
MI450
MI450 ist der Name eines Spezialchips von AMD, der ab 2026 in Rechenzentren KI-Programme antreiben soll. Er ist AMDs direkter Gegenentwurf zu den marktbeherrschenden Chips von Nvidia.
MI450 ist der Name eines Rechenchips der Firma AMD. Solche Chips stehen nicht in privaten Computern, sondern in großen Rechenzentren – also in Hallen voller Server, die über das Internet genutzt werden. Ihre Aufgabe ist es, KI-Programme wie Chatbots oder Bildgeneratoren zu betreiben. Dafür müssen sie enorme Mengen einfacher Rechnungen gleichzeitig ausführen, statt wenige komplizierte hintereinander. AMD will den MI450 ab dem Jahr 2026 ausliefern. Er ist der wichtigste Versuch des Unternehmens, dem Konkurrenten Nvidia Kunden abzunehmen.
AMDs Angriff auf Nvidias Vormacht
Der Markt für KI-Chips ist einer der lukrativsten der Technikbranche. Nvidia hält dort einen Anteil, der je nach Schätzung zwischen 80 und 90 Prozent liegt. Diese Dominanz hat einen Preis: Wer KI-Rechenleistung braucht, muss zu Nvidias Bedingungen kaufen. Große Kunden suchen deshalb aktiv nach einer zweiten Quelle.
Genau hier setzt der MI450 an. Anders als bei früheren AMD-Chips geht es nicht nur um Rechentempo pro Chip. AMD verspricht ein komplettes Serverschranksystem, das mit Nvidias Angebot direkt vergleichbar ist. Das ist wichtig, weil moderne KI-Modelle nie auf einem einzelnen Chip laufen, sondern auf tausenden im Verbund.
Die Erwartungen an den Chip sind deshalb groß und schlagen auf die Börse durch. OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, hat 2025 eine Vereinbarung über sechs Gigawatt AMD-Rechenleistung angekündigt – der MI450 ist dabei die erste Ausbaustufe. Solche Ankündigungen bewegen den Aktienkurs von AMD teils um zweistellige Prozentwerte an einem Tag.
Speicher, Bandbreite und ganze Serverschränke
Bei KI-Chips entscheidet oft nicht die Rechenleistung, sondern der Speicher. Ein großes Sprachmodell besteht aus Milliarden gespeicherter Zahlenwerte. Diese Werte müssen bei jeder Antwort durch den Chip fließen. Ist der Weg zwischen Speicher und Recheneinheit zu schmal, wartet der Chip untätig – Fachleute nennen das einen Speicherengpass.
Der MI450 nutzt deshalb HBM4, eine neue Generation gestapelten Hochgeschwindigkeitsspeichers. Statt neben dem Chip zu sitzen, liegen die Speicherbausteine in Schichten direkt daneben auf demselben Träger. AMD nennt Werte um 432 Gigabyte Speicher pro Chip. Das ist mehr, als Nvidias vergleichbare Generation vorsieht, und ein bewusst gesetzter Vorteil.
Dazu kommt die Verbindung untereinander. Im System namens Helios stecken mehrere Dutzend MI450 in einem Schrank und sind über schnelle Leitungen verbunden. Für den Kunden verhält sich der Schrank dann wie ein einziger, sehr großer Rechner. Gekühlt wird das Ganze mit Flüssigkeit, weil ein solcher Schrank über hundert Kilowatt Leistung aufnehmen kann – so viel wie viele Dutzend Haushalte.
Wo der Chip in den Nachrichten auftaucht
Direkt kaufen wird man einen MI450 nie. Man begegnet ihm indirekt, wenn man KI-Dienste im Browser nutzt: Antworten eines Chatbots entstehen auf solchen Chips in einem Rechenzentrum. Welcher Hersteller dahintersteckt, merkt man als Nutzer nicht.
In den Wirtschaftsnachrichten ist der Name dagegen häufig zu lesen. Er fällt in Quartalsberichten von AMD, in Meldungen über neue Rechenzentren und in Analysen zum Wettbewerb mit Nvidia. Oft geht es dabei um Lieferzeiten, denn die Produktion solcher Chips hängt an wenigen Fabriken, vor allem beim taiwanischen Auftragshersteller TSMC.
Ein verbreiteter Irrtum ist, der schnellere Chip gewinne automatisch den Markt. Entscheidend ist auch die Software. Nvidia bietet mit CUDA eine über Jahre gewachsene Programmierumgebung, an die viele Entwickler gewöhnt sind. AMDs Gegenstück heißt ROCm und gilt als weniger ausgereift. Ob der MI450 erfolgreich wird, hängt deshalb ebenso an dieser Software wie an der Hardware selbst.