Multiplikator

Multiplikator

Ein Multiplikator gibt an, wie viel zusätzliche Wirtschaftsleistung entsteht, wenn irgendwo ein Euro zusätzlich ausgegeben wird. Liegt er über 1, löst die erste Ausgabe weitere Ausgaben aus und der Gesamteffekt ist größer als der eingesetzte Betrag.

Wenn der Staat eine neue Bahnstrecke bauen lässt, bleibt das Geld nicht beim Bauunternehmen liegen. Die Firma zahlt Löhne, ihre Angestellten kaufen davon Lebensmittel, Möbel oder Handys. Die Läden wiederum bestellen neue Waren und stellen vielleicht Personal ein. So bewegt ein einzelner ausgegebener Euro am Ende deutlich mehr als einen Euro an Wirtschaftsleistung. Der Multiplikator ist die Zahl, die dieses Verhältnis beschreibt: Gesamtwirkung geteilt durch den ursprünglich eingesetzten Betrag. Ein Multiplikator von 1,5 bedeutet, dass aus einer Milliarde Euro Ausgaben eineinhalb Milliarden Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung werden.

Wovon der Streit über Konjunkturpakete abhängt

Fast jede politische Debatte über Staatsausgaben ist im Kern eine Debatte über Multiplikatoren. Kritiker sagen, ein Konjunkturpaket verschulde das Land, ohne viel zu bewirken. Befürworter halten dagegen, dass sich die Ausgabe über zusätzliches Wachstum teilweise selbst finanziert. Wer Recht hat, hängt daran, ob der Multiplikator eher bei 0,5 oder eher bei 1,5 liegt.

Die Zahl entscheidet auch, welche Maßnahme man wählt. Steuersenkungen für hohe Einkommen haben meist einen niedrigen Multiplikator, weil viel davon gespart wird. Gespartes Geld löst keine weitere Nachfrage aus. Direkte Zahlungen an Haushalte mit wenig Geld wirken stärker, weil dieses Geld fast vollständig ausgegeben wird.

In der Tech-Branche taucht der Begriff in ähnlicher Logik auf. Wenn ein Konzern Milliarden in ein neues Rechenzentrum steckt, wird gern vorgerechnet, wie viele Arbeitsplätze in der Region daran hängen. Solche Zahlen beruhen auf geschätzten Multiplikatoren und sind mit Vorsicht zu lesen, weil die Auftraggeber ein Interesse an großen Zahlen haben.

Die Rechnung hinter der Zahl

Entscheidend ist, welcher Anteil eines zusätzlichen Einkommens wieder ausgegeben wird. Gibt jeder Haushalt 80 Cent von jedem zusätzlichen Euro weiter, entsteht eine Kette: 1 Euro, dann 80 Cent, dann 64 Cent, dann etwa 51 Cent. Diese Reihe wird immer kleiner, hört aber nicht abrupt auf. Addiert ergibt sie in diesem Fall rund 5 Euro.

In der Realität ist die Zahl kleiner, weil bei jedem Schritt Geld aus dem Kreislauf abfließt. Ein Teil geht als Steuer an den Staat, ein Teil wird gespart, ein Teil wandert für Importe ins Ausland. Je offener eine Volkswirtschaft ist, desto niedriger fällt ihr Multiplikator aus. Deutschland importiert viel, deshalb landet ein Teil der Wirkung bei Handelspartnern.

Außerdem hängt der Wert von der Lage ab. In einer Krise mit hoher Arbeitslosigkeit stehen Maschinen still und Menschen suchen Arbeit, deshalb wirken zusätzliche Ausgaben stark. Ist die Wirtschaft schon voll ausgelastet, treiben sie eher die Preise als die Produktion. Dann kann der Multiplikator unter 1 fallen. Ökonomen schätzen ihn mit Modellen und historischen Daten, und die Ergebnisse gehen weit auseinander.

Wo die Zahl in Nachrichten auftaucht

Multiplikatoren stecken hinter vielen Schlagzeilen, ohne beim Namen genannt zu werden. Sätze wie « das Investitionsprogramm schafft 200.000 Arbeitsplätze » oder « jeder Euro Forschungsförderung bringt drei Euro zurück » sind Multiplikatorrechnungen. Auch Studien von Wirtschaftsinstituten und Lobbyverbänden arbeiten damit. Ein gesunder Reflex ist die Frage, wer die Studie bezahlt hat.

Achtung bei der Verwechslung mit einem anderen Sprachgebrauch. In der Bildungs- und PR-Branche heißen Menschen « Multiplikatoren », die Informationen weiterverbreiten, etwa Lehrkräfte oder Journalisten. An der Börse bezeichnet « Multiple » wiederum eine Bewertungskennzahl, zum Beispiel den Kurs im Verhältnis zum Gewinn. Gemeinsam ist allen die Grundidee der Vervielfachung, gemessen wird aber jeweils etwas völlig anderes.

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