
Post-Money-Bewertung
Die Post-Money-Bewertung ist der rechnerische Gesamtwert eines Unternehmens direkt nachdem neues Geld von Investoren eingezahlt wurde. Sie ergibt sich aus dem Wert vor der Finanzierung plus dem frisch investierten Betrag und ist die Zahl, die in Nachrichten über Start-ups meist genannt wird.
Wenn ein junges Unternehmen Geld von Geldgebern einsammelt, muss man sich vorher auf einen Preis einigen. Die Geldgeber zahlen einen Betrag und bekommen dafür einen Anteil an der Firma. Die Post-Money-Bewertung ist der Gesamtwert der Firma unmittelbar nach dieser Einzahlung. Sie enthält also den vorher vereinbarten Wert des Unternehmens und zusätzlich das neue Geld, das jetzt auf dem Konto liegt. Das Gegenstück heißt Pre-Money-Bewertung: der Wert, der ohne das neue Geld angesetzt wurde. Beide Zahlen unterscheiden sich immer genau um den investierten Betrag.
Warum diese Zahl über Anteile entscheidet
Die Post-Money-Bewertung legt fest, wie viel Prozent der Firma die neuen Geldgeber bekommen. Die Rechnung ist einfach: investierter Betrag geteilt durch Post-Money-Bewertung. Wer 20 Millionen Euro einzahlt und die Firma danach mit 100 Millionen bewertet wird, hält 20 Prozent. Die Gründer und alle früheren Anteilseigner teilen sich die restlichen 80 Prozent.
Ein kleiner Unterschied in der Bewertung verschiebt viel. Sagen wir, dieselben 20 Millionen fließen bei einer Post-Money-Bewertung von 80 Millionen. Dann gehören den Investoren schon 25 Prozent. Für die Gründer bedeutet jede Runde also einen Anteilsverlust, den man Verwässerung nennt. Eine hohe Bewertung schützt davor, weil weniger Prozent für dasselbe Geld abgegeben werden müssen.
Weil die Zahl so groß und so gut vergleichbar wirkt, wird sie außerdem als Statussymbol benutzt. Ab einer Milliarde Dollar Post-Money-Bewertung spricht man von einem Einhorn. Das sagt aber nichts über Umsatz oder Gewinn aus. Es ist der Preis, den eine kleine Gruppe von Investoren bei einem einzelnen Geschäft akzeptiert hat.
Die Rechnung hinter dem Preis
Zuerst verhandeln beide Seiten die Pre-Money-Bewertung. Dann addiert man das neue Kapital dazu und erhält die Post-Money-Bewertung. Ein Beispiel: Pre-Money 80 Millionen, neue Investition 20 Millionen, Post-Money 100 Millionen. Die Reihenfolge ist wichtig, denn viele Verhandlungen scheitern an genau dieser Unterscheidung. Wird 100 Millionen als Pre-Money verstanden, liegt die Post-Money-Bewertung bei 120 Millionen, und die Investoren erhalten nur noch rund 17 Prozent.
Praktisch rechnet man über Anteile, nicht über Bauchgefühl. Man teilt das Eigentum in Anteilsscheine auf, die sogenannten Aktien oder Shares. Der Preis pro Anteil ergibt sich aus der Pre-Money-Bewertung geteilt durch die Zahl der bestehenden Anteile. Für das neue Geld werden dann zusätzliche Anteile zu diesem Preis ausgegeben. Danach ist der Kuchen in mehr Stücke geteilt, aber der Kuchen selbst ist auch größer geworden.
Ein häufiger Irrtum: Die Post-Money-Bewertung sei ein geprüfter Marktwert. Das ist sie nicht. Sie ist eine Rechengröße aus einem einzigen Geschäft, oft verknüpft mit Sonderrechten für die Investoren. Typisch ist eine Klausel, die den Investoren bei einem Verkauf zuerst ihr Geld zurückgibt. Solche Rechte machen den Preis pro Anteil höher als er ohne sie wäre.
Wo die Zahl in KI-Schlagzeilen auftaucht
Meldungen über KI-Firmen bestehen fast immer aus zwei Zahlen. Erstens die Summe der Finanzierungsrunde, zweitens die Bewertung danach. Ein Satz wie « das Start-up sammelt 500 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 5 Milliarden ein » meint praktisch immer die Post-Money-Bewertung. Aus beiden Zahlen kannst du selbst ausrechnen, dass die neuen Investoren etwa 10 Prozent halten.
Interessant wird es beim Vergleich mehrerer Runden. Steigt die Bewertung von Runde zu Runde, spricht man von einer Up Round. Fällt sie, ist es eine Down Round, und das gilt als schlechtes Signal. Bei KI-Modellanbietern folgten solche Runden zuletzt oft im Abstand von wenigen Monaten, weil der Aufbau von Rechenzentren enorme Summen verschlingt.
Auch für Angestellte ist die Zahl relevant. Wer Anteilsoptionen als Teil des Gehalts bekommt, kann deren rechnerischen Wert an der letzten Post-Money-Bewertung ablesen. Verkaufen lässt sich das aber meist erst bei einem Börsengang oder einem Firmenverkauf. Bis dahin bleibt die Bewertung eine Zahl auf dem Papier.