
Nostr
Nostr ist ein offenes Regelwerk für soziale Netzwerke, bei dem es keine zentrale Firma gibt, die alle Nachrichten verwaltet. Jeder Nutzer besitzt stattdessen ein eigenes digitales Schlüsselpaar und verschickt seine Beiträge über viele unabhängige Server, sogenannte Relays.
Nostr ist ein offenes Regelwerk dafür, wie Kurznachrichten im Internet verschickt und gefunden werden. Der Name ist eine Abkürzung für « Notes and Other Stuff Transmitted by Relays », also etwa « Notizen und anderes Zeug, weitergegeben von Verteilstellen ». Der Unterschied zu Instagram oder X liegt darin, dass keine einzelne Firma das Netzwerk besitzt. Wer mitmachen will, erzeugt sich ein Zahlenpaar: einen geheimen Schlüssel, der wie ein Passwort funktioniert, und einen öffentlichen Schlüssel, der wie eine Adresse oder ein Benutzername wirkt. Beiträge werden dann an mehrere unabhängige Server geschickt, die man Relays nennt. Jeder darf so einen Relay-Server betreiben, und jede App darf sich mit ihnen verbinden.
Kontosperren ohne Plattform
Auf normalen Plattformen gehört dein Konto nicht dir. Es liegt in der Datenbank einer Firma. Wird das Konto gesperrt, sind Beiträge und Follower weg. Bei Nostr ist die Identität nur der geheime Schlüssel auf deinem Gerät. Ein Relay kann dich abweisen, aber deine Identität nicht löschen.
Genauso wichtig ist die Wechselmöglichkeit. Bei einer geschlossenen Plattform bedeutet ein Umzug, dass man alle Kontakte neu aufbauen muss. Bei Nostr benutzt man in einer anderen App denselben Schlüssel weiter. Follower, Profil und alte Beiträge bleiben erhalten. Fachleute nennen das « Interoperabilität »: verschiedene Programme arbeiten mit denselben Daten.
Deshalb tauchte Nostr ab 2022 vor allem in der Bitcoin-Szene und in Debatten über Zensur auf. Jack Dorsey, der Mitgründer von Twitter, unterstützte das Projekt mit einer Spende. Kritiker halten dem entgegen, dass ein Netzwerk ohne Betreiber auch schwer zu moderieren ist. Hassrede und Spam lassen sich dort nicht zentral abschalten.
Schlüssel, Signaturen und Relays
Jeder Beitrag bei Nostr ist ein kleines Datenpaket, ein « Event ». Darin stehen der Text, der Zeitpunkt und der öffentliche Schlüssel des Absenders. Dazu kommt eine Signatur, also ein Prüfcode, der mit dem geheimen Schlüssel berechnet wird. Aus dem Prüfcode kann niemand den geheimen Schlüssel zurückrechnen. Aber jeder kann nachrechnen, dass nur der richtige Besitzer ihn erzeugt haben kann.
Das Verfahren ähnelt einer Unterschrift, die man nicht fälschen kann. Ein Relay muss dem Absender also nicht vertrauen. Es prüft die Signatur und speichert das Event einfach ab. Deine App fragt anschließend mehrere Relays gleichzeitig, ob es neue Events von den Leuten gibt, denen du folgst. Aus den Antworten baut sie deine Zeitleiste zusammen.
Ein häufiger Irrtum: Nostr sei eine Blockchain wie bei Kryptowährungen. Das stimmt nicht. Es gibt keine gemeinsame Kette von Daten und keine Belohnung fürs Mitrechnen. Relays speichern unabhängig voneinander, und keiner kennt alles. Der Preis dafür ist Verantwortung: Wer seinen geheimen Schlüssel verliert, verliert die Identität endgültig. Es gibt keine Hotline für « Passwort vergessen ».
Damus, Zaps und Nachrichtenmeldungen
Nostr selbst kann man nicht herunterladen, denn es ist nur ein Regelwerk. Man installiert eine App, die diese Regeln beherrscht. Bekannt sind Damus und Primal auf dem Smartphone sowie Iris im Browser. Die Bedienung fühlt sich vertraut an: schreiben, folgen, antworten, weiterleiten.
Eine typische Besonderheit sind die « Zaps ». Damit schickt man einem Beitrag winzige Bitcoin-Beträge als Applaus, oft nur wenige Cent. Statt eines Likes bekommt der Autor also echtes Geld. Möglich macht das das Lightning-Netzwerk, ein Zusatzsystem für sehr kleine und schnelle Bitcoin-Zahlungen.
In Nachrichtentexten begegnet dir Nostr meist im Zusammenhang mit dezentralen Netzwerken. Häufig wird es dann mit Mastodon oder Bluesky in einem Satz genannt. Alle drei versuchen, soziale Medien von einzelnen Konzernen zu lösen, wählen dafür aber unterschiedliche technische Wege. Nostr ist dabei die radikalste Variante, weil es bewusst auf jede zentrale Instanz verzichtet. Die Nutzerzahlen liegen deutlich unter denen großer Plattformen, in Fachkreisen wird das Projekt aber aufmerksam beobachtet.