Proprietär
Proprietär heißt: Ein Produkt gehört einer Firma, die allein bestimmt, wer es nutzen, ansehen oder verändern darf. Bei KI-Modellen bedeutet das meist, dass der Anbieter den inneren Aufbau geheim hält und den Zugang nur über seine eigenen Server erlaubt.
Proprietär bedeutet, dass etwas einem einzelnen Eigentümer gehört und dieser die alleinigen Rechte daran hat. Das Wort stammt vom lateinischen « proprius » und heißt so viel wie « eigen ». Bei einem proprietären Computerprogramm entscheidet allein die Firma, wer es benutzen darf, was es kostet und ob jemand hineinschauen darf. Der Bauplan des Programms, also der Quelltext, bleibt in aller Regel geheim. Das Gegenteil davon nennt man offen oder quelloffen: Dort darf jeder den Bauplan lesen, kopieren und weitergeben. Bekannte proprietäre Produkte sind Windows, Photoshop oder das iPhone-Betriebssystem.
Warum Firmen ihre Modelle nicht offenlegen
Ein modernes KI-Modell zu bauen kostet sehr viel Geld. Der Rechenaufwand für das Training großer Modelle liegt schnell bei mehreren hundert Millionen Dollar. Dazu kommen Gehälter für Forscherinnen und Forscher, die weltweit zu den bestbezahlten der Branche gehören. Wer so viel investiert, will diesen Vorsprung nicht verschenken. Bleibt das Modell proprietär, kann die Firma für jede Nutzung Geld verlangen.
Für Kunden hat das Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist Verlässlichkeit: Es gibt einen Ansprechpartner, Support und feste Verträge. Ein Nachteil ist die Abhängigkeit. Wenn eine Firma den Preis verdreifacht oder ein Produkt einstellt, kann man nicht einfach den Bauplan nehmen und selbst weitermachen. Fachleute nennen diese Falle Lock-in, also das Eingeschlossensein bei einem Anbieter.
Wichtig ist eine Abgrenzung, die oft durcheinandergeht. Proprietär ist nicht dasselbe wie kostenpflichtig. Es gibt kostenlose proprietäre Programme, etwa viele Handy-Apps. Und es gibt offene Software, für die Firmen Geld verlangen, meist für Wartung und Support. Entscheidend ist nicht der Preis, sondern wer die Rechte hält.
Was hinter der verschlossenen Tür liegt
Ein KI-Modell besteht im Kern aus Milliarden von Zahlenwerten, den sogenannten Gewichten. Sie sind das Ergebnis des Trainings und enthalten alles, was das Modell gelernt hat. Bei einem proprietären Modell gibt der Anbieter diese Gewichte nicht heraus. Ebenso geheim bleiben meist die Trainingsdaten und die genaue Bauweise des Modells.
Nutzen kann man das Modell trotzdem, aber nur aus der Ferne. Man schickt seine Anfrage über das Internet an die Server der Firma. Dort rechnet das Modell und schickt die Antwort zurück. Diese Verbindungsstelle heißt Programmierschnittstelle oder kurz API. Man kann sich das wie eine Restaurantküche vorstellen: Man bestellt und bekommt das Essen, die Küche selbst betritt man nie.
Dazwischen gibt es Zwischenformen. Manche Anbieter geben die Gewichte heraus, verbieten aber die kommerzielle Nutzung ab einer bestimmten Größe. Solche Modelle nennt man offen im Gewicht, aber nicht wirklich quelloffen. Der Begriff « Open Source » wird im KI-Bereich deshalb häufig ungenau verwendet.
Proprietäre KI in Nachrichten und Produkten
Die bekanntesten Chatbots laufen auf proprietären Modellen. Dazu zählen GPT von OpenAI, Gemini von Google und Claude von Anthropic. Niemand außerhalb dieser Firmen kennt die genauen Gewichte. Auf der anderen Seite stehen Modelle wie Llama von Meta oder die Modelle von Mistral, deren Gewichte man herunterladen und auf eigenen Rechnern betreiben kann.
In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff regelmäßig auf, wenn es um Marktmacht geht. Analysten fragen, ob proprietäre Anbieter ihre hohen Preise halten können, während offene Modelle immer besser werden. Auch Behörden interessieren sich dafür, denn geheime Modelle sind schwerer zu prüfen als offene.
Für Unternehmen ist die Entscheidung sehr praktisch. Eine Klinik oder eine Bank darf sensible Daten oft nicht an fremde Server schicken. Dann kommt nur ein Modell infrage, das im eigenen Rechenzentrum läuft. Wer dagegen einfach die beste verfügbare Qualität will, greift meist zum proprietären Angebot.