
Pre-Seed-Runde
Die Pre-Seed-Runde ist die allererste Geldsammlung eines jungen Unternehmens, meist bevor es ein fertiges Produkt oder nennenswerte Umsätze gibt. Die Geldgeber bekommen dafür einen Anteil an der Firma und wetten im Grunde auf das Team und die Idee.
Wer eine Firma gründet, braucht früh Geld: für Gehälter, Technik und Büro. Am Anfang gibt es aber noch keine Kunden, die etwas bezahlen. Also holen sich die Gründer Geld von außen, und zwar von Leuten, die auf den Erfolg der Firma setzen. Diese Leute bekommen im Gegenzug einen Anteil an der Firma, gehören ihr also ein Stück weit mit. Die allererste solche Geldsammlung heißt Pre-Seed-Runde. Der Name kommt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäß « vor der Aussaat »: Es wird investiert, bevor überhaupt etwas gepflanzt ist.
Was ein paar hunderttausend Euro am Anfang entscheiden
In dieser Phase existiert oft nur eine Idee und ein kleines Team. Ohne Geld kann niemand Vollzeit daran arbeiten. Die Pre-Seed-Runde kauft den Gründern also vor allem Zeit. Typisch sind Summen zwischen 100.000 und einer Million Euro, die für zwölf bis achtzehn Monate reichen sollen.
Für die Geldgeber ist das die riskanteste Stufe überhaupt. Die meisten Firmen in dieser Phase scheitern, und dann ist das Geld komplett weg. Dafür ist der Anteil hier am billigsten. Wer 2010 sehr früh bei einem späteren Milliardenunternehmen eingestiegen ist, hat sein Geld tausendfach zurückbekommen. Diese seltenen Treffer finanzieren die vielen Fehlschläge mit.
Bei KI-Startups sind die Beträge zuletzt deutlich gestiegen. Der Grund ist banal: Rechenleistung kostet Geld. Ein Team, das ein eigenes Modell trainieren will, verbrennt schon vor dem ersten Kunden hohe Summen für Server. Deshalb liest man inzwischen von Pre-Seed-Runden über zehn Millionen Dollar, was vor einigen Jahren undenkbar war.
Anteile, Bewertung und der Wandelkredit
Zentral ist die Bewertung: eine Zahl, die festlegt, was die ganze Firma rechnerisch wert sein soll. Wird ein Startup mit vier Millionen bewertet und legt jemand eine Million ein, gehören ihm danach zwanzig Prozent. Diese Zahl ist am Anfang reine Verhandlungssache, denn es gibt weder Umsatz noch Gewinn, an dem man sie festmachen könnte.
Genau deshalb schiebt man die Bewertung oft auf. Statt sofort Anteile zu verkaufen, nutzen viele einen Wandelkredit. Das ist geliehenes Geld, das später automatisch in Firmenanteile umgewandelt wird, meist bei der nächsten größeren Finanzierungsrunde. Der frühe Geldgeber bekommt dann einen Rabatt, oft 20 Prozent, als Belohnung für das höhere Risiko.
Ein häufiger Irrtum: Mehr Geld sei immer besser. Jede Runde verwässert die Anteile der Gründer, sie besitzen danach also weniger von ihrer eigenen Firma. Wer in der Pre-Seed-Runde 40 Prozent abgibt, hat nach zwei weiteren Runden kaum noch Kontrolle. Erfahrene Investoren raten deshalb selbst dazu, in dieser Phase nicht zu viel abzugeben.
Wer das Geld gibt und wie man davon liest
Typische Geldgeber sind Business Angels, also meist ehemalige Gründer, die eigenes Vermögen investieren und Erfahrung mitbringen. Dazu kommen spezialisierte Fonds und staatliche Programme. In Deutschland ist der High-Tech Gründerfonds ein bekannter Name, ebenso Acceleratoren wie Y Combinator in den USA, die Geld gegen einen festen Anteil und ein Trainingsprogramm anbieten.
In Wirtschaftsnachrichten tauchen solche Runden fast täglich auf, oft in Sätzen wie « Das Startup sammelt drei Millionen Euro in einer Pre-Seed-Runde ein ». Danach folgen üblicherweise die Seed-Runde und dann Serie A, B und C. Die Reihenfolge sagt dir grob, wie weit eine Firma ist: Pre-Seed heißt Idee, Serie B heißt bereits laufendes Geschäft mit echten Kunden.
Beim Lesen lohnt ein skeptischer Blick. Eine große Pre-Seed-Runde ist kein Beweis für ein gutes Produkt, sondern nur dafür, dass jemand daran glaubt. Sie zeigt außerdem, welche Themen gerade im Trend liegen. Steigen die Summen in einem Bereich sprunghaft, sagt das oft mehr über die Stimmung am Markt aus als über die einzelnen Firmen.