Quarterly Earnings

Quarterly Earnings

Quarterly Earnings sind die Geschäftszahlen, die ein börsennotiertes Unternehmen alle drei Monate veröffentlicht. Sie zeigen, wie viel Geld in diesem Zeitraum eingenommen wurde, wie viel übrig blieb und wie es weitergehen soll.

Ein Jahr hat vier Quartale, also vier Abschnitte zu je drei Monaten. Unternehmen, deren Anteile an der Börse gehandelt werden, müssen regelmäßig offenlegen, wie ihre Geschäfte laufen. Genau das sind Quarterly Earnings, auf Deutsch Quartalszahlen: ein Bericht über Einnahmen, Kosten und Gewinn der letzten drei Monate. Dazu kommen fast immer Erklärungen der Firmenleitung und oft eine Einschätzung, wie das nächste Quartal aussehen dürfte. Für Anlegerinnen und Anleger ist das der wichtigste regelmäßige Blick ins Innere eines Unternehmens. Die Zahlen kommen meist ein paar Wochen nach Quartalsende und werden vorher auf den Tag genau angekündigt.

Warum vier Termine im Jahr die Kurse bewegen

Der Preis einer Aktie hängt davon ab, was Käufer von der Zukunft des Unternehmens erwarten. Diese Erwartungen sind bis zum Berichtstag reine Vermutung. Quartalszahlen ersetzen die Vermutung durch geprüfte Zahlen. Deshalb springen Aktienkurse an solchen Tagen häufig um mehrere Prozent, manchmal auch um zwanzig oder dreißig.

Entscheidend ist dabei nicht, ob eine Firma Gewinn gemacht hat. Entscheidend ist die Abweichung von dem, was der Markt erwartet hatte. Analysten großer Banken geben vorab Schätzungen ab, aus denen ein Durchschnittswert gebildet wird. Liegt das Ergebnis darüber, spricht man von einem Beat, liegt es darunter, von einem Miss. Ein Rekordgewinn kann den Kurs fallen lassen, wenn ein noch höherer Rekord erwartet wurde.

Für Technologie- und KI-Firmen sind diese Termine besonders aufgeladen. Sie geben dort viel Geld für Rechenzentren aus, bevor sich damit überhaupt etwas verdienen lässt. Anleger nutzen die Quartalszahlen, um zu prüfen, ob die Ausgaben inzwischen Umsatz bringen.

Was in so einem Bericht wirklich drinsteht

Im Zentrum stehen zwei Zahlen. Der Umsatz ist alles, was das Unternehmen eingenommen hat, oft Top Line genannt, weil er oben in der Tabelle steht. Der Gewinn ist das, was nach Abzug aller Kosten übrig bleibt, entsprechend Bottom Line. Häufig wird der Gewinn auf eine einzelne Aktie heruntergerechnet, damit man verschieden große Firmen vergleichen kann.

Große Konzerne schlüsseln ihre Zahlen zusätzlich nach Sparten auf. Bei einem Chiphersteller sieht man etwa getrennt, wie viel das Geschäft mit Rechenzentren und wie viel das Geschäft mit Spielegrafikkarten eingebracht hat. Interessant ist auch die Marge: Sie sagt, welcher Anteil des Umsatzes am Ende als Gewinn übrig bleibt. Eine sinkende Marge bei steigendem Umsatz bedeutet, dass das Wachstum teuer erkauft wurde.

Nach der Veröffentlichung folgt der Earnings Call, eine Telefonkonferenz mit der Firmenleitung. Dort werden Fragen von Analysten beantwortet, und dort fällt oft der wichtigste Satz des Tages: die Prognose für das kommende Quartal, auf Englisch Guidance. Eine vorsichtige Prognose kann gute Zahlen komplett überschatten.

Earnings Season in den Nachrichten

Viermal im Jahr berichten fast alle großen Firmen innerhalb weniger Wochen. Diese Phase heißt Earnings Season und beginnt traditionell mit den US-Großbanken. In dieser Zeit sind Wirtschaftsnachrichten voll von Formulierungen wie « übertrifft die Erwartungen » oder « enttäuscht beim Ausblick ».

Wenn du in solchen Meldungen liest, dass ein Unternehmen nach Börsenschluss zehn Prozent verliert, liegt das an einem Detail: Die meisten US-Firmen veröffentlichen ihre Zahlen bewusst außerhalb der Handelszeiten. Der Handel läuft dann im sogenannten nachbörslichen Handel weiter, mit weniger Beteiligten und dadurch stärkeren Ausschlägen. Am nächsten Morgen fällt die Reaktion oft schon wieder etwas milder aus.

Ein verbreiteter Irrtum ist, Quartalszahlen seien dasselbe wie der Geschäftsbericht. Der Jahresbericht ist deutlich umfangreicher und wird von externen Prüfern geprüft. Quartalszahlen sind kürzer, schneller und in Europa teils weniger streng vorgeschrieben als in den USA. Trotzdem sind sie für die tägliche Berichterstattung die wichtigere Quelle, weil sie ein aktuelles Bild liefern.

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