
Proprietäre Software
Proprietäre Software gehört einer Firma, die den Bauplan des Programms geheim hält und genau vorschreibt, was Nutzer damit tun dürfen. Das Gegenmodell ist offene Software, deren Bauplan jeder einsehen und verändern kann.
Jedes Computerprogramm wird von Menschen in einer Art Textform geschrieben, dem sogenannten Quellcode. Dieser Quellcode ist der Bauplan des Programms. Bei proprietärer Software behält die herstellende Firma diesen Bauplan für sich. Nutzer bekommen nur die fertige, laufende Version, ähnlich wie man in einem Restaurant das Gericht bekommt, aber nicht das Rezept. Außerdem bestimmt der Hersteller per Vertrag, was man mit dem Programm machen darf und was nicht. Das Wort « proprietär » kommt vom lateinischen Wort für Eigentum und bedeutet hier: Das Programm bleibt Eigentum der Firma, auch nachdem man dafür bezahlt hat.
Warum Firmen ihren Quellcode wegschließen
Der Hauptgrund ist Geld. Ein großes Programm zu entwickeln kostet oft Jahre Arbeit und viele Millionen Euro. Wäre der Quellcode öffentlich, könnte ein Konkurrent ihn kopieren und dasselbe Produkt billiger anbieten. Die Geheimhaltung ist also der Schutz einer Investition. Microsoft, Adobe und SAP haben ihre Geschäftsmodelle genau darauf aufgebaut.
Für Kunden hat das Vor- und Nachteile. Positiv ist, dass es einen klar benennbaren Verantwortlichen gibt: Wenn etwas nicht funktioniert, gibt es einen Support, den man anrufen kann, und oft auch vertragliche Garantien. Bei einem kostenlosen Gemeinschaftsprojekt ohne Firma dahinter ist niemand verpflichtet, ein Problem zu beheben.
Der Nachteil heißt Abhängigkeit, im Fachjargon auch Lock-in. Wer seine gesamte Buchhaltung in einem geschlossenen Programm führt, kommt schwer wieder heraus. Erhöht der Hersteller die Preise oder stellt das Produkt ein, hat man kaum eine Wahl. Man kann das Programm ja nicht selbst weiterpflegen, weil man den Bauplan nicht besitzt.
Lizenzen, Aktivierung und Abo-Modelle
Rechtlich funktioniert proprietäre Software über eine Lizenz. Das ist ein Nutzungsvertrag, dem man beim Installieren zustimmt. Man kauft dabei nicht das Programm, sondern nur das Recht, es unter bestimmten Bedingungen zu benutzen. Typische Bedingungen sind: Installation auf höchstens einem Gerät, kein Weiterverkauf, keine Untersuchung des Innenlebens.
Technisch wird das durch mehrere Mittel abgesichert. Der Quellcode wird vor der Auslieferung in Maschinencode übersetzt, eine Zahlenform, die der Computer versteht, Menschen aber kaum noch lesen können. Dazu kommen Produktschlüssel, Online-Aktivierung oder ein Konto, mit dem man sich anmelden muss.
In den letzten Jahren hat sich das Abo durchgesetzt. Statt einmal 600 Euro für eine Programmversion zahlt man monatlich, und die Software prüft regelmäßig im Internet, ob das Abo noch läuft. Ein häufiger Irrtum ist übrigens, proprietär bedeute automatisch kostenpflichtig. Das stimmt nicht: WhatsApp und der Chrome-Browser kosten nichts, ihr Quellcode ist trotzdem nicht frei einsehbar.
Geschlossene und offene KI-Modelle
Am deutlichsten begegnet einem das Thema derzeit bei künstlicher Intelligenz. GPT-5 von OpenAI und Gemini von Google sind proprietär. Man kann sie über eine Webseite oder eine Schnittstelle benutzen, bekommt aber weder die trainierten Modelldaten noch Auskunft darüber, mit welchem Material sie gelernt haben. Fällt der Dienst aus oder ändert sich der Preis, sind alle darauf aufbauenden Produkte betroffen.
Dagegen stehen Modelle wie Llama von Meta oder die Modelle von Mistral, die man herunterladen und auf eigenen Rechnern betreiben kann. Wichtig ist eine Feinheit: Diese Modelle werden oft « offen » genannt, sind aber meist nicht vollständig frei. Die Lizenzen enthalten Einschränkungen, und die Trainingsdaten bleiben in der Regel geheim. Zwischen ganz geschlossen und ganz offen liegt also eine breite Grauzone.
Im Alltag nutzt fast jeder beide Welten gleichzeitig. Windows, macOS, iOS, Photoshop und Spiele auf Steam sind proprietär. Der Browser Firefox, das Betriebssystem Linux und der Kern von Android sind offen. Behörden und Schulen diskutieren seit Jahren, wie viel Abhängigkeit von einzelnen Herstellern sie sich leisten wollen. Genau deshalb taucht der Begriff regelmäßig in Wirtschaftsnachrichten auf.