
AWS
AWS ist die Vermietungsplattform für Computer von Amazon: Firmen mieten dort Rechenleistung und Speicherplatz, statt eigene Server zu kaufen. Sie ist der weltweit größte Anbieter dieser Art und trägt einen großen Teil des Gewinns von Amazon.
AWS steht für Amazon Web Services und ist ein Geschäftsbereich des Onlinehändlers Amazon. Er vermietet Computer, Speicherplatz und Programme über das Internet. Wer eine Website, eine App oder einen Onlineshop betreiben will, braucht dafür Rechner, die rund um die Uhr laufen. Diese Rechner stehen in großen Hallen, sogenannten Rechenzentren, und gehören Amazon. Der Kunde kauft sie nicht, sondern mietet sie stundenweise und zahlt nur, was er tatsächlich nutzt. Genau dieses Prinzip meint man, wenn von der Cloud die Rede ist.
Warum Amazon an fremden Servern mehr verdient als am Onlineshop
AWS ist das mit Abstand profitabelste Geschäft von Amazon. Der Onlineshop macht zwar viel mehr Umsatz, aber der Versand von Paketen ist teuer. Beim Vermieten von Rechenleistung bleibt dagegen ein großer Teil des Geldes als Gewinn übrig. In vielen Quartalen stammt über die Hälfte des Amazon-Gewinns aus AWS. Deshalb schauen Anlegerinnen und Anleger bei Quartalszahlen zuerst auf diese Sparte.
Für die übrige Wirtschaft ist AWS wichtig, weil es die Hürde für neue Firmen gesenkt hat. Früher musste ein Start-up erst teure Server kaufen, bevor die erste Nutzerin überhaupt existierte. Heute startet man mit wenigen Euro im Monat und wächst mit. Netflix, Airbnb und viele Banken laufen ganz oder teilweise auf AWS.
Diese Abhängigkeit hat eine Kehrseite. Fällt ein großes AWS-Rechenzentrum aus, sind gleichzeitig hunderte bekannte Dienste offline. Solche Störungen kommen selten vor, machen dann aber weltweit Schlagzeilen. Fachleute nennen das ein Klumpenrisiko: zu viel hängt an einem einzigen Anbieter.
Vom Rechenzentrum bis zur gemieteten Grafikkarte
Technisch besteht AWS aus Rechenzentren auf allen Kontinenten. Jede Region enthält mehrere getrennte Standorte, damit ein Stromausfall nicht alles lahmlegt. Kunden wählen die Region selbst aus, oft aus rechtlichen Gründen. Deutsche Behörden verlangen häufig, dass Daten in Europa bleiben.
Auf dieser Grundlage bietet AWS Bausteine an, die man wie Lego kombiniert. Der Dienst EC2 vermietet virtuelle Computer, S3 speichert beliebige Dateien. Dazu kommen Datenbanken, Werkzeuge für künstliche Intelligenz und vieles mehr. Insgesamt sind es weit über zweihundert einzelne Dienste. Abgerechnet wird meist pro Stunde, pro gespeichertem Gigabyte oder pro Anfrage.
Ein Missverständnis sollte man vermeiden: Die Cloud ist kein Nebel im Himmel. Es sind sehr reale Maschinen mit Stromverbrauch, Kühlung und Wartungspersonal. Neu ist nur, dass sie jemand anderem gehören und man sie fernsteuert.
AWS in KI-Meldungen und im eigenen Alltag
Im Alltag begegnet man AWS ständig, ohne es zu merken. Wer eine Serie streamt, eine Lern-App öffnet oder online ein Ticket kauft, spricht oft mit einem Amazon-Server. Sichtbar wird das erst bei Störungen, wenn mehrere Apps gleichzeitig hängen.
In den Wirtschaftsnachrichten taucht AWS vor allem im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz auf. Das Training moderner Sprachmodelle braucht tausende spezialisierte Chips, die kaum eine Firma selbst kaufen kann. AWS vermietet diese Rechenleistung und entwickelt mit Trainium und Inferentia sogar eigene Chips dafür. Amazon hat außerdem Milliarden in das KI-Unternehmen Anthropic investiert, das im Gegenzug AWS nutzt.
Wichtig ist die Abgrenzung zu den Konkurrenten. Microsoft bietet mit Azure ein sehr ähnliches Angebot an, Google mit der Google Cloud. AWS ist der älteste und größte dieser drei, verliert aber langsam Marktanteile. Wenn in Meldungen vom Cloud-Markt die Rede ist, geht es fast immer um dieses Dreiergespann.