Nicht realisierte Gewinne

Nicht realisierte Gewinne

Nicht realisierte Gewinne sind Wertsteigerungen von Besitz, den man noch nicht verkauft hat: Der Kurs ist gestiegen, das Geld ist aber noch nicht auf dem Konto. Sie zählen zum rechnerischen Vermögen, können aber jederzeit wieder verschwinden.

Angenommen, du hast für 1.000 Euro Anteile an einem Unternehmen gekauft. Ein Jahr später sind diese Anteile 1.400 Euro wert. Die 400 Euro Plus nennt man einen nicht realisierten Gewinn. Er heißt so, weil du ihn noch nicht eingelöst hast: Du besitzt weiterhin die Anteile, kein Geld ist geflossen. Erst wenn du verkaufst, wird aus dem rechnerischen Plus echtes Geld auf dem Konto. Bis dahin ist der Gewinn nur eine Zahl, die sich jeden Tag ändern kann.

Warum Reichtum auf dem Papier trügerisch ist

Wenn in den Nachrichten steht, dass jemand über Nacht Milliarden verloren hat, geht es fast immer um nicht realisierte Gewinne. Das Vermögen von Firmengründern besteht meist aus Anteilen an der eigenen Firma. Fällt der Kurs um zehn Prozent, schrumpft dieses Vermögen entsprechend. Verkauft wurde dabei nichts, und ausgegeben werden konnte dieses Geld ohnehin nie.

Für Anleger ist das eine wichtige Unterscheidung. Ein Depot, das 30 Prozent im Plus steht, fühlt sich wie ein Erfolg an. Solange nicht verkauft wurde, ist dieser Erfolg aber jederzeit widerrufbar. Viele Menschen treffen trotzdem Entscheidungen, als wäre das Geld schon da, und geben mehr aus oder gehen höhere Risiken ein.

Umgekehrt gilt dasselbe für Verluste. Ein nicht realisierter Verlust tut weh, ist aber noch keine endgültige Tatsache. Wer in einer Panik verkauft, macht aus einem rechnerischen Minus ein echtes. Genau deshalb raten viele Fachleute dazu, bei kurzfristigen Kurseinbrüchen ruhig zu bleiben.

Wie aus dem Buchwert echtes Geld wird

Die Rechnung dahinter ist einfach. Man nimmt den aktuellen Marktwert eines Besitzes und zieht den Kaufpreis ab. Was übrig bleibt, ist der nicht realisierte Gewinn. Der Marktwert ist dabei der Preis, den andere gerade bereit sind zu zahlen. Er entsteht laufend neu an der Börse und schwankt manchmal im Sekundentakt.

Sobald man verkauft, spricht man von einem realisierten Gewinn. In diesem Moment wird der Preis eingefroren, das Geld fließt, und der Gewinn ist gesichert. Gleichzeitig wird er in Deutschland steuerpflichtig: Auf realisierte Kursgewinne fällt die Abgeltungsteuer an, derzeit 25 Prozent plus Zuschläge. Auf nicht realisierte Gewinne zahlt man in der Regel nichts. Das ist ein Grund, warum manche Anleger bewusst lange nicht verkaufen.

Bei Unternehmen läuft es etwas anders. Sie müssen bestimmte Vermögenswerte in ihrer Bilanz regelmäßig neu bewerten. Steigt der Wert, taucht der nicht realisierte Gewinn im Zahlenwerk auf, obwohl kein Geld geflossen ist. Deshalb kann eine Firma auf dem Papier hohe Gewinne ausweisen und trotzdem knapp bei Kasse sein.

Wo dir Buchgewinne über den Weg laufen

Am häufigsten begegnen sie dir in Aktien-Apps und Online-Depots. Dort steht neben jeder Position eine grüne oder rote Zahl. Fast immer ist das ein nicht realisierter Gewinn oder Verlust. Manche Apps zeigen zusätzlich an, wie viel nach Steuern übrig bliebe, wenn man jetzt verkaufen würde.

Auch außerhalb der Börse gibt es das Prinzip. Wer eine Wohnung besitzt, deren Wert seit dem Kauf gestiegen ist, sitzt auf einem nicht realisierten Gewinn. Dasselbe gilt für Kryptowährungen, Gold oder Sammlerstücke. Der Wert existiert nur, solange sich ein Käufer findet, der ihn bezahlt.

In der Tech-Branche spielt das Thema eine besondere Rolle. Mitarbeiter von Start-ups bekommen oft Anteile statt eines hohen Gehalts. Auf dem Papier sind sie damit manchmal Millionäre. Verkaufen können sie diese Anteile aber häufig erst nach Jahren oder erst bei einem Börsengang. Geht die Firma vorher pleite, war der Gewinn nie mehr als eine Zahl in einer Tabelle.

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