
Buyout-Firma
Eine Buyout-Firma sammelt Geld bei reichen Anlegern und großen Investoren ein und kauft damit ganze Unternehmen. Sie behält die Firmen einige Jahre, versucht ihren Wert zu steigern und verkauft sie danach möglichst teurer weiter.
Eine Buyout-Firma ist ein Unternehmen, dessen Geschäft darin besteht, andere Unternehmen zu kaufen. Das englische Wort « buyout » bedeutet so viel wie « herauskaufen »: Die bisherigen Eigentümer werden ausgezahlt und verlieren die Kontrolle. Das Geld dafür stammt nicht aus der eigenen Kasse, sondern aus einem Topf, in den Pensionskassen, Versicherungen und sehr vermögende Personen eingezahlt haben. Ein zweiter, oft größerer Teil des Kaufpreises kommt als Kredit von Banken. Nach dem Kauf greift die Buyout-Firma in die Leitung des gekauften Unternehmens ein, etwa indem sie den Vorstand austauscht. Das Ziel ist immer dasselbe: nach etwa drei bis sieben Jahren wieder verkaufen, und zwar für deutlich mehr Geld.
Warum plötzlich so viel Tech-Geld hier landet
Buyout-Firmen verwalten weltweit Summen im Billionenbereich. Große Namen sind Blackstone, KKR, Apollo, Thoma Bravo oder Silver Lake. Wenn ein bekanntes Software-Unternehmen von der Börse verschwindet, steckt sehr häufig eine dieser Firmen dahinter. Der Fachbegriff dafür lautet « Take Private »: Ein börsennotiertes Unternehmen wird gekauft und seine Aktien werden aus dem Handel genommen.
Für die Tech-Branche ist das inzwischen ein zentraler Weg, wie Firmen den Besitzer wechseln. Software-Unternehmen sind für Buyout-Firmen besonders attraktiv, weil Kunden dort meist Abos zahlen. Diese Einnahmen kommen jeden Monat verlässlich herein, und verlässliche Einnahmen lassen sich gut zur Rückzahlung von Krediten einplanen. Der Übernahme von Twitter durch Elon Musk lag ein ähnliches Muster zugrunde: viel Fremdkapital, das anschließend das gekaufte Unternehmen belastete.
Umstritten ist das Modell, weil die Kredite auf dem gekauften Unternehmen lasten, nicht auf dem Käufer. Läuft alles gut, verdienen alle Beteiligten sehr viel. Läuft es schlecht, drücken die Zinsen das Unternehmen, und es folgen oft Stellenstreichungen oder der Verkauf ganzer Firmenteile. Kritiker sprechen deshalb von « Heuschrecken », Befürworter von notwendiger Sanierung.
Kaufen, umbauen, weiterverkaufen
Der klassische Ablauf heißt Leveraged Buyout, kurz LBO. « Leverage » ist englisch für Hebel und meint hier: mit wenig eigenem Geld etwas sehr Großes bewegen. Typisch sind rund 30 bis 50 Prozent eigenes Kapital, der Rest ist geliehen. Ein Beispiel macht den Hebel deutlich.
Angenommen, ein Unternehmen kostet 100 Millionen Euro. Die Buyout-Firma bringt 30 Millionen selbst auf und leiht sich 70 Millionen. Fünf Jahre später verkauft sie für 150 Millionen. Nach Rückzahlung der Schulden bleiben 80 Millionen übrig — aus 30 Millionen Einsatz. Ohne Kredit wären aus 100 Millionen nur 150 Millionen geworden, also eine viel kleinere Steigerung.
In der Zwischenzeit soll das Unternehmen wertvoller werden. Übliche Mittel sind Kostensenkungen, der Zukauf kleinerer Konkurrenten und der Verkauf von Bereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Am Ende steht der « Exit », also der Ausstieg: Verkauf an einen Konzern, an eine andere Buyout-Firma oder zurück an die Börse. Die Gewinne teilen sich Geldgeber und Buyout-Firma, wobei die Firma meist etwa 20 Prozent des Gewinns behält.
Woran man sie in Nachrichten erkennt
Meldungen über Buyout-Firmen tauchen fast täglich im Wirtschaftsteil auf. Typische Formulierungen sind « Finanzinvestor übernimmt », « Private-Equity-Konsortium bietet » oder « geht von der Börse ». Wichtig ist die Abgrenzung zu Wagniskapital, englisch Venture Capital: Das fließt in junge Start-ups und kauft nur kleine Anteile. Buyout-Firmen kaufen dagegen reife Unternehmen, und zwar meist ganz.
Auch im Alltag begegnet man ihnen häufiger als gedacht. Arztpraxisketten, Fitnessstudios, Pflegeheime, Softwareanbieter für Handwerksbetriebe und viele Markenprodukte gehören solchen Investoren. Man merkt es selten, weil der Firmenname gleich bleibt. Erst wenn Preise steigen oder Standorte schließen, wird die neue Eigentümerstruktur zum Thema.
Ein verbreiteter Irrtum ist, Buyout-Firmen wollten Unternehmen dauerhaft besitzen. Das Gegenteil stimmt: Ihr Geschäftsmodell verlangt den Verkauf, weil die Geldgeber ihr Kapital nach zehn bis zwölf Jahren zurückerwarten. Wer eine Übernahme in den Nachrichten liest, sollte deshalb immer mitdenken, was nach dem geplanten Weiterverkauf passiert.