
Model as a Service (MaaS)
Model as a Service, kurz MaaS, bedeutet: Ein Anbieter betreibt ein fertig trainiertes KI-Modell auf seinen eigenen Rechnern und lässt andere es über das Internet gegen Bezahlung mitbenutzen. Man mietet also die Fähigkeit des Modells, statt es selbst zu bauen und zu betreiben.
Ein KI-Modell ist ein Computerprogramm, das aus sehr vielen Beispielen gelernt hat, bestimmte Aufgaben zu erledigen. Es kann zum Beispiel Texte schreiben, Bilder erzeugen oder Sprache in Text umwandeln. Solche Modelle zu erstellen, kostet viele Millionen Euro und braucht spezielle Rechner. Bei Model as a Service übernimmt ein Anbieter diese Arbeit und stellt das fertige Modell im Internet bereit. Andere Firmen schicken ihm dann ihre Anfragen und erhalten die Antworten zurück. Bezahlt wird nach Nutzung, ähnlich wie beim Strom aus der Leitung.
Warum kaum jemand mehr ein eigenes Modell baut
Vor wenigen Jahren musste ein Unternehmen, das KI nutzen wollte, selbst Fachleute einstellen und Rechner kaufen. Heute genügt oft ein Zugang zu einem fremden Modell. Damit sinkt die Einstiegshürde enorm. Ein kleines Start-up mit fünf Leuten kann eine Anwendung bauen, die auf derselben Technik läuft wie die eines Großkonzerns.
Für die Anbieter ist das ein sehr attraktives Geschäft. Sie bauen das Modell einmal und verkaufen den Zugang danach millionenfach. Genau darauf beruhen die hohen Bewertungen von Firmen wie OpenAI, Anthropic oder Mistral. In Börsennachrichten tauchen deshalb Begriffe wie wiederkehrende Umsätze auf, also Einnahmen, die jeden Monat erneut fließen.
Es gibt aber eine Kehrseite. Wer sein Produkt vollständig auf ein fremdes Modell stützt, ist von diesem Anbieter abhängig. Erhöht er die Preise oder schaltet er ein Modell ab, muss der Kunde reagieren. Fachleute nennen das Anbieterbindung oder Lock-in. Manche Firmen halten deshalb bewusst zwei Anbieter parallel bereit.
Der Weg einer Anfrage vom Kunden zum Rechenzentrum
Der Zugang läuft über eine Schnittstelle, im Fachjargon API genannt. Das ist eine festgelegte Adresse im Internet, an die ein Programm eine Anfrage sendet. Die Anfrage enthält den Text oder das Bild, um das es geht. Im Rechenzentrum des Anbieters rechnet das Modell und schickt das Ergebnis zurück. Für den Kunden dauert das meist nur Sekundenbruchteile.
Abgerechnet wird bei Sprachmodellen normalerweise nach Token. Ein Token ist ein Textbaustein, etwa ein kurzes Wort oder eine Silbe. Tausend Token entsprechen ungefähr 750 Wörtern Deutsch. Die Preise liegen je nach Modell zwischen wenigen Cent und mehreren Euro pro Million Token. Kleine, schnelle Modelle sind dabei deutlich günstiger als große.
Viele Anbieter erlauben zusätzlich eine Anpassung an eigene Daten. Man liefert Beispiele aus dem eigenen Betrieb, und das Modell wird darauf nachjustiert. Wichtig ist die Abgrenzung zu Open-Source-Modellen: Diese lädt man herunter und betreibt sie selbst. Das kostet keine Nutzungsgebühr, verlangt aber eigene Rechner und eigenes Fachwissen.
MaaS in Apps, Cloud-Katalogen und Quartalszahlen
Die meisten KI-Funktionen, die man täglich benutzt, laufen über dieses Modell. Der Übersetzer in einer Reise-App, die Textvorschläge in einem Schreibprogramm, der Chatbot im Kundenservice eines Onlineshops: Dahinter steckt oft ein gemietetes Modell eines externen Anbieters. Die App selbst enthält keine KI, sie stellt nur die Fragen.
Auch die großen Cloud-Anbieter verkaufen MaaS. Microsoft, Amazon und Google führen in ihren Katalogen dutzende Modelle, teils eigene, teils fremde. Ein Entwickler wählt dort ein Modell aus wie ein Produkt im Onlineshop. Diese Umsätze erscheinen in den Quartalsberichten der Konzerne und bewegen ihre Aktienkurse.
Ein verbreiteter Irrtum lautet, MaaS bedeute automatisch, dass der Anbieter mit den eingesandten Daten weitertrainiert. Bei Geschäftskunden ist das in den Verträgen meist ausgeschlossen. Für europäische Firmen ist trotzdem entscheidend, in welchem Land die Rechner stehen, weil der Datenschutz das vorschreibt. Deshalb werben Anbieter inzwischen ausdrücklich mit Rechenzentren innerhalb der EU.