
Burn-Rate
Die Burn-Rate gibt an, wie viel Geld ein Unternehmen pro Monat mehr ausgibt, als es einnimmt. Sie zeigt, wie schnell ein junges Unternehmen seine Rücklagen aufbraucht — und wie viele Monate es ohne neues Geld noch überlebt.
Junge Unternehmen verdienen am Anfang oft weniger, als sie ausgeben. Sie zahlen Gehälter, Miete und Werbung, obwohl kaum Umsatz hereinkommt. Das Geld dafür stammt meist von Investoren, die früher eingestiegen sind. Die Burn-Rate misst, wie viel von diesem Geld jeden Monat verschwindet. Sagt man « die Burn-Rate liegt bei zwei Millionen Euro », dann schrumpft das Bankkonto jeden Monat um zwei Millionen. Der Begriff kommt aus dem Englischen und heißt wörtlich « Verbrennungsrate ».
Was die Zahl über die Lebenserwartung einer Firma sagt
Aus der Burn-Rate lässt sich eine viel wichtigere Zahl berechnen: die verbleibende Zeit. Man teilt das Geld auf dem Konto durch die monatliche Burn-Rate. Wer 24 Millionen Euro hat und zwei Millionen pro Monat verbrennt, kommt zwölf Monate weit. Diese Zeitspanne nennt man in der Startup-Welt Runway, also Startbahn. Ist die Startbahn zu kurz, hebt das Flugzeug nicht mehr ab.
Deshalb ist die Burn-Rate die zentrale Zahl in Gesprächen mit Investoren. Sie entscheidet, wann ein Unternehmen die nächste Finanzierungsrunde braucht. Faustregel in der Branche: Man sollte spätestens sechs Monate vor dem Ende der Startbahn neues Geld suchen. Wer zu lange wartet, verhandelt aus einer Position der Schwäche. Investoren wissen dann, dass die Firma keine Alternative hat, und drücken den Preis.
Eine hohe Burn-Rate ist aber nicht automatisch schlecht. Entscheidend ist, was das Geld bewirkt. Wächst der Umsatz dabei schnell, gilt der Verbrauch als Investition in die Zukunft. Bleibt das Wachstum aus, ist es einfach nur ein Verlust.
Brutto, netto und die Tricks bei der Berechnung
Man unterscheidet zwei Varianten. Der Gross Burn zählt nur die Ausgaben: alles, was das Konto verlässt. Der Net Burn zieht die Einnahmen davon ab und ist damit die Zahl, die wirklich zählt. Ein Unternehmen mit fünf Millionen Ausgaben und drei Millionen Umsatz hat einen Net Burn von zwei Millionen.
Bei KI-Unternehmen fallen die Ausgaben besonders ins Gewicht. Der größte Posten sind meist Rechenleistung und Personal. Das Training eines großen Sprachmodells kostet Millionen an Rechenzeit in fremden Rechenzentren. Dazu kommen Spitzengehälter für Fachleute, die weltweit knapp sind. Deshalb liest man bei KI-Firmen von Burn-Rates, die früher nur bei Industriekonzernen vorkamen.
Ein häufiger Irrtum: Die Burn-Rate ist nicht dasselbe wie der Verlust in der Bilanz. Die Burn-Rate schaut nur auf echte Geldflüsse. Buchhalterische Posten wie Abschreibungen kosten kein Bargeld und tauchen darin nicht auf. Umgekehrt kann eine große Vorauszahlung die Burn-Rate eines Monats verzerren, ohne dass sich am Geschäft etwas geändert hat.
Burn-Rate in Schlagzeilen über KI-Startups
In Wirtschaftsnachrichten begegnet dir der Begriff fast immer im Zusammenhang mit Startups. Typische Formulierungen sind « das Unternehmen verbrennt jeden Monat 30 Millionen Dollar » oder « der Runway reicht bis Ende 2026 ». Solche Angaben stammen oft aus geleakten internen Unterlagen, weil Firmen sie freiwillig selten nennen. Berichtet eine Zeitung darüber, ist das meist ein Signal für Druck im Hintergrund.
Besonders sichtbar wird das bei den großen KI-Anbietern. Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic setzen Milliarden um und geben trotzdem deutlich mehr aus. Ihre Burn-Rate ist genau der Grund, warum sie immer neue Finanzierungsrunden brauchen. Kritiker sehen darin eine Blase, Befürworter eine notwendige Anfangsinvestition.
Auch Entlassungswellen lassen sich mit dem Begriff erklären. Kürzt eine Firma Stellen oder Projekte, senkt sie damit ihre Burn-Rate und verlängert die Startbahn. In der Branche heißt das « Extend the Runway ». Für Beschäftigte bedeutet dieselbe Zahl also etwas ganz anderes als für Investoren.