Meme-Stock

Meme-Stock

Ein Meme-Stock ist eine Aktie, deren Kurs vor allem durch Begeisterung in sozialen Netzwerken steigt und fällt – nicht durch die Geschäftszahlen des Unternehmens. Bekanntestes Beispiel ist GameStop im Januar 2021.

Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen, den man an der Börse kaufen und verkaufen kann. Normalerweise richtet sich ihr Preis danach, wie viel Gewinn die Firma macht und wie ihre Zukunft eingeschätzt wird. Bei einem Meme-Stock ist das anders: Der Preis steigt vor allem, weil viele Privatanleger in sozialen Netzwerken gleichzeitig darüber reden und kaufen. Der Name kommt von den Memes, also den Bildern und Sprüchen, die sich im Internet rasend schnell verbreiten. Eine solche Aktie kann sich innerhalb weniger Tage vervielfachen und danach genauso schnell wieder abstürzen. Wer sie kauft, wettet weniger auf ein Geschäftsmodell als auf die Stimmung einer Online-Gemeinschaft.

Was der GameStop-Aufstand über die Börse verriet

Im Januar 2021 passierte etwas, das viele Fachleute für unmöglich gehalten hatten. Die Videospiel-Ladenkette GameStop galt als Auslaufmodell, ihre Filialen verloren Kunden an Online-Shops. Große Investmentfonds hatten deshalb darauf gewettet, dass der Kurs weiter fällt. Zehntausende Kleinanleger aus dem Forum WallStreetBets auf der Plattform Reddit kauften die Aktie trotzdem – teils aus Kalkül, teils aus Wut auf die Finanzbranche. Der Kurs stieg innerhalb weniger Wochen um mehr als das Zwanzigfache.

Damit wurde sichtbar, dass koordinierte Privatanleger den Kurs eines Unternehmens kurzfristig stärker bewegen können als professionelle Fonds. Einzelne dieser Fonds verloren Milliarden. Der Fall beschäftigte den US-Kongress und führte zu Debatten über Marktmanipulation und über die Frage, wo begeistertes Mitmachen aufhört und Absprache beginnt.

Für Anleger ist das Phänomen vor allem eine Warnung. Wer spät einsteigt, kauft oft zum Höchstpreis. Viele Menschen haben mit Meme-Stocks in wenigen Tagen ihre Ersparnisse verloren, während andere im selben Zeitraum reich wurden. Das macht diese Aktien zu einem der riskantesten Bereiche der Börse überhaupt.

Wie sich eine Kursrakete aufschaukelt

Am Anfang steht meist eine Geschichte, die sich gut erzählen lässt. Eine bekannte Marke steckt in der Krise, große Fonds wetten gegen sie, und eine Online-Gemeinschaft beschließt, dagegenzuhalten. Solche Beiträge verbreiten sich schnell, weil sie Empörung und Hoffnung gleichzeitig bedienen. Je mehr Leute kaufen, desto stärker steigt der Kurs – und der steigende Kurs lockt wieder neue Käufer an.

Ein technischer Verstärker heißt Short Squeeze. Wer auf fallende Kurse wettet, leiht sich Aktien, verkauft sie sofort und will sie später billiger zurückkaufen. Steigt der Kurs stattdessen, wird der Rückkauf teuer. Um Verluste zu begrenzen, kaufen diese Wettenden schnell zurück – und treiben den Kurs dadurch noch weiter nach oben. Die Bewegung nährt sich also selbst.

Genau deshalb bricht ein Meme-Stock irgendwann zusammen. Ist die Gegenwette aufgelöst und die Aufmerksamkeit weitergezogen, fehlt der Nachschub an Käufern. Der Kurs kehrt oft in Richtung des Werts zurück, den die Geschäftszahlen hergeben. Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, ein hoher Kurs sei ein Beweis für ein gesundes Unternehmen. Bei Meme-Stocks ist er vor allem ein Beweis für viel Aufmerksamkeit.

Von Reddit-Foren bis zu Trading-Apps

Meme-Stocks entstehen dort, wo sich viele Kleinanleger austauschen: in Foren wie Reddit, in Gruppen auf Discord oder in kurzen Videos auf TikTok und YouTube. Möglich wurde das durch Handels-Apps wie Robinhood oder Trade Republic, mit denen man in Minuten ein Depot eröffnet und ohne Gebühr kauft. Vor zwanzig Jahren war dafür noch ein Anruf bei der Bank nötig.

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff meist auf, wenn ein Kurs ohne erkennbaren Grund explodiert. Neben GameStop gelten die Kinokette AMC und der Kopfhörerhersteller Koss als klassische Fälle. Ähnliche Muster zeigen sich bei manchen Kryptowährungen, etwa bei Dogecoin, der ursprünglich als Scherz gestartet war.

Inzwischen beobachten auch professionelle Investoren soziale Netzwerke mit Software, die Stimmungen automatisch auswertet. Solche Programme zählen Erwähnungen und schätzen, ob sie positiv oder negativ gemeint sind. Damit wird das, was als Aufstand von Amateuren begann, selbst zu einem Datenpunkt für die Finanzbranche.

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.