
Modell-Slug
Ein Modell-Slug ist die exakte technische Kurzbezeichnung, mit der eine bestimmte Version eines KI-Modells angesprochen wird, zum Beispiel "gpt-4o-mini" oder "claude-sonnet-4-20250514". Er ist kein Werbename, sondern eine eindeutige Adresse: Ein einziger falscher Buchstabe führt zu einer Fehlermeldung oder zum falschen Modell.
Große Anbieter geben ihren KI-Programmen zwei Namen. Der eine ist der Werbename, den man in der Presse liest. Der andere ist eine knappe Zeichenkette in Kleinbuchstaben mit Bindestrichen, oft mit einer Zahl oder einem Datum am Ende. Diese zweite Bezeichnung heißt Modell-Slug. Ein Programm, das automatisch mit einem KI-Dienst spricht, muss genau diesen Slug angeben, sonst weiß der Dienst nicht, welches der vielen verfügbaren Programme gemeint ist. Beispiele sind « gpt-4o-mini », « gemini-2.5-pro » oder « claude-sonnet-4-20250514 ».
Warum ein Buchstabe über die Rechnung entscheidet
Anbieter haben selten nur ein Modell im Angebot, sondern oft zehn oder mehr gleichzeitig. Sie unterscheiden sich stark in Preis, Tempo und Können. Ein kleines Modell kann pro Anfrage zwanzigmal günstiger sein als das größte. Wer im eigenen Programm versehentlich den Slug des teuren Modells hinterlegt, merkt das erst auf der Monatsrechnung. Der Slug ist deshalb für Unternehmen eine handfeste Kostenentscheidung, keine Formalie.
Dazu kommt die Nachvollziehbarkeit. Wenn ein Forschungsteam behauptet, ein Modell habe einen Test bestanden, ist die Aussage ohne Slug fast wertlos. Der Werbename bleibt über Monate gleich, während sich dahinter mehrere Versionen ablösen. Nur der Slug mit Datum sagt, welche Version tatsächlich getestet wurde. Seriöse Vergleichstabellen und Fachartikel nennen ihn aus genau diesem Grund immer mit.
Ein dritter Punkt betrifft Stabilität. Anbieter schalten alte Modelle irgendwann ab, das nennt man Deprecation. Angekündigt wird das über den Slug, nicht über den Werbenamen. Wer diese Ankündigungen ignoriert, dessen Anwendung bekommt eines Tages nur noch Fehlermeldungen zurück.
Wie so eine Zeichenkette aufgebaut ist
Ein Slug folgt meist einem festen Muster aus mehreren durch Bindestriche getrennten Teilen. Vorne steht die Modellfamilie, etwa « gpt » oder « claude ». Danach kommt die Generation als Zahl, also die wievielte große Überarbeitung es ist. Dann folgt oft eine Größenangabe wie « mini », « flash » oder « opus ». Am Ende steht häufig ein Datum im Format Jahr-Monat-Tag, das den genauen Veröffentlichungsstand markiert.
Man kann sich das wie die Bezeichnung eines Autos vorstellen. « Golf » ist die Familie, « 8 » die Generation, « GTI » die Ausstattung, das Baujahr die genaue Version. Niemand bestellt beim Händler einfach « einen Golf », wenn der Preis stimmen soll. Genauso wenig genügt einem Programm die Angabe « Claude ».
Wichtig ist die Groß- und Kleinschreibung: Slugs bestehen fast immer nur aus Kleinbuchstaben, Ziffern, Punkten und Bindestrichen. Leerzeichen sind nicht erlaubt. Daneben gibt es sogenannte Alias-Slugs ohne Datum, etwa « claude-sonnet-4 ». Sie zeigen automatisch auf die jeweils neueste Version. Das ist bequem, aber riskant: Das Verhalten der eigenen Anwendung kann sich dann über Nacht ändern, ohne dass jemand etwas umgestellt hat.
Wo dir Slugs über den Weg laufen
Am häufigsten stehen Slugs in der technischen Dokumentation der Anbieter. Dort gibt es Tabellen mit allen verfügbaren Modellen, dem jeweiligen Preis pro Textmenge und dem Abschaltdatum. Wer ein Programm schreibt, das eine KI über eine Schnittstelle anspricht, kopiert den Slug von dort direkt in den eigenen Code.
Auch in Ranglisten und Testberichten tauchen sie auf. Wenn eine Nachrichtenseite meldet, ein Modell habe die Konkurrenz geschlagen, steht der Slug meist in der Fußnote oder in der Tabellenspalte. Diskussionen in Entwicklerforen laufen fast ausschließlich über Slugs, weil Werbenamen dort zu ungenau wären.
Ein verbreiteter Irrtum ist, der Slug sei einfach der Werbename in Kleinbuchstaben. Das stimmt oft nicht. Manche Produkte tragen nach außen einen ganz anderen Namen als das Modell, das intern arbeitet. Wer wissen will, was ein Dienst wirklich benutzt, muss den Slug suchen, nicht das Marketing lesen.