Nearline-HDD

Nearline-HDD

Eine Nearline-HDD ist eine große, langsame und günstige Festplatte für Rechenzentren, die Daten speichert, auf die man nicht ständig, aber regelmäßig zugreifen muss. Sie füllt die Lücke zwischen schnellen, teuren Server-Festplatten und Langzeitarchiven, die wochenlang unberührt bleiben.

Eine Festplatte speichert Daten auf rotierenden magnetischen Scheiben. Es gibt sie in sehr unterschiedlichen Ausführungen — je nachdem, wie schnell, wie groß und wie robust sie sein soll. Eine Nearline-HDD ist auf maximale Speicherkapazität zu möglichst niedrigen Kosten ausgelegt, nicht auf Geschwindigkeit. Sie dreht langsamer als eine typische Server-Festplatte, fasst dafür aber deutlich mehr: Aktuelle Modelle schaffen 20 bis 32 Terabyte pro Laufwerk. Der Name « Nearline » bedeutet sinngemäß « fast online » — die Daten sind nicht sofort da wie bei einem schnellen Hochleistungslaufwerk, aber auch nicht so weit weg wie auf einem Band, das erst erst eingespannt werden muss.

Warum Nearline-HDDs Rechenzentren prägen

Der weltweite Datenberg wächst jedes Jahr um Milliarden von Gigabyte. Nicht alle Daten werden ständig gebraucht, aber sie müssen erreichbar bleiben. Videos, die jemand vielleicht nächste Woche abruft, Sicherheitskopien, ältere Geschäftsdaten — all das muss irgendwo liegen. Schnelle Laufwerke wären dafür zu teuer, Magnetbänder zu langsam im Zugriff.

Nearline-HDDs treffen genau diesen Mittelweg. Pro Terabyte gespeicherter Daten kosten sie deutlich weniger als Hochleistungs-Server-Festplatten oder Flash-Speicher, der sogenannte SSD. Gleichzeitig liefern sie eine Antwort in Millisekunden — Magnetbänder brauchen dafür Sekunden bis Minuten. Für große Anbieter wie Cloud-Dienste oder Streamingplattformen macht dieser Preisunterschied bei Millionen von Laufwerken einen erheblichen Betrag aus.

Technik hinter der Kapazität

Eine Nearline-HDD dreht ihre Scheiben mit 7.200 Umdrehungen pro Minute — das klingt viel, ist aber langsamer als manche ältere Server-Festplatte mit 10.000 oder 15.000 Umdrehungen. Weniger Drehzahl bedeutet weniger Hitze, weniger Strom und weniger Verschleiß. Das ist bei einem Laufwerk, das rund um die Uhr läuft, ein echter Vorteil.

Die enormen Kapazitäten erreichen Hersteller wie Seagate oder Western Digital durch zwei Techniken. Die erste heißt SMR, zu Deutsch überlappende magnetische Aufzeichnung: Die Datenpfade auf den Scheiben werden so eng nebeneinander gelegt, dass sie sich leicht überlappen — ähnlich wie Dachziegel. Das erhöht die Dichte, macht das Schreiben neuer Daten aber etwas umständlicher. Die zweite Technik füllt das Innere des Gehäuses mit Helium statt mit Luft. Helium ist leichter, bremst die Scheiben weniger und erlaubt es, mehr Scheiben in dasselbe Gehäuse zu packen.

Nearline-HDDs sind außerdem für Dauerbetrieb ausgelegt. Eine normale Desktop-Festplatte ist vielleicht für einige Stunden Nutzung täglich gebaut. Eine Nearline-HDD muss 24 Stunden an 7 Tagen laufen, ohne zu versagen. Hersteller geben dafür eine sogenannte MTBF-Kennzahl an — die durchschnittliche Zeit bis zum ersten Ausfall, oft über eine Million Betriebsstunden.

Nearline-HDDs in Produkten und Schlagzeilen

Wer bei Netflix ein Video streamt, ruft Daten ab, die sehr wahrscheinlich auf Nearline-Laufwerken liegen. Gleiches gilt für Fotos in Cloud-Diensten wie Google Photos oder iCloud, die man nicht täglich aufruft. Auch Sicherheitskopien von Firmen, ältere Überwachungsvideos oder wissenschaftliche Messdaten landen häufig auf solchen Laufwerken.

In der Finanz- und Tech-Presse taucht der Begriff vor allem dann auf, wenn es um den Speichermarkt geht. Ankündigungen neuer Kapazitätsrekorde — etwa wenn Seagate erstmals ein 30-Terabyte-Laufwerk vorstellt — betreffen fast immer Nearline-HDDs. Ebenso werden Lieferengpässe bei diesen Laufwerken als Konjunkturindikator für den Cloud-Markt bewertet: Wenn Hyperscaler, also riesige Rechenzentren von Amazon, Microsoft oder Google, massenhaft Nearline-HDDs bestellen, gilt das als Zeichen dafür, dass die Datenmenge weiter stark wächst.

Ein häufiger Irrtum ist, Nearline-HDDs mit normalen Festplatten aus dem Elektronikhandel gleichzusetzen. Die äußere Form ist ähnlich, aber Einsatzzweck, Ausfallsicherheit und Preis unterscheiden sich erheblich. Eine Nearline-HDD kostet ein Vielfaches einer Desktop-Festplatte — und ist dafür gebaut, jahrelang ohne Unterbrechung in einem vollautomatisierten Lagerregal eines Rechenzentrums zu arbeiten.

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