
MVP
Ein MVP ist die einfachste Version eines Produkts, die man echten Kunden schon geben kann. Sie enthält nur die wichtigste Funktion und soll möglichst schnell zeigen, ob überhaupt jemand das Produkt haben will.
MVP steht für « Minimum Viable Product », auf Deutsch etwa « kleinstes brauchbares Produkt ». Gemeint ist die abgespeckteste Version einer Idee, die man echten Nutzern trotzdem schon anbieten kann. Sie kann wenig, aber das Wenige funktioniert wirklich. Der Zweck ist nicht, viel Geld zu verdienen. Der Zweck ist, herauszufinden, ob überhaupt jemand das Produkt benutzen möchte. Ein Team baut also absichtlich weniger, als es könnte, um schneller eine Antwort zu bekommen.
Warum Firmen absichtlich weniger bauen
Der teuerste Fehler in der Softwarebranche ist ein fertiges Produkt, das niemand braucht. Zwei Jahre Arbeit, ein großes Team, dann startet es und bleibt liegen. Genau davor soll ein MVP schützen. Statt zwei Jahre zu raten, fragt man nach zwei Monaten den Markt.
Der Begriff stammt aus der « Lean Startup »-Bewegung, die der Unternehmer Eric Ries um 2011 bekannt machte. Seine Kernidee: Eine Geschäftsidee ist zunächst nur eine Vermutung. Diese Vermutung muss man testen wie ein Experiment im Physikunterricht. Das MVP ist der Versuchsaufbau, echte Nutzer sind die Messung.
Für Investoren ist ein laufendes MVP ein starkes Argument. Eine Präsentation zeigt nur, was ein Gründer sich vorstellt. Ein MVP mit tausend aktiven Nutzern zeigt, dass Menschen das Produkt freiwillig verwenden. Deshalb taucht der Begriff in Finanznachrichten oft im Zusammenhang mit Finanzierungsrunden auf.
Was in die erste Version gehört und was nicht
Am Anfang steht eine klare Annahme, zum Beispiel: « Menschen zahlen dafür, ihre Steuererklärung per Chat zu erledigen. » Dann streicht das Team alles, was diese Annahme nicht testet. Kein aufwendiges Design, keine Nutzerkonten, keine App für alle Handytypen. Übrig bleibt genau der eine Weg durch das Produkt, um den es geht.
Danach wird gemessen. Wie viele Leute probieren es aus, wie viele kommen wieder, wie viele zahlen? Aus den Zahlen und den Rückmeldungen entsteht die nächste Version. Dieser Kreislauf aus Bauen, Messen und Lernen wiederholt sich, bis das Produkt trägt oder die Idee begraben wird.
Ein häufiger Irrtum: MVP bedeutet nicht « schlampig ». Das Wort « viable », also lebensfähig, ist entscheidend. Eine App, die ständig abstürzt, liefert kein brauchbares Ergebnis, weil die Nutzer wegen der Fehler abspringen und nicht wegen der Idee. Ein gutes MVP kann wenig, aber dieses Wenige zuverlässig.
MVPs bei KI-Produkten und in der Startup-Berichterstattung
Viele bekannte Dienste starteten winzig. Dropbox zeigte anfangs nur ein Erklärvideo, um zu prüfen, ob sich Leute für automatische Dateisynchronisierung anmelden. Airbnb begann mit einer schlichten Webseite und drei Luftmatratzen in einer Wohnung. Erst als die Nachfrage klar war, wurde daraus eine ernsthafte Plattform.
Bei KI-Produkten ist der Ansatz besonders verbreitet. Ein Team muss heute kein eigenes Sprachmodell trainieren, sondern kann ein bestehendes über eine Schnittstelle mieten. Damit steht ein einfacher Assistent in wenigen Wochen. Manche Teams lassen die Arbeit im MVP sogar noch von Menschen erledigen und tun nur so, als sei es Software. Das klingt nach Schummelei, ist aber ein legitimer Test der Nachfrage.
In Nachrichten begegnet dir der Begriff meist bei jungen Firmen: « Das Startup hat sein MVP gestartet und sucht nun Kapital. » Übersetzt heißt das: Es gibt etwas Echtes, aber noch kein fertiges Produkt. Verwandt ist der Begriff Prototyp, der aber oft nur intern gezeigt wird. Der Unterschied liegt darin, dass ein MVP bei echten Kunden im Einsatz ist.