Querschnittslähmung

Querschnittslähmung

Eine Querschnittslähmung entsteht, wenn das Rückenmark im Wirbelkanal so stark geschädigt ist, dass Signale zwischen Gehirn und Körper nicht mehr durchkommen. Unterhalb der verletzten Stelle sind Bewegung und Gefühl teilweise oder vollständig ausgefallen.

Im Inneren der Wirbelsäule verläuft ein dicker Nervenstrang, das Rückenmark. Über ihn schickt das Gehirn Befehle an die Muskeln, und der Körper meldet zurück, was er fühlt. Wird dieser Strang durchtrennt oder gequetscht, brechen diese Meldungen an der verletzten Stelle ab. Alles, was unterhalb der Verletzung liegt, ist dann vom Gehirn abgeschnitten: Man kann es nicht mehr bewusst bewegen und oft auch nicht mehr spüren. Genau das nennt man eine Querschnittslähmung. Wie viel vom Körper betroffen ist, hängt davon ab, wie hoch oben die Schädigung sitzt.

Was der Ausfall im Alltag bedeutet

Sitzt die Schädigung im Bereich der Lendenwirbel, sind meist die Beine gelähmt. Ärzte sprechen dann von einer Paraplegie. Liegt sie weit oben im Hals, sind auch Arme und Hände betroffen, das heißt Tetraplegie. Bei sehr hohen Verletzungen kann sogar die Atemmuskulatur ausfallen, dann ist ein Beatmungsgerät nötig.

Betroffen sind aber nicht nur Bewegung und Gefühl. Auch Blase, Darm, Blutdruck und Sexualfunktion werden über Nerven gesteuert, die durch das Rückenmark laufen. Deshalb gehören Blasenkatheter, Druckstellen an der Haut und Kreislaufprobleme zum medizinischen Alltag vieler Betroffener. Ein verbreiteter Irrtum ist, eine Querschnittslähmung sei einfach nur ein Leben im Rollstuhl.

Wichtig ist auch der Unterschied zwischen vollständiger und unvollständiger Lähmung. Bleiben einzelne Nervenfasern intakt, sind manchmal noch Restbewegungen oder ein Tastgefühl vorhanden. In diesen Fällen kann intensives Training über Monate erstaunlich viel zurückbringen.

Warum das Rückenmark nicht wieder zusammenwächst

Häufige Ursachen sind Verkehrs- und Sportunfälle, Stürze, aber auch Tumore, Entzündungen oder Blutungen. Bei einem Unfall wird das Rückenmark selten glatt durchtrennt. Meist quetschen verschobene Wirbel es ein, und die Nervenfasern reißen auf einer kurzen Strecke.

Danach folgt eine zweite Schadenswelle. Das verletzte Gewebe schwillt an, wird schlechter mit Blut versorgt und Zellen sterben zusätzlich ab. Deshalb zählt in den ersten Stunden jede Minute: Ärzte stabilisieren die Wirbelsäule und nehmen Druck vom Rückenmark. Ein Teil des endgültigen Schadens entscheidet sich erst in dieser Phase.

Nerven im Arm oder Bein können nachwachsen, Nervenfasern im Rückenmark praktisch nicht. Am Verletzungsort bildet sich Narbengewebe, das neue Fasern blockiert. Man kann sich das wie eine gekappte Datenleitung vorstellen, die von Beton umschlossen wird. Genau hier setzt die Forschung an, etwa mit elektrischen Implantaten, die Signale über die Bruchstelle hinweg weiterleiten.

Der Begriff in Technik-News und Forschungsmeldungen

Querschnittslähmung tauchte in den vergangenen Jahren oft in Technikmeldungen auf. Grund sind Gehirn-Computer-Schnittstellen: Elektroden lesen Signale aus dem Gehirn und steuern damit einen Computer, einen Roboterarm oder eine Sprachausgabe. Firmen wie Neuralink oder Forschungsgruppen an Universitätskliniken testen solche Systeme genau an gelähmten Patienten, weil dort der Nutzen am größten ist.

Ein zweiter Ansatz überbrückt die Verletzung direkt. Ein Implantat im Rückenmark wird elektrisch gereizt, passend zu den Absichten aus dem Gehirn. Einzelne Patienten konnten damit wieder gestützt gehen. Das sind bislang Studien mit wenigen Personen, keine fertige Therapie.

Wenn du solche Meldungen liest, lohnt der Blick auf zwei Zahlen: die Anzahl der Teilnehmer und die Dauer der Beobachtung. Fünf Patienten über ein Jahr sind ein Anfang, kein Beweis. Und im Alltag zählen weiter unspektakuläre Dinge: barrierefreie Bahnhöfe, gute Rollstuhltechnik und Assistenzsysteme, die sich mit Stimme oder Augen bedienen lassen.

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