
ChatGPT
ChatGPT ist ein Computerprogramm der Firma OpenAI, das man in normaler Sprache etwas fragen kann und das mit selbst formulierten Texten antwortet. Es wurde Ende 2022 veröffentlicht und machte KI-Sprachprogramme zum ersten Mal für ein Massenpublikum benutzbar.
ChatGPT ist ein Programm, mit dem man sich schriftlich unterhalten kann. Man tippt eine Frage oder eine Aufgabe in ein Textfeld, und das Programm schreibt eine Antwort. Diese Antwort ist nicht aus einer Datenbank abgerufen, sondern in dem Moment neu formuliert. Dahinter steckt ein sogenanntes Sprachmodell: ein Programm, das aus riesigen Mengen Text gelernt hat, wie Sprache aufgebaut ist. Entwickelt hat ChatGPT die US-Firma OpenAI, veröffentlicht wurde es am 30. November 2022. Innerhalb von zwei Monaten nutzten es geschätzt 100 Millionen Menschen — schneller als jeder Onlinedienst davor.
Der Moment, in dem KI alltäglich wurde
Die Technik hinter ChatGPT war 2022 nicht neu. Ähnliche Sprachmodelle gab es schon Jahre vorher, aber nur Fachleute kamen an sie heran. Neu war die Verpackung: eine Webseite mit einem Eingabefeld, ohne Anleitung, ohne Programmierkenntnisse. Damit konnte plötzlich jeder ausprobieren, was so ein Modell kann.
Für die Tech-Branche löste das eine Kettenreaktion aus. Google, Microsoft, Meta und Amazon stellten innerhalb weniger Monate eigene KI-Produkte vor oder beschleunigten ihre Pläne. Investoren steckten Milliarden in KI-Firmen. Der Chiphersteller Nvidia, der die Rechenkarten für solche Modelle liefert, wurde zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt. Wenn in Finanznachrichten vom « KI-Boom » die Rede ist, ist meist dieser Startpunkt gemeint.
Gleichzeitig begann eine Debatte, die bis heute läuft. Schulen und Universitäten müssen klären, wie sie mit Hausarbeiten umgehen, die ein Programm geschrieben hat. Autoren und Verlage streiten mit OpenAI darüber, ob deren Texte ohne Erlaubnis zum Training verwendet wurden. Und Firmen fragen sich, welche Bürojobs sich dadurch verändern.
Wortvorhersage plus menschliches Feedback
Im Kern macht ChatGPT etwas Einfaches: Es berechnet, welches Wort als nächstes am besten passt. Dann hängt es dieses Wort an, rechnet erneut und arbeitet sich so durch den ganzen Text. Gelernt hat es das, indem es riesige Textmengen aus dem Internet, aus Büchern und Foren durchgearbeitet hat. Dabei wurden Milliarden interner Stellschrauben so lange nachjustiert, bis die Vorhersagen gut wurden.
Ein reines Vorhersageprogramm wäre allerdings unbrauchbar als Gesprächspartner. Es würde Fragen fortsetzen statt sie zu beantworten. Deshalb kam ein zweiter Schritt dazu: Menschen bewerteten viele Antworten des Modells und sortierten sie nach Qualität. Aus diesen Bewertungen lernte das Modell, welcher Antwortstil erwünscht ist. Dieses Verfahren heißt Reinforcement Learning from Human Feedback und ist der Grund, warum ChatGPT höflich, strukturiert und meist hilfreich klingt.
Ein wichtiger Punkt folgt direkt daraus: Das Modell prüft nichts nach. Es erzeugt, was sprachlich plausibel wirkt, und das kann sachlich falsch sein. Solche selbstsicher vorgetragenen Fehler nennt man Halluzinationen. Erfundene Quellenangaben oder falsche Jahreszahlen sind typische Beispiele. Neuere Versionen dürfen deshalb im Web nachschauen oder rechnen lassen, aber das Grundproblem bleibt.
Vom Hausaufgabenhelfer bis zur Firmensoftware
Am sichtbarsten ist ChatGPT als Webseite und Handy-App. Schüler lassen sich Mathe-Schritte erklären, Berufstätige formulieren E-Mails um, Programmierer suchen Fehler im Code. Es gibt eine kostenlose Version mit einfacheren Modellen und bezahlte Abos mit den leistungsfähigeren. Bilder erzeugen, Dateien auswerten und Sprachgespräche sind inzwischen ebenfalls möglich.
Weniger sichtbar ist derselbe Technikkern in fremden Produkten. OpenAI verkauft Zugang über eine Schnittstelle, also eine technische Verbindung, mit der andere Programme die Modelle aufrufen können. Deshalb steckt die Technik in Kundenservice-Chats, Übersetzungswerkzeugen und Büroprogrammen, ohne dass « ChatGPT » draufsteht. Microsoft nutzt sie unter dem Namen Copilot in Windows und Office.
In Nachrichten wird der Name oft als Sammelbegriff für jede Text-KI verwendet. Das ist ungenau. ChatGPT ist ein Produkt von OpenAI; Konkurrenten heißen Gemini von Google, Claude von Anthropic oder Le Chat von Mistral. Und GPT bezeichnet die Modellfamilie darunter, nicht die Chat-Oberfläche selbst.