ist die Zufälligkeit dieser Auswahl. Bei einem Experiment im Jahr 2014 wurde ein Teil der Einreichungen doppelt begutachtet, von zwei unabhängigen Gruppen. Die beiden Gruppen waren sich bei mehr als der Hälfte der angenommenen Arbeiten uneinig. Eine Ablehnung bedeutet also nicht zwingend, dass eine Arbeit schlecht ist.
NeurIPS in Nachrichten und Schlagzeilen
In Wirtschaftsnachrichten taucht NeurIPS meist als Zeitangabe auf. Sätze wie « das Unternehmen stellte das Verfahren auf der NeurIPS vor » ordnen eine Neuigkeit als seriöse Forschung ein, nicht als Werbung. Auch Kursbewegungen bei Chipherstellern werden manchmal mit Ankündigungen von dieser Konferenz begründet.
Man begegnet dem Namen außerdem auf Servern wie arXiv, wo Fachaufsätze frei lesbar liegen. Unter dem Titel steht dann oft ein Vermerk wie « NeurIPS 2023 ». Das ist ein Qualitätshinweis: Der Text hat die Begutachtung überstanden. Ohne solchen Vermerk kann jeder alles hochladen, ungeprüft.
Eine Randnotiz erklärt eine häufige Verwirrung. Bis 2018 hieß die Konferenz schlicht NIPS. Weil diese Abkürzung im Englischen auch eine anzügliche Bedeutung hat, wurde sie in NeurIPS geändert. Ältere Quellen sprechen deshalb von NIPS, meinen aber genau dieselbe Veranstaltung.