Schema eines kleinen Webgraphen: fünf durch Pfeile verbundene Seiten, deren Kreisgröße den jeweiligen PageRank-Wert darstellt; eine stark verlinkte Seite ist am größten, ihr Wert wird anteilig über die ausgehenden Pfeile weitergegeben.

PageRank

PageRank ist ein Rechenverfahren, das die Wichtigkeit einer Webseite daraus ableitet, wie viele andere Seiten auf sie verlinken. Es war die Grundidee hinter der Google-Suche und prägt bis heute, wie Rangfolgen in Netzwerken berechnet werden.

Im Internet verweisen Seiten mit Links aufeinander. Ein Link ist ein anklickbarer Verweis, der von einer Seite zu einer anderen führt. PageRank ist ein Rechenverfahren, das aus diesem Geflecht von Verweisen eine Zahl für jede Seite berechnet. Diese Zahl soll ausdrücken, wie wichtig eine Seite im gesamten Netz ist. Die Grundannahme ist einfach: Wer oft verlinkt wird, ist vermutlich bedeutsam. Entwickelt wurde das Verfahren 1996 von Larry Page und Sergey Brin an der Universität Stanford. Es wurde zur Grundlage der Suchmaschine Google.

Warum Links mehr verraten als Wörter

Frühe Suchmaschinen sortierten Ergebnisse vor allem danach, wie oft ein Suchwort auf einer Seite vorkam. Das war leicht auszunutzen. Wer das Wort « Urlaub » hundertmal unsichtbar in seine Seite schrieb, landete weit oben. Die Trefferlisten waren entsprechend unbrauchbar.

PageRank drehte die Perspektive um. Nicht der Seitenbetreiber selbst entscheidet über seine Wichtigkeit, sondern der Rest des Netzes. Ein Link funktioniert dabei wie eine Empfehlung. Diese Empfehlungen kann man schlechter fälschen als den eigenen Text, weil sie von fremden Servern kommen.

Das Ergebnis war ein spürbarer Qualitätssprung. Google verdrängte damit ab 1998 die etablierten Konkurrenten. Die Idee reicht aber weit über Suchmaschinen hinaus: Überall, wo Dinge aufeinander verweisen, lässt sich ähnlich rechnen. Beispiele sind wissenschaftliche Aufsätze, die sich gegenseitig zitieren, oder Nutzerkonten in sozialen Netzwerken.

Der zufällige Surfer und die Rechenschleife

Das Verfahren lässt sich als Gedankenexperiment beschreiben. Stell dir jemanden vor, der ziellos im Netz herumklickt. Er startet auf irgendeiner Seite und folgt immer einem zufälligen Link. Der PageRank einer Seite ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Surfer irgendwann gerade dort ist.

Entscheidend ist, dass nicht alle Links gleich zählen. Eine Empfehlung von einer wichtigen Seite wiegt schwerer als eine von einer unbekannten. Außerdem wird der Wert einer Seite auf ihre ausgehenden Links aufgeteilt. Eine Seite mit drei Links vererbt pro Link mehr als eine Seite mit dreihundert Links. Damit ist die Rechnung zirkulär: Die Wichtigkeit einer Seite hängt von der Wichtigkeit anderer Seiten ab.

Gelöst wird das durch Wiederholung. Man gibt allen Seiten zunächst denselben Startwert und rechnet die Verteilung immer wieder neu. Nach einigen Dutzend Durchläufen ändern sich die Zahlen kaum noch, das Ergebnis ist stabil. Ein Zusatz verhindert Sackgassen: Mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 15 Prozent springt der Surfer zu einer völlig zufälligen Seite. Ohne diesen Sprung würden Seitengruppen ohne ausgehende Links den ganzen Wert einsammeln.

PageRank heute: Suchmaschinen, Zitate, Netzwerke

In der Google-Suche ist PageRank längst nur noch ein Faktor unter hunderten. Wichtiger sind heute der Inhalt, die Aktualität, der Standort des Nutzers und Sprachmodelle, die Suchanfragen inhaltlich verstehen. Die früher öffentlich sichtbare PageRank-Anzeige in der Google-Toolbar wurde 2016 abgeschaltet. Ein verbreiteter Irrtum ist deshalb, PageRank sei gleichbedeutend mit der Position in den Suchergebnissen. Er ist nur ein Baustein davon.

In der Suchmaschinenoptimierung, kurz SEO, spielt das Prinzip trotzdem eine Rolle. Firmen versuchen, Links von angesehenen Seiten zu bekommen. Genau deshalb entstand ein Markt für gekaufte Links, gegen den Suchmaschinen seit Jahren vorgehen.

Außerhalb des Webs ist das Verfahren fest etabliert. Bibliotheken bewerten damit den Einfluss von Fachaufsätzen, Biologen ordnen Proteine in Stoffwechselnetzen, Banken suchen auffällige Muster in Überweisungsketten. Wer in Nachrichten über Empfehlungssysteme oder Netzwerkanalyse liest, trifft oft auf Varianten dieser Idee.

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