Ablaufschema: Nutzerfrage im Chatfenster geht an das Sprachmodell, dieses wählt anhand der gemeldeten Werkzeugliste einen MCP-Server des Anbieters aus, der Server liefert Daten und eine kleine Weboberfläche zurück, die ChatGPT als Karte oder Player im Gespräch anzeigt.

Apps SDK

Das Apps SDK ist eine von OpenAI veröffentlichte Sammlung von Werkzeugen, mit der Entwickler eigene Anwendungen direkt in ChatGPT einbauen können. Statt eine eigene Website zu öffnen, ruft der Nutzer die App im Chatfenster auf, wo sie auch eine eigene Bedienoberfläche anzeigen darf.

Ein Chatprogramm wie ChatGPT kann von sich aus nur Text erzeugen. Es weiß nicht, welche Wohnungen gerade frei sind, und es kann kein Konzertticket kaufen. Damit es das kann, muss es mit fremden Diensten sprechen. Genau dafür hat der Hersteller OpenAI im Oktober 2025 das Apps SDK veröffentlicht. Die Abkürzung SDK steht für Software Development Kit, also einen Baukasten aus Werkzeugen und Vorlagen für Programmierer. Mit diesem Baukasten bauen Firmen ihre eigenen Dienste so um, dass sie mitten im Gespräch mit ChatGPT auftauchen und dort auch Bilder, Karten oder Buttons anzeigen können.

Der Chat als neuer Marktplatz

Für Unternehmen verschiebt sich damit die Stelle, an der Kunden auftauchen. Bisher suchte man ein Hotel über eine Suchmaschine und landete auf einer Website. Wenn stattdessen ChatGPT die Suche übernimmt, sieht der Nutzer diese Website nie. Wer dann nicht als App im Chat vertreten ist, kommt im Gespräch schlicht nicht vor.

ChatGPT hatte 2025 nach Angaben des Unternehmens rund 800 Millionen wöchentliche Nutzer. Das ist eine Reichweite, für die sich der Bauaufwand lohnen kann. Zum Start waren Dienste wie Spotify, Booking.com, Canva und Zillow dabei. Beobachter vergleichen den Schritt deshalb gern mit dem Start des iPhone-App-Stores 2008.

Der Vergleich hinkt aber an einer Stelle. Im App-Store sucht der Nutzer die App bewusst aus und tippt auf ihr Symbol. Im Chat entscheidet oft das Modell, welche App es zu einer Frage aufruft. Wer diese Auswahl steuert, hat große Macht über den Wettbewerb — das ist einer der Streitpunkte, die Kartellbehörden aufmerksam verfolgen.

Vom Werkzeugaufruf bis zur Anzeige im Chat

Technisch setzt das Apps SDK auf dem Model Context Protocol auf, kurz MCP. Das ist eine offene Vereinbarung darüber, wie ein Sprachmodell mit externen Programmen redet. Der Anbieter betreibt dazu einen Server, der eine Liste seiner Fähigkeiten meldet, etwa “Playlist suchen” oder “Zimmer buchen”. Jede Fähigkeit trägt eine Beschreibung in normaler Sprache.

Stellt ein Nutzer eine passende Frage, wählt das Modell anhand dieser Beschreibungen ein Werkzeug aus. Es schickt die nötigen Angaben an den Server, dieser antwortet mit Daten. Man kann sich das wie eine Speisekarte vorstellen: Der Server listet auf, was er anbietet, das Modell bestellt.

Neu am Apps SDK ist der zweite Teil. Der Server darf zusätzlich eine kleine Weboberfläche mitschicken, die ChatGPT direkt im Gespräch anzeigt. So erscheint eine echte Landkarte statt einer Adressliste. Für Aktionen, die ein Konto betreffen, meldet sich der Nutzer über ein Standardverfahren namens OAuth an, bei dem ChatGPT das Passwort selbst nie zu sehen bekommt.

Was davon beim Nutzer ankommt

Im Alltag merkt man vom SDK selbst nichts. Man tippt “Spotify, mach mir eine Playlist für die Zugfahrt” und bekommt einen abspielbaren Block angezeigt. Manchmal schlägt ChatGPT eine App auch von sich aus vor, wenn sie zur Frage passt.

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff meist in größeren Zusammenhängen auf. Es geht um die Frage, ob Chatbots klassische Suchmaschinen als Einstiegspunkt ins Internet ablösen. Und es geht um Geld: OpenAI hat mit dem Agentic Commerce Protocol einen Weg angekündigt, Käufe direkt im Chat abzuwickeln, inklusive Beteiligung am Umsatz.

Ein häufiger Irrtum ist, das Apps SDK mit den älteren ChatGPT-Plugins gleichzusetzen. Die Plugins von 2023 lieferten nur Text zurück und wurden wieder eingestellt. Das Apps SDK erlaubt dagegen eigene Oberflächen und baut auf einem offenen Standard auf, den auch Konkurrenten nutzen. Wer heute für einen Assistenten entwickelt, kann denselben Server oft mehrfach verwenden.

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