Per-Seat-Lizenzmodell

Per-Seat-Lizenzmodell

Beim Per-Seat-Lizenzmodell zahlt ein Unternehmen für jede Person, die eine Software benutzen darf, einen festen Betrag pro Monat oder Jahr. Der Preis hängt also an der Zahl der Nutzer, nicht daran, wie viel jeder Einzelne damit arbeitet.

Firmen kaufen Software heute meist nicht mehr einmalig auf einer CD, sondern mieten sie dauerhaft. Dafür braucht es eine Regel, wie viel Geld fließt. Beim Per-Seat-Lizenzmodell ist diese Regel besonders einfach: Der Anbieter zählt die Personen, die das Programm nutzen dürfen. Für jede dieser Personen zahlt die Firma denselben festen Betrag, zum Beispiel 30 Euro im Monat. « Seat » ist Englisch für Sitzplatz und meint hier einen Zugang für genau einen Menschen. Ob dieser Mensch das Programm täglich acht Stunden oder nur einmal im Quartal öffnet, ändert am Preis nichts.

Warum Anbieter gern nach Köpfen abrechnen

Für den Anbieter ist dieses Modell gut planbar. Er weiß am Jahresanfang ziemlich genau, wie viel Geld hereinkommt. Wächst der Kunde und stellt Leute ein, wächst der Umsatz automatisch mit. In der Finanzwelt heißt so ein verlässlicher, wiederkehrender Umsatz « Abo-Umsatz », und Investoren bewerten ihn deutlich höher als einmalige Verkäufe.

Auch für den Kunden hat das Vorteile. Die Kosten sind transparent und leicht zu erklären: 200 Mitarbeiter mal 30 Euro sind 6.000 Euro im Monat. Niemand muss messen, wie oft jemand auf einen Knopf drückt. Genau deshalb hat sich das Modell bei Bürosoftware, Videokonferenzen und Vertriebswerkzeugen jahrzehntelang durchgesetzt.

Der Haken zeigt sich, wenn viele Zugänge brachliegen. Große Unternehmen zahlen oft für Hunderte Lizenzen, die kaum jemand öffnet. Fachleute nennen das « Shelfware », also Software, die im Regal verstaubt. In Sparrunden ist das meist der erste Posten, den die Einkaufsabteilung zusammenstreicht.

Was ein Seat technisch bedeutet

Ein Seat ist in der Praxis ein Benutzerkonto mit eigener Anmeldung. Der Anbieter führt eine Liste dieser Konten und gleicht sie mit dem Vertrag ab. Will die Firma eine Person mehr aufnehmen, bucht ein Administrator einen zusätzlichen Seat dazu. Die Abrechnung wird dann meist anteilig für die restliche Vertragslaufzeit angepasst.

Wichtig ist die Abgrenzung zur sogenannten Concurrent-Lizenz. Dort zählt nicht, wer registriert ist, sondern wie viele Personen gleichzeitig arbeiten. Zehn Concurrent-Lizenzen reichen also für vierzig Mitarbeiter im Schichtbetrieb. Per-Seat ist strenger: Vierzig Mitarbeiter brauchen vierzig Seats, auch wenn sie sich nie begegnen.

Verträge legen zusätzlich Mindestlaufzeiten und Untergrenzen fest. Oft darf man Seats jederzeit hinzufügen, aber erst zum Vertragsende wieder streichen. Ein häufiger Irrtum ist deshalb, das Modell sei völlig flexibel. Nach oben ist es das, nach unten selten.

Der Streit um Seats in der KI-Ära

Wer ein Abo für ein Officepaket, ein Videokonferenzprogramm oder ein Musikangebot für Teams sieht, sieht fast immer ein Per-Seat-Modell. Auch KI-Assistenten wurden zunächst so verkauft, etwa mit einem festen Aufpreis pro Mitarbeiter und Monat. In Quartalsberichten großer Softwarefirmen taucht deshalb regelmäßig die Kennzahl « Umsatz pro Seat » auf.

Seit KI-Systeme Aufgaben selbst erledigen, gerät das Modell unter Druck. Wenn ein Programm die Arbeit von drei Sachbearbeitern übernimmt, sinkt die Zahl der Köpfe. Nach Seats abgerechnet würde der Anbieter dann weniger verdienen, obwohl sein Produkt mehr leistet. Mehrere Anbieter testen darum eine Abrechnung nach erledigten Vorgängen statt nach Personen.

Für Anleger ist das eine der wichtigsten offenen Fragen im Softwaresektor. Sie beobachten, ob Kunden Seats abbauen und ob neue Preismodelle den Ausfall auffangen. Endgültig entschieden ist der Wechsel nicht. Viele Firmen kombinieren derzeit beides: eine Grundgebühr pro Seat plus eine Zusatzgebühr für die tatsächliche Nutzung.

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