
Private Equity
Private Equity bezeichnet Beteiligungen an Unternehmen, die nicht an der Börse gehandelt werden. Spezialisierte Fonds kaufen solche Firmen ganz oder teilweise, verändern sie über einige Jahre und verkaufen sie später mit Gewinn weiter.
Anteile an großen Firmen wie VW oder Siemens kann jeder an der Börse kaufen. Die meisten Unternehmen sind aber gar nicht an der Börse gelistet. Ihre Anteile wechseln nur den Besitzer, wenn sich Käufer und Verkäufer direkt einigen. Genau in diesem Bereich arbeitet Private Equity, auf Deutsch etwa « privates Eigenkapital ». Gemeint sind Investmentfirmen, die solche nicht börsennotierten Unternehmen aufkaufen. Sie halten die Firma meist vier bis sieben Jahre, versuchen ihren Wert zu steigern und verkaufen sie dann weiter.
Wem die Firmen hinter den Firmen gehören
Private Equity ist längst kein Nischenphänomen mehr. Weltweit verwalten solche Fonds mehrere Billionen Euro. In Deutschland gehören tausende mittelständische Unternehmen ganz oder teilweise Beteiligungsgesellschaften. Wenn eine bekannte Marke plötzlich den Eigentümer wechselt, steckt oft ein Private-Equity-Fonds dahinter.
Für Unternehmen kann das ein Vorteil sein. Ein Familienbetrieb ohne Nachfolger findet so einen Käufer. Eine junge Firma bekommt Geld für Wachstum, ohne den aufwendigen Gang an die Börse. Und ein Konzern kann eine Sparte abstoßen, die nicht mehr zum Kerngeschäft passt.
Kritik gibt es trotzdem reichlich. Weil die Fonds ihre Beteiligungen nach wenigen Jahren wieder verkaufen wollen, steht der schnelle Wertzuwachs im Vordergrund. Kritiker werfen der Branche vor, Kosten zu drücken, Personal abzubauen und Firmen mit Schulden zu belasten. Befürworter halten dagegen, dass träge Unternehmen dadurch überhaupt erst wettbewerbsfähig werden. Beides kommt in der Praxis vor, je nach Fonds und Situation.
Kaufen, umbauen, weiterverkaufen
Ein Private-Equity-Fonds sammelt zuerst Geld ein. Es kommt von Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen und sehr vermögenden Privatpersonen. Dieses Kapital ist für zehn Jahre oder länger fest gebunden, anders als bei Aktien kann man nicht kurzfristig aussteigen. Mit dem Geld kauft der Fonds dann mehrere Unternehmen.
Typisch ist, dass nur ein Teil des Kaufpreises aus eigenem Geld stammt. Den Rest leiht sich der Fonds bei Banken. Diese Schulden werden dem gekauften Unternehmen aufgebürdet, das sie aus seinen Gewinnen abbezahlen muss. Man nennt das einen Leveraged Buyout, also einen Kauf mit Hebelwirkung. Der Hebel wirkt in beide Richtungen: Läuft es gut, vervielfacht sich der Gewinn des Fonds. Läuft es schlecht, erdrückt die Zinslast das Unternehmen.
In der Haltezeit greifen die neuen Eigentümer aktiv ein. Sie tauschen die Geschäftsführung aus, kaufen Wettbewerber dazu oder verkaufen unrentable Bereiche. Am Ende steht der Ausstieg, im Fachjargon Exit. Das Unternehmen geht an einen Konzern, an einen anderen Fonds oder an die Börse.
Private Equity in den Tech-Nachrichten
Im Technologiebereich taucht der Begriff besonders häufig auf. Software- und IT-Dienstleister gelten als attraktive Ziele, weil Kunden dort langfristige Verträge haben und regelmäßig zahlen. Solche planbaren Einnahmen machen es leichter, Kredite zu bedienen. Große Übernahmen von Softwarefirmen durch Fonds wie Blackstone, KKR oder Thoma Bravo erreichen regelmäßig zweistellige Milliardenbeträge.
Wichtig ist die Abgrenzung zu Venture Capital, dem Risikokapital für Start-ups. Venture Capital finanziert junge Firmen, die noch keinen Gewinn machen, und nimmt in Kauf, dass viele davon scheitern. Private Equity kauft dagegen meist etablierte Unternehmen mit stabilem Geschäft. Beides sind Beteiligungen abseits der Börse, die Risiken sind aber völlig unterschiedlich.
Direkt investieren kann ein Privatanleger in klassische Private-Equity-Fonds kaum, die Mindestsummen liegen oft im Millionenbereich. Indirekt ist fast jeder betroffen: Pensionskassen und Lebensversicherungen legen einen Teil ihrer Gelder dort an. Wer also eine Betriebsrente hat, hält indirekt vermutlich Anteile an Unternehmen, von denen er nie gehört hat.